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Vor vier Jahren fand die erste gemeinsame Sitzung von Stadt- und Gemeinderäten aus Schongau, Peiting und Altenstadt im Jakob-Pfeiffer-Haus statt.

Nach vier Jahren Zusammenarbeit

Ikek-Bilanz: „Noch Luft nach oben“

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Es war ein historischer Moment: 2015 kamen die Räte aus Schongau, Peiting und Altenstadt erstmals zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Es war der öffentliche Startschuss für das Interkommunale Entwicklungskonzept (Ikek). Die Bilanz nach vier Jahren Zusammenarbeit fällt gemischt aus.

Schongau/Peiting/Altenstadt – Es sei wichtig, nicht nur leere Worthülsen zu produzieren, sondern die Projekte mit Leben zu füllen, hatte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman in der historischen gemeinsamen Sitzung den versammelten Räten aus Schongau, Peiting und Altenstadt mit auf den Weg gegeben – wohl wissend, dass die vereinbarte Zusammenarbeit der drei Kommunen mehr sein müsse, als nur eine Vereinbarung auf dem Papier. Vier Jahre später formuliert es Sluyterman so: Man habe einiges erreicht, aber „es ist noch Luft nach oben“. Eine Einschätzung, die das Schongauer Stadtoberhaupt mit seinen Amtskollegen in Peiting und Altenstadt, Michael Asam und Albert Hadersbeck, teilt.

Einige Projekte sind umgesetzt worden

Tatsächlich sind einige gemeinsame Projekte in den vergangenen Jahren umgesetzt worden. Dazu zählt das Ammer-Lech-Land-Ticket, das verbilligtes Busfahren im Mittelzentrum ermöglicht. „Leider wird es noch nicht so in Anspruch genommen wie erhofft“, sagt Sluyterman. Besser läuft es bei der Kooperation der drei Schwimmbäder, die Dauerkarteninhabern in den jeweils anderen Einrichtungen vergünstigten Eintritt bieten. „Das wird gut angenommen“, freut sich Asam. Zu nennen ist auch die Schongauer Tafel, an deren Kosten sich alle drei Kommunen beteiligen. Auch die jüngst vom Staatlichen Bauamt angekündigten Verbesserung der B17-Auffahrt bei Altenstadt sei ein Wunsch des Mittelzentrums gewesen, sagt Hadersbeck. Mehrmals habe man seit 2018 bei der Behörde die Dringlichkeit angemahnt. Ein sichtbares Zeichen der Kooperation ist auch die Beleuchtung des Radwegs zwischen Schongau und Peiting.

Eine bessere Krankenhaus-Anbindung mit Bahnhalt lässt auf sich warten

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Bei der besseren Krankenhaus-Anbindung mit einem eigenen Bahnhalt ist man über den schon vor vier Jahren geäußerten Wunsch bislang nicht hinausgekommen, auch eine umsteigefreie Verbindung nach München sucht man nach wie vor vergebens. „Auf diese Dinge haben wir leider wenig direkten Einfluss“, beklagt Sluyterman. Da half es bislang auch nicht, dass die drei Gemeinden bei ihren Bemühungen mit einer Stimme sprechen und als Ammer-Lech-Land deutlich mehr Druck machen können.

Auch bei einer gemeinsamen Wohnungsbaugesellschaft, die schon 2015 als Ziel gesetzt worden war, tut man sich schwer. „Wir sind immer noch dran, eine Lösung zu finden“, sagt Asam. Der Bedarf an sozialem Wohnungsbau sei da, nur die Umsetzung gestalte sich aus vielerlei Gründen kompliziert. Aktuell hoffe man auf einen neuen Vorstoß des Landkreises, der gerade den Bedarf in den Gemeinden abfrage.

Gemeinsames Radwegekonzept „ein Riesenschritt“ 

Deutlich besser schaut es beim gemeinsamen Radwegkonzept aus, das die drei Kommunen aktuell im Rahmen des Ikek erstellen. „Das ist ein Riesenschritt“, freut sich Sluyterman. In diesem Zug soll auch die neue Brücke über den Lech nahe des Loamer Stichls verwirklicht werden, die ebenfalls vor vier Jahren schon auf der Agenda stand – vorbehaltlich der Finanzierbarkeit, schränkt Sluyterman freilich ein.

Ganz aktuell sind die Bemühungen um einen sogenannten „Co-Working Space“, bei dem ein Anbieter Pendlern Arbeitsplätze in ihrer Heimatregion zur Verfügung stellt. Vorbild sei Weilheim, sagt Hadersbeck, wo es ein solches Angebot gebe.

Es sind eher kleinere Projekte, die bislang im Rahmen des Ikek umgesetzt oder angegangen wurden. Der große Wurf, auf den manch einer vielleicht gewartet habe, sei eben nicht so ohne weiteres möglich, sagt Sluyterman. „Es sind immer noch drei autonome Kommunen.“ Noch sei man in der komfortablen Situation, dass man sich die Themen aussuchen könne, bei denen man zusammenarbeiten wolle.

Den Schritt zur Kooperation finden noch immer alle richtig 

Dass der Schritt zur engeren Kooperation richtig war, betonen alle drei Bürgermeister. Wo früher einer allein vorgeprescht sei, werde nun erst einmal geprüft, ob ein gemeinsamer Vorstoß nicht mehr Sinn mache. Oft käme der Anstoß dazu auch aus den Gremien selbst – ein Umdenken im Vergleich zu früher. Das sei auch notwendig, betont Hadersbeck. Schließlich stehe man als Wirtschaftsstandort in Konkurrenz zu den Zentren Weilheim und Penzberg. „Da müssen wir uns auf die Hinterfüße stellen.“ Das Thema Ikek werde deshalb auch nach der Wahl aktuell bleiben, ist Sluyterman überzeugt – gleich, wer Bürgermeister ist.


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