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In ein paar Jahren könnten die Züge wieder regelmäßig fahren: Der Verband VDV sieht für den Schienenpersonenverkehr auf der Strecke der Fuchstalbahn noch mehr Potenzial als bislang.

Neue Reaktivierungsliste

Hoffnung auf Personenverkehr: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schiebt Fuchstalbahn kräftig an

  • Jörg von Rohland
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Die Chancen für die Reaktivierung des Personenschienenverkehrs auf der Fuchstalbahn sind in dieser Woche gestiegen. Der Grund: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) misst der Verbindung Schongau-Landsberg in seiner jetzt vorgestellten neuen „Reaktivierungsliste“ weitaus mehr Bedeutung zu als bislang.

Schongau– Als am Donnerstagabend die Tagesschau zu Ende war, konnten die Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn ihr Glück kaum fassen. Der Vorsitzende Harald Bauman klang tags darauf fast schon euphorisch, als er erläuterte, was jetzt alles noch für Schritte folgen müssen, damit sein Traum vom regelmäßigen Zugfahren zwischen Schongau und Landsberg Wirklichkeit wird. Bis es soweit ist, würden zwar sicher noch einige Jahre vergehen, macht sich der Schongauer keine Illusionen. Aber die Chancen, dass es überhaupt zu einer Reaktivierung kommt, sind seiner Meinung nach nicht unerheblich gestiegen.

Die überregionalen Medien berichteten am Donnerstag über das neue Papier, das der VDV gemeinsam mit der „Allianz pro Schiene vorstellte“. 238 im Dornröschenschlaf dämmernde Eisenbahnstrecken mit insgesamt 4016 Kilometern Schiene führt die aktualisierte „Reaktivierungsliste“ auf. 29 Kilometer davon gehören der Fuchstalbahn, die von der DB nach wie vor für den Güterverkehr zwischen Schongau und Landsberg genutzt wird.

Große Bedeutung als Verbindungsfunktion und für den Tourismus

Zwar war die Fuchstalbahn auch schon Bestandteil der „alten“ Reaktivierungsliste. Auf dieser hatte der VDV der Verbindung aber lediglich die „Erschließung weiteren Fahrgastpotenzials durch Verlängerung bestehender SPNV-Linien“ zugestanden. Jetzt sieht der Verband für die Fuchstalbahn noch zwei weitere Kriterien gegeben: Eine „Einrichtung einer bisher fehlenden SPNV-Relation zwischen aufkommenstarken Räumen (Schwerpunkt Verbindungsfunktion)“ sowie „eine sinnvolle Erschließung touristischen Potenzials“.

Arbeitskreis Fuchstalbahn war bei VDV vorstellig geworden

Dass die zwei Punkte dazugekommen sind, ist auch dem Arbeitskreis Fuchstalbahn zu verdanken, lassen die Verantwortlichen durchblicken. So berichtet der Vorsitzende Baumann von einem persönlichen Gespräch mit VDV-Geschäftsführer Martin Henke im vergangenen Jahr, bei dem sich der Eisenbahnchef des Verbands „ein paar Notizen gemacht hat“, so Baumann, der aber nicht viel Aufhebens über sein Engagement und das seiner Mitstreiter machen will. „Vieles geschieht im Hintergrund, aber steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt er nur.

Resolution an Wirtschaftsminister wird übergeben

Baumann ist froh, dass der Arbeitskreis jetzt wieder Präsenz zeigen kann. Und die kommt gleich mit aller Macht: Am Montag, 20. Juli, übergibt der Arbeitskreis zusammen mit dem „Bürgerforum Buntes Fuchstal“ eine Resolution zur Reaktivierung der Fuchstalbahn an Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, teilt Arbeitskreismitglied Irmgard Schreiber-Buhl mit. Der stellvertretende Ministerpräsident ist an dem Tag zusammen mit Richard Mergner (Landesvorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern) zu einer Besichtigungstour im Fuchstal unterwegs. Um 10 Uhr soll es vor dem Ascher Haus zu einem kurzen Dialog samt Resolutionsübergabe kommen.

Kreistage müssen Kriterien noch vorbehaltslos anerkennen

Harald Baumann blickt derweil schon mal in die Zukunft. Was zu einer Reaktivierung der Fuchstalbahn noch fehlt, ist seinen Angaben nach zunächst die vorbehaltlose Anerkennung von vier Reaktivierungskriterien durch die Kreistage in Weilheim-Schongau und Landsberg. Dazu zählt die Prognose von 1000 Reisenden pro Tag und Kilometer auf der Bahnstrecke, die Baumann als realistisch ansieht. Aber auch, dass die Infrastruktur ohne Zuschuss des Freistaats „in einen Zustand versetzt wird, die einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht“, müssen die Kreistage anerkennen. Obendrein muss sich ein Eisenbahnstrukturunternehmen finden, dass die Strecke und ihre Stationen dauerhaft betreibt. Und es bedarf eines abgestimmten Buskonzepts im Bereich der Reaktivierungsstrecke. Eine Menge Holz also.

Auch Potenzialanalyse durch die Eisenbahngesellschaft steht noch aus

Wie mehrfach berichtet, haben sich die Kreistage bereits grundsätzlich für die Reaktivierung der Fuchstalbahn ausgesprochen, die vorbehaltlose Anerkennung der von Baumann genannten Kriterien fehlt aber noch. Ebenso eine Potenzialanalyse der Strecke, die der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) vorbehalten bleibt.

Gute Nachrichten auch für die Kommunen

Mit im Boot sitzen müssen natürlich auch die Kommunen entlang der Strecke, von denen einige hohe Kosten fürchten, wenn es darum geht, unbeschrankte Bahnübergänge zu sichern. Für sie erarbeitet Andreas Holzhey derzeit ein Eckpunktepapier. Der Verkehrsingenieur, dem die Bahnhofsgebäude in Schongau und Landsberg gehören, hatte jüngst schon mal eine gute Nachricht, als er von überarbeiteten Richtlinien berichtete. Demnach müssen die Anrainergemeinden der Strecke bei der Sicherung der Bahnübergänge nicht mehr ein Drittel der Kosten tragen, sondern nur noch ein Sechstel. Den Rest teilen sich Bahn und Straßenlastträger.

Mehr Details aus seinem Eckpunktepapier verrät Verkehrsingenieur Holzhey noch nicht, das Papier soll aber demnächst fertig sein.

Auch interessant:

Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Schongau-Landsberg soll endlich wieder aufleben, fordert der Arbeitskreis Fuchstalbahn gebetsmühlenartig. Sprecher Harald Baumann liefert sich dazu seit Monaten einen leidenschaftlichen Schlagabtausch mit dem bayerischen Verkehrsministerium.

Seit dem Frühjahr 2019 waberten Gerüchte durchs Land, dass der Fuchstalbahn Schongau-Landsberg das endgültige Aus droht. Die Deutsche Bahn hatte das stets dementiert, doch Schongaus UPM-Werkleiter Wolfgang Ohnesorg bestätigte es: Die Stilllegungspläne waren akut, sind nun aber vom Tisch.

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