Haben die Metallgestaltung übernommen und die Prinzipalien nach Schongau gebracht: Bernadette Fenzl (M.) und Peter Reich (r.) 
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Haben die Metallgestaltung übernommen und die Prinzipalien nach Schongau gebracht: Bernadette Fenzl (M.) und Peter Reich (r.)  mit Pfarrer Jost Herrmann.

Sanierte evangelische Kirche in Schongau

Neuer Altar gibt Fenstern Raum zum Strahlen

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Groß und wuchtig wirkte der Altar in der evangelischen Kirche Schongau bislang. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten haben sich die Verantwortlichen auch hier für eine Erneuerung entschieden – angefertigt von der Münchener Künstlerin Sabine Straub.

Schongau – Sicher nicht alltäglich ist es, dass eine Kirche einen neuen Altar bekommt. Im Laufe der Sanierungsarbeiten, die mittlerweile abgeschlossen sind, ist es für die evangelische Kirche in Schongau nun allerdings so weit. „Das ist für uns Pfarrer natürlich ein großer Moment“, blickt Jost Herrmann auf die bevorstehende Weihe am Sonntag voraus. „In der Regel kommt das in einem Berufsleben gar nicht vor – aber es ist eine schöne Herausforderung.“

Die notwendigen baulichen Maßnahmen in dem Gotteshaus standen für die evangelische Landeskirche, die die Sanierung betreut hat, im Vordergrund. Erst als klar war, dass man sehr gut im Budget liegt, wurde die Münchener Künstlerin Sabine Straub ins Boot geholt. „Normalerweise läuft das über einen Wettbewerb“, erklärt Straub, die in Wien, London und Pforzheim studiert hat und in den vergangenen Jahren zahlreiche Preise und Auszeichnungen für ihre Kunstwerke erhielt. Darüber hinaus nahm sie auch verschiedene Lehrtätigkeiten an renommierten Instituten wahr.

Auch zu ihrem ersten sakralen Auftrag war sie über einen gewonnenen Wettbewerb gelangt, zu dem verschiedene Künstler ihre Entwürfe eingereicht hatten. Neben der Kunst am Bau und Skulpturen haben es ihr diese Arbeiten angetan. Ihre Werke finden sich unter anderem auch im Augsburger Dom und der Münchener Dreieinigkeitskirche. Sie ist also kein Neuling in diesem Bereich – diesmal gab es von der Landeskirche sogar einen Direktauftrag für die Gestaltung des Schongauer Altars. „Der Kunstbeauftragte der Landeskirche, Helmut Braun, hatte uns mehrere Künstler vorgeschlagen“, erklärt Pfarrer Jost Herrmann.

Sabine Straub aus München hat die Prinzipalien für die Kirche entworfen. 

Nachdem man sich deren Homepages und Prospekte mit früheren Arbeiten angeschaut hatte, entschied sich der Kirchenvorstand schnell und mit großer Mehrheit für Sabine Straub.

„Man bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Form, Inhalt und Funktion“, erklärt Straub die besonderen Herausforderungen für Künstler, die in Kirchen tätig werden. Dem allen müsse man als Künstlerin Rechnung tragen, und das liege nicht jedem, so Straub. „Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen.“

Mehrere Male hat sie die Entwürfe für die Schongauer Prinzipalien – also Altar sowie Taufbecken und Ambo – „in großer Runde“ besprochen – unter anderem mit dem Schongauer Kirchenvorstand und Vertretern der Landeskirche.

Zurückhaltend wollte Sabine Straub die Schongauer Prinzipalien gestalten. Sie sollen sich im Raum unterordnen – dabei aber keinesfalls untergehen. Den Fuß bildet ein offener Korpus aus Stahlprofilen. „Eine Art offenes Gittermuster“, erklärt Straub. Darauf liegt eine ebenfalls ovale, weiß lasierte Holzplatte, die von ein Tombakrand umrahmt ist.

Passend dazu hat Straub auch das Taufbecken sowie den Ambo gestaltet: Weiß lasierte Holzzylinder mit Stahlvertiefungen. „Es ist ein Spiel zwischen positiv und negativ, zwischen Figur und Abdruck“, beschreibt die Künstlerin ihr Werk.

Knallige Farben, die passen nicht in die Schongauer Kirche, findet Straub. Und zwar aus einem guten Grund: Sie würden von den schönen, bunten Kirchenfenstern ablenken. „Die sind so prominent“ – und sollen es auch bleiben, genug Raum bekommen, um zu strahlen. Das war auch dem Kirchenvorstand wichtig.

Im Gegensatz zum vorherigen Altar aus den 1970er Jahren, der in der kleinen Kirche laut Straub recht wuchtig wirkte, ist der jetzige deutlich kleiner für den Chorraum gestaltet, erklärt Straub. Und sei dadurch auch leichter für die Pfarrer zu bespielen.

Auch Taufbecken und Ambo wurden am Donnerstag geliefert. Pfarrer Jost Herrmann hat tatkräftig mit angepackt.

Der bisherige Altar, eine Anfertigung von Karl-Heinz Hoffmann aus dem Jahr 1977, wird selbstverständlich dennoch aufbewahrt. Und das ebenfalls von ihm entworfene Kreuz, das bisher eher unbemerkt im Rückraum des Altarraumes stand, ist nun sogar an prominenterer Stelle zu sehen.

Geliefert wurden der Altar, das Taufbecken und der Ambo bereits am Donnerstagnachmittag, zum Einsatz kommt er erstmals im Gottesdienst am Sonntag. Die Plätze sind, wie zur Zeit üblich, streng limitiert und eine Voranmeldung nötig, erklärt Pfarrer Jost Herrmann. Die Künstlerin wird anwesend sein und ein paar Worte über ihr neuestes Werk an die Gläubigen richten.

Pfarrer Jost Hermann weist außerdem darauf hin, dass die Predigt ab Sonntagvormittag auch auf der Homepage (www-schongau-evangelisch.de) zu lesen ist und am Mittag einige Bilder eingefügt werden.

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