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Die Reihenhäuser an der Moosängerstraße lösten die Debatte im Stadtrat aus: Rechts ein Haus mit Stellplatz, was der Hausbesitzer links daneben auch gerne hätte, aber abblitzte.

Bauausschuss

Neue Parkplätze für Berufsschule

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Ein Bauantrag für einen Stellplatz im Vorgarten hat in der Bauausschusssitzung vom Dienstagabend für lange Diskussionen um die Optik in Schongaus Straßen gesorgt – bis hin zum Parkplatzproblem an der Berufsschule. Doch das steht völlig überraschend vor der Lösung.

Schongau – Auf den ersten Blick ist das Anliegen der Hausbesitzer nachvollziehbar: Die Eigentümer eines Reihenmittelhauses in der Moosängerstraße würden gerne den Gehweg vor ihrem Haus absenken, um in ihrem Vorgarten einen Stellplatz zu bauen. Denn die Garage sei rund 50 Meter entfernt – zu weit, um beispielsweise Einkäufe auszuladen. Außerdem könne man kaum direkt vor dem Haus parken, weil die Straße ständig von Schülern der nahen Berufsschule zugeparkt sei, wie es im Antrag an die Stadt heißt. Und, was ebenfalls ein gewichtiges Argument sei: Der direkte Nachbar habe auch einen Stellplatz vor dem Haus.

Das hat sich Bauamts-Mitarbeiter Martin Blockhaus vor Ort angeschaut und musste feststellen: Tatsächlich hat der Nachbar einen Stellplatz und sogar eine Hütte im Vorgarten. „Ob der Stellplatz genehmigt wurde, kann nicht nachvollzogen werden, da nichts in den Akten vermerkt ist“, sagte Blockhaus. Ansonsten gebe es Stellplätze nur seitlich an den Reiheneckhäusern. Blockhaus plädierte dafür, die Genehmigung nicht zu erteilen, weil man die Ziele im Bebauungsplan erhalten wollte wie eine Bepflanzung des Straßenseitenraums sowie den Schutz der Fußgänger vor Rangierbewegungen.

„Damit tue ich mir schwer, wenn der Nachbar einen Stellplatz hat“, sagte Michael Eberle (CSU). Blockhaus betonte aber ein wichtiges Detail: Das Haus des Nachbars sei zurückversetzt, dort sei mehr Platz. Beim Antragsteller dagegen seien es nur knapp unter fünf Meter – und mehr als fünf Meter seien die Grundvoraussetzung für die Genehmigung. „Der müsste ein ganz kleines Auto haben und direkt an die Wand fahren, um nicht in den Gehweg reinzuragen“, sagte Bauverwaltungs-Fachmann Michael Wölfle. Er machte keinen Hehl aus seiner Meinung, dass eine Genehmigung „verheerend“ für das Stadtbild wäre. Wölfle erinnerte daran, dass man die ähnliche Anfrage einer behinderten Frau aus der Hans-Böckler-Straße vor einiger Zeit ebenfalls abgelehnt habe. „Wenn wir das hier zulassen, haben wir morgen Vorgarten-Stellplätze in der ganzen Stadt“, prophezeite Wölfle.

Im Bild von oben ist die Einfahrt zur Schongauer Berufsschule zu sehen. Auf der Grünfläche im Vordergrund soll ein zusätzlicher Parkplatz für rund 25 Fahrzeuge entstehen, um die umliegenden Straßen vor parkenden Berufsschülern zu verschonen.

Doch auch Ilona Böse(SPD) tat sich mit einer Ablehnung schwer, weil sie dort einmal gewohnt habe und weiß, dass die Straße oft zugeparkt sei. Dieses Thema griff Eberle auf: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob der Parkplatz der Berufsschule ausreicht.“ Neben der Moosänger- sei auch die Wilhelm-Köhler-Straße, eigentlich das gesamte Wohnviertel rundherum betroffen. „Wenn wir an der Berufsschule Abhilfe schaffen, entspannt sich die Lage auch in den Nebenstraßen“, sagte Eberle und wollte wissen, ob es dort Pläne gebe.

„Der Ausbau der Wilhelm-Köhler-Straße ist im Fokus, aber erst in einigen Jahren“, so Blockhaus. Doch ob dort durch eine neue Strukturierung so viel mehr Parkraum entsteht, sei eher fraglich, gab auch das Stadtbauamt zu. „Die Frage ist, ob wir an der Berufsschule nicht noch einen großen Parkplatz brauchen“, warf Martin Schwarz (SPD) ein. Da müsse auch das Landratsamt als Sachaufwandsträger beteiligt werden, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD). Man wolle dort anfragen, „aber das würde natürlich auch nur langfristig helfen“, sagte er. Den Antragstellern aus dem Moosänger hilft das nicht, ihr Begehren für den Stellplatz im Vorgarten wurde mit 8:1 Stimmen abgelehnt.

Auf SN-Nachfrage bestätigte Schongaus Berufsschulleiter Thomas Schütz die Engpässe an manchen Tagen mit viel Unterricht, vor allem dienstags und mittwochs. „Ich habe selber keinen reservierten Stellplatz, und wenn ich morgens einmal wegfahren muss und wiederkomme, finde ich oft selbst keinen Parkplatz“, gab er zu. Doch sei Abhilfe in Sicht – das Landratsamt habe bereits eine Planung für rund 25 zusätzliche Parkplätze erstellt, von der die Stadt offenbar noch nichts wusste. „Ein Anwohner hatte das vergangenes Jahr angeregt, wir haben die Planung jetzt fertig“, bestätigte Landratsamts-Sprecher Hans Rehbehn. Auf der Grünfläche an der Einfahrt sollen die Stellplätze entstehen. „Das dürfte die Situation entschärfen“, so Rehbehn.

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