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Nachdenklicher Blick auf den Garten

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Einführende Worte gab es für die ersten 15 Besucher im Hinterhof des Stadtmuseums. Von links Heike Grosser (Kreisfachberaterin für Gartenkultur- und Landespflege) sowie Bettina Buresch und Markus Keller von der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Peiting-Schongau. © Fröhlich

Im Schongauer Stadtmuseum kehrt Normalität ein. Die Nach-Corona-Phase wird mit einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz eingeleitet. Die Fotoschau „Tatort Garten - Ödnis oder Oase“ soll zum Nachdenken anregen und wird mit Vorträgen begleitet.

Schongau Gärten spiegeln in gewisser Weise auch ihre Besitzer wider. Der eine liebt es, wenn es üppig grünt und blüht, wenn Insekten und anderes Getier sich im Garten tummeln und hier Nahrung und Unterschlupf finden. Der andere mag es lieber aufgeräumt und übersichtlich und stört sich daran, wenn sich ein Insekt in seinen Garten verirrt. Der eine macht seinen Garten zum Schmuckstück, an dem Passanten ihre Freude haben und das Auge schweifen kann. Andere finden ihren Garten so privat, dass sie sich am liebsten hinter hohen Mauern, Hecken und Gabionen verschanzen. Während die einen eine grün blühende Oase ihr Eigen nennen, lassen andere Gärten eher an Friedhof denken.

Tatsache ist: Stein, Kies, Beton und Kunststoff finden immer mehr Eingang in die Gartenarchitektur. Mit teilweise fatalen Folgen für die Artenvielfalt. Ein Bild der Ausstellung drückt das so aus: „Der Busch in diesem Lavabade nährt nicht mal eine Made. Schade“, heißt es unter dem Motiv, das einen kugelrund gestutzten, leicht vertrockneten Bux in einem Kiesbett, umgeben von Pflastersteinen, zeigt. „Ein Garten hat immer eine Wirkung nach innen und außen“, so Bettina Buresch, die zusammen mit Markus Keller, Vorsitzender der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Peiting Schongau, die zugelassenen 15 Besucher begrüßte. Sie betonte, wie wichtig Gärten als Lebensraum für Insekten und Kleintiere sind.

Das bestätigte auch Markus Keller. Wenngleich er ausführte, dass private Gärten nur ein „Randthema“ für den Bund Naturschutz sind. Gegenüber der Landwirtschaft, die rund 40 Prozent der Grünflächen bewirtschaftet, machen Gärten nur zwei Prozent aus. Aber Gärten schaffen auch Verbindungsflächen zwischen Biotopen und sind so lebenswichtig für viele Arten. „Wenn zum Beispiel in einem Biotop eine Art ausstirbt, haben Gärten eine Brückenfunktion, damit sich neue Arten ansiedeln können“, erklärte Keller.

Die Ausstellung, die kahle und triste Steinwüsten üppig blühenden grünen Inseln gegenüberstellt, will den Blick des Betrachters dafür schärfen, was derzeit in seiner Umgebung zum Schaden der Natur und der in ihr innewohnenden Ästhetik geschieht. Zudem möchte sie den Besucher motivieren, wieder mehr Natürlichkeit im Garten zu wagen und zuzulassen. Heike Grosser, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, betonte, dass man die vom Bund Naturschutz in Landshut konzipierte und in ganz Deutschland gezeigte Wanderausstellung nicht als „erhobenen Zeigefinger“ verstehen sollte.

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Abschreckendes Beispiel einer steinernen Wüste im Garten – mit Folgen für Optik und Natur. © Fröhlich

Ein Aspekt sei für sie der Spruch „Grünanlagen sind die Streicheleinheiten der öffentlichen Hand“. Ein Garten sei etwas für das Wohlbefinden und etwas, das wir gestalten können. Grosser empfahl in diesem Zusammenhang das Buch „Tiere pflanzen“ – in dem die Autorin erklärt, welche Pflanzen welche Tiere in den Garten locken können. „Naturschutz darf man auch feiern“, zitierte die Kreisfachberaterin Cosima Hölzl von der Initiative „Deutschland summt“. Feiern durch schöne und bewegende begrünte Gärten, wo man etwas wachsen sehen, die Seele baumeln lassen und Natur beobachten kann.

Dass im kleinsten Garten Platz ist, der Natur Raum für versiegelte Flächen zurückzugeben, veranschaulichte Buresch mit dem Beispiel einer begrünten Hauswand, die zudem nützlich für das Wohnklima ist.

Die Ausstellung „Tatort Garten – Ödnis oder Oase“ wird von mehreren Vorträgen begleitet. Am 9. Juni bietet Kreisgartenfachberaterin Heike Grosser um 17 Uhr im Gnettnergelände in Schongau (Oskar-Maria-Graf-Weg) eine kurze Gartenführung mit Fragestunde an. Zudem bieten Sabine Friesch und Rainer Engler immer donnerstags um 17 Uhr in der Blumenschule in Schongau verschiedene Vorträge zum Thema an: Am 11. Juni „BienenOasen – Bienen- und Insekten-Landeplätze im Haus- und Balkongarten“; am 18. Juni „Binnen-Migration – Heimische Pflanzen im Hausgarten“; am 25. Juni „Der Garten-Virus – Einmal in Kontakt, schon infiziert“; am 2. Juli „Zua-Groaste im Garten – Mitbringsel aus aller Welt von A wie Aubergine bis Z wie Zucchini“ und am 9. Juli „Garten-Quarantäne – Selbstfindung im eigenen Paradies-Garten – Ob im Balkon-Garten oder in der Parkanlage, das Pflanzenreich ist eine Schatztruhe“. Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen ist die Teilnahme an den Veranstaltungen begrenzt und unterliegt den geltenden Schutzmaßnahmen. Es wird um Anmeldung per Mail an peiting-schongau@bund-naturschutz.de gebeten.

Ursula Fröhlich

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