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Zugausfälle und Personalmangel beim RVO: Das Neun-Euro-Ticket verpufft im Landkreis

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Von: Jörg von Rohland

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Und wieder eines: Dieser Fahrgast kauft sich am Schongauer Bahnhof ein 9-Euro-Ticket. Jetzt müssten bloß die Züge wieder zuverlässig fahren. Ausbau des Bus-Angebots ist derzeit undenkbar, denn dem RVO fehlen 19 Fahrer
Und wieder eines: Dieser Fahrgast kauft sich am Schongauer Bahnhof ein 9-Euro-Ticket. Jetzt müssten bloß die Züge wieder zuverlässig fahren. © Hans-Helmut herold

Bundesweit ist das Neun-Euro-Ticket ein Renner. Im Landkreis ist die Euphorie dagegen längst verflogen. Zugausfälle und ein eklatanter Mangel an Busfahrern sorgen im Pfaffenwinkel für mehr Frust als Lust auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Landkreis – „Am Anfang war die Euphorie sehr groß, jetzt schwappt es eher ins Negative“, sagt Andreas Schmid, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbands Pfaffenwinkel. Auf die Bahn, „die für uns so wichtig ist“, ist Schmid gar nicht gut zu sprechen, „weil sie so unzuverlässig ist“. Zwischen Peißenberg und Schongau ging zuletzt aufgrund von Schienenverwerfungen bekanntlich gar nichts mehr, „und mit den Zügen nach Penzberg war es genauso schwierig“, beklagt der Tourismusexperte. Wenn die Züge dann doch mal fahren, „sind sie überfüllt“.

Busse oft fast leer unterwegs

Ein gänzlich anderes Bild bietet sich Schmid, wenn er zwischen Weilheim und Schongau mit dem Bus fährt. Trotz Neun-Euro-Ticket würden die RVO-Busse oft fast leer unterwegs sein, auf der Strecke Peiting-Schongau war Schmid jüngst an einem Samstag der einzige Fahrgast. Gewundert hat ihn das nicht, weil die die Busse viel zu selten fahren, moniert der Peitinger. „Da ist noch Luft nach oben“, meint er.

Dem RVO fehlen 19 Busfahrer

An eine Ausweitung des Bus-Angebots ist nach Angaben von RVO-Regionalchef Ralf Kreutzer allerdings zurzeit überhaupt nicht zu denken. Im Gegenteil: „Ich weiß noch nicht einmal, ob wir im September noch alle Schüler befördern können“, gibt Kreutzer zu bedenken. Der Grund: Die Branche kämpfe mit einem eklatanten Personalmangel. Kreutzer fehlen 19 Fahrer: „Die würde ich sofort einstellen und ihnen sogar den Führerschein bezahlen.“

Zu leiden hatten unter der Personalnot zuletzt auch Pendler, die am Bahnhof in Peißenberg gestrandet waren. Sie warteten bei sengender Hitze eine kleine Ewigkeit auf den Schienenersatzverkehr (wir berichteten). Das Neun-Euro-Ticket dürfte bei ihnen für mehr Frust als Lust auf den ÖPNV sorgen.

Immerhin brachte das Angebot zuletzt im Landkreis etwas mehr Leben in die roten Busse. Während im Juni zum Beispiel auf der Strecke Weilheim-Schongau im Schnitt nur fünf Fahrgäste mit dem RVO befördert wurden, saßen im laufenden Juli immerhin schon durchschnittlich 15 Passagiere im Bus, berichtet der RVO-Chef. Zufrieden ist er damit aber noch nicht, denn Platz wäre für 44. „Es fahren immer noch viel zu viele mit dem Auto“, bedauert Kreutzer, der es sich nicht erklären kann. Das Neun-Euro-Ticket sei „ein einheitlich günstiges Mega-Ticket“, warb er schon im Juni für das Angebot.

Wenn sie fahren, sind die Züge voll

Mehr als 21 Millionen Neun-Euro-Tickets sind nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Juni deutschlandweit verkauft worden. Für den Juli zeichnet sich eine ähnlich hohe Nachfrage ab. Auf die Region, geschweige denn den Landkreis lassen sich die Zahlen aber nur schwer herunterbrechen, heißt es von der Deutschen Bahn (DB). Von „sehr hohen Verkaufszahlen“ spricht die Bayerische Regiobahn (BRB). Bis zum 3. Juli wurden nach Angaben von BRB-Sprecherin Annette Luckner von dem Unternehmen 160 000 Stück verkauft. Die Auslastung der einzelnen Strecken kann Luckner zwar nicht beziffern. Die Züge sind ihren Angaben nach aber auch zwischen Weilheim und Schongau mindestens so voll wie in der Vor-Corona-Zeit. Während Corona habe man Einbrüche von bis zu 90 Prozent gehabt.

Fahrradfahrer müssen oft auf den nächsten Zug warten

An das große Platzangebot hatten sich die Fahrgäste gewöhnt, jetzt müssen sie wieder damit klar kommen, enger im ÖPNV zu sitzen oder ein paar Stationen zu stehen, weiß Luckner. Damit es nicht noch enger wird, hat sie eine „große Bitte“: „Nehmen Sie kein Fahrrad mit, sondern leihen Sie sich vor Ort lieber eines aus“, rät die Sprecherin den Ausflüglern. An den Bahnsteigen kommt es ihren Angaben nach immer wieder zu Frust unter den Radfahrern, die abgewiesen werden müssen, weil die Züge zu voll sind. Nicht selten müssten die Radler dann auf den nächsten oder gar übernächsten Zug warten. Und auch dann „haben Rollstuhlfahrer und Kinderwagen Vorrang“, macht die BRB-Sprecherin klar.

Wenn er nicht zusammenklappbar ist, kostet der fahrbare Untersatz extra

Zudem betont Luckner, dass für die Fahrräder eigene Tickets gekauft werden müssen. Es fallen die üblichen Mitnahmegebühren an, das Neun-Euro-Ticket gilt nur für die Fahrgäste. Fein raus sind nur Besitzer von Klapprädern mit weniger als 20 Zoll sowie einklappbaren E-Rollern (Scooter). Sie gelten als Gepäck und dürfen kostenlos mitgenommen werden.

Ähnlich ist die Regelung in den RVO-Bussen, auch in ihnen dürfen gegen Gebühr Fahrräder mitgenommen werden.

Und welche Ausflugs-Ziele empfehlen die Experten für das Neun-Euro-Ticket? „Am Wochenende ist eine Fahrt in Richtung Oberammergau toll“, meint RVO-Regionalchef Kreutzer. Schloss Linderhof werde im Stundentakt angefahren. Wer lieber im Landkreis bleiben möchte, dem legt Kreutzer eine Fahrt nach Bernbeuren mit anschließender Wanderung auf den Auerberg ans Herz.

Die Königsschlösser sieht auch Andreas Schmid mit dem ÖPNV gut erschlossen. „Man kommt abends auch wieder zurück.“

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