Erkältet das Bett hüten: Das ist derzeit eine absolute Seltenheit, berichten Ärzte.
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Erkältet das Bett hüten: Das ist derzeit eine absolute Seltenheit, berichten Ärzte.

Hausärzte im Landkreis diagnostizieren weniger Infekte

Nebenwirkung der Pandemie: Erkältungen gibt es seit Corona kaum mehr

Maske tragen, Abstand halten und Selbstisolation helfen nicht nur gegen das Coronavirus – auch anderen Viren wird es so schwer gemacht, sich zu verbreiten. Dasselbe gilt für Bakterien. Ärzte berichten von merklich weniger Erkältungskrankheiten in der Region. Und endlich trauen sich auch wieder mehr Patienten in die Praxis.

Landkreis – Hausarzt Martin Kayser aus Schongau bestätigt auf Nachfrage, dass es bereits seit längerer Zeit einen deutlichen Rückgang an Krankheitsbildern gebe, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen ausgelöst werden. „Wir hatten seit Monaten so gut wie keinen Fall an Mittelohrentzündung in der Praxis. Vereinzelt kommen Patienten mit eitrigen Mandeln, aber eine normale Bronchitis sieht man zum Beispiel gar nicht mehr.“ Diese Entwicklung sei eindeutig auf die geltenden Corona-Regeln zurückzuführen und gelte sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Für Dr. Annette Reißner aus Penzberg ist es noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Zwar würden ihre Praxis aktuell weniger Erkältungskranke aufsuchen, aber ob dies allein auf die Coronaschutzmaßnamen zurückzuführen sei, ist in ihren Augen nicht ersichtlich. Die Grippesaison stehe außerdem erst noch aus. Im Allgemeinen würde ihre Praxis im Moment aber nicht weniger besucht werden als sonst.

Wieder mehr Patienten in den Praxen

Dr. Thomas Zybill, Hausarzt in Peiting, sieht hingegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Hygienemaßnahmen und der aktuell geringen Anzahl an Infekten. Im Hinblick auf das gesamte Patientenaufkommen in der Praxis meint er: „Von der Menge der Patienten haben wir einen normalen Zulauf, einen Tick weniger als vor der Pandemie vielleicht.“ Dies sei anders als im Frühjahr: Damals waren viele Patienten aus Angst vor Ansteckung nicht gekommen, mit zum Teil gravierenden Folgen: Wichtige Vorsorgetermine wurden nicht eingehalten, Mediakamentenpläne nicht angepasst.

Davon berichtet auch Martin Kayser. Der Zulauf habe sich im Vergleich zur ersten Welle zwar verbessert, ganz normalisiert habe er sich aber noch nicht. Kayser ist koordinierender Arzt der Infektsprechstunden für die niedergelassenen Hausärzte in der Region und weist darauf hin, dass Patienten durch die Infektsprechstunden eben nicht mit infizierten Patienten zusammentreffen würden. Es gäbe also keinen triftigen Grund, den Gang zum Arzt aus Angst vor Ansteckung zu scheuen.

Apotheken verkaufen weniger Arnzeimittel gegen Erkältungen

Ein Peitinger Hausarzt, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, erwartet eine im Vergleich zu den Vorjahren geringere Anzahl an Influenza-Infizierten für Mitte und Ende Februar. Die seit diesem Montag geltende FFP2-Maskenpflicht werde die Ansteckungen auch in diesem Bereich gering halten. Im Hinblick auf die Coronapandemie fehle es ihm aber an einer genaueren Differenzierung. Problematisch sei für ihn die Tatsache, dass alle Symptome positiv Getesteter einzig und allein dem Coronavirus und nicht anderen Infekten zugeschrieben werden.

Insgesamt ergibt sich ein einheitliches Bild in der Region: Bei fast normalem Patientenaufkommen diagnostizieren die Hausärzte weit weniger Infekte und Infektionen. Das bekräftigen auch die Apotheken. Stefan Dittrich von der Center-Apotheke in Weilheim sieht einen bemerkenswerten Rückgang beim Kauf von freiverkäuflichen Arzneimitteln gegen Erkältungen. „Das haben wir bereits das gesamte letzte Jahr über bemerkt. Schon seit dem ersten Lockdown im Frühjahr werden wesentlich weniger Medikamente aufgrund von Infektbeschwerden gekauft.“

VON JENNIFER BATTAGLIA

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