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Das Rathaus ist erfolgreich gestürmt. In diesem Jahr dominierend die nostalgisc he Pelzmode aus Schongaus vergessenen Dachböden. 

Sturm auf das Rathaus

Narren einig: „Bürgermeister absolut fit für die Zukunft“

Die Narren stürmen das Schongauer Rathaus und testen den Bürgermeister. Ergebnis: Er ist absolut fit für die Zukunft!

Schongau– Der traditionelle Rathaussturm gehört einfach zum Fasching dazu und ist ein fester Programmpunkt des Schongauer Narrentreibens. Streichung unmöglich. Wenn die Narren stürmen, nutzt keine Ausrede des Bürgermeisters. Jeder noch so klägliche Versuch zwecklos. Dann muss er herhalten. In diesem Jahr wird Falk Sluyterman auf Großstadttauglichkeit geprüft. Vor allem lebermäßig. Und das wahrlich gründlich.

So groß kann manchmal der kleine Unterschied sein. Na, na, falsch gedacht. In diesem Fall geht es um die Person des Bürgermeisters. Oder besser gesagt um dessen Daseinsberechtigung im Amt. Die einen wollen ihr Oberhaupt loswerden, wie am Rosenmontag die Hohenfurcher Narren, die ihren Bürgermeister wegen dessen Vogelgrippe entsorgt haben. Die anderen wollen ihn behalten und machen ihn lieber fit für die Zukunft. So die Narren der Schongauer Faschingsgesellschaft, die gestern zum großen Sturm auf das Rathaus angesetzt haben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Jeder kennt diesen Spruch. Bürgermeister Falk Sluyterman hatte bis zuletzt gehofft, dass der traditionelle Rathaussturm an ihm vorübergehen werde. Wegen des starken Schneefalls und nasskaltem Wetters. Doch diese Hoffnung stirbt spätestens, wenn die dumpfen Trommelschläge durch das Rathaus tönen. Die Türe zum Amtszimmer wird aufgerissen, die vogelwilde Truppe stürmt rein. Ab jetzt gehört Sluyterman der Katz. Was sage ich Katz? Von wegen! Das Zimmer gleicht einem Laufsteg für nostalgische Pelzmode aus Großmutters Zeiten. Schongaus Dachböden wurden vorbildlich entrümpelt.

Es geht jetzt alles sehr schnell. Die Prinzessin selbst legt beim Bürgermeister Hand an. Sie zaubert ihm per Malstift einen Bart à la Prinz Martin von der Hipster Hochburg ins Gesicht. Rucksack übergestülpt, Hut aufgesetzt und los geht’s Richtung Marienplatz.

Der Altmeister selbst gibt sich gelassen – noch. Denn er weiß, dass dies nicht das Ende der Fahnenstange ist. Nicht bei dieser Truppe. Auch abzulesen, wenn man in das Gesicht von Präsident Andreas Mock blickt. Pokerface in ausgeprägter Form. Trommlergruppe vorneweg, dahinter eine übermütige, in Pelzpracht strotzende Truppe. Stimmung geradezu ausgelassen, Dauerschneefall inbegriffen. Der Deliquent mittendrin. Kopf hoch, Sluyterman, es geht nur zum Test, nicht auf’s Schafott. Man will ihn prüfen, ob er einen (dienstlichen) Aufenthalt in München überstehen könne.

Dazu Test Nummer 1: Aus drei vorgegebenen Zutaten einen dem Prinzen mundenden Gin Tonic zu mixen. Sluyterman findet die richtige Mischung und....schüttet sich das große Glas voll selbst den Schlund hinunter. Mehr als bestanden. Russische Alkoholiker würden vor Neid erblassen.

Test 2: Reaktionsfähigkeit beim Hütchenspiel. Von wegen kleine Dinger auf einem Tisch. Von Kopf zu Kopf ist die Devise. Natürlich mit Musik und im Uhrzeigersinn. Bis die Kopfhaut glüht. Falk bleibt Sieger, er muss das Spielchen vorher in einer Spielegruppe geübt haben.

Test 3 ein wahrer Härtetest: Sluyterman muss den „Repper-Rap“ vortragen. Karaoke per Handy auf dem Marienplatz. Musikalischer Hardcore neben der Musikschule. Gut, der Refrain mit „Yeah, yeah, yeah“ klappt, wenn man wohlwollend bewertet. „Und für München reicht es allemal“, so das salomonische Urteil des Präsidenten Mock.

Fazit vor dem wohlverdienten Weißwurstessen beim Lindauer: „Unser Bürgermeister kann jederzeit mit ruhigem Gewissen auf die Münchner Szene losgelassen werden, aber er muss in Schongau bleiben“, spricht der Präsident. „Lechau!“ 

Hans-Helmut Herold

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