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Ungewohnte Prozedur im Café Express: Bevor die Gäste bedient werden, müssen sie ihre Personalien abgeben.

Neustart der Gastronomie in Schongau

Betrieb läuft, aber die Sorgen bleiben

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Mit gemischten Gefühlen haben die Gastronomen gestern in Schongau ihre Freischankflächen wiedereröffnet. Die Erleichterung ist groß, dass es endlich weitergeht. Die Angst vor Corona und den damit verbundenen Einschränkungen aber bleibt. Die Gäste haben den Start bei traumhaftem Wetter jedenfalls genossen und sich vorbildlich verhalten.

Schongau – „Das ist unser Lieblingsplatz, hier sind wir oft.“ Die Peitinger Josef Bayrle und Marie-Luise Schünemann freuten sich gestern riesig, in der Sonne zu sitzen und vor dem Café Express Weißbier und Kaffee genießen zu können. Dass sie davor ihre Namen und Telefonnummern in eine Liste eintragen lassen mussten, störte sie nicht. Schließlich ist das eine Vorsorgemaßnahme im Kampf gegen Corona. Auch Josef Michl, der am Nachbartisch zufrieden mit dem Löffel in seinem Café rührte, hatte kein Problem mit dem Datenschutz. Er war glücklich, wieder in seinem Stammcafé zu sein. „Denn die letzte Zeit war hart für mich.“

Nicht nur für ihn: Café Express-Chef Dirk Arnold hatte den Laden zwei Monate komplett geschlossen und die Angestellten in Kurzarbeit geschickt. Er musste von den „Reserven“ leben, sagt der 64-Jährige. Gestern hatte er bis zum frühen Nachmittag immerhin schon wieder 50 bis 60 zahlende Kunden. „Es läuft besser als erwartet, einige haben sich sogar beschwert, dass sie keinen Platz bekommen haben“, so Arnold. Aufgrund der Corona-Abstandsregel hat er ein paar Tische weniger im Angebot als früher.

In der Sonne vor dem Jeanscafé genossen die Peitinger Lucas Heiß, Alexander Karbach und Markus Stöger den ersten Gastrotag im Freien nach der Corona-Zwangspause.

Das Problem hat das Bistro im Ballenhaus nicht. „Der Marienplatz ist groß, wir haben genauso viele Plätze wie vorher“, sagte Mitinhaberin Eleni Saradaki gestern. Die ganze Familie, der auch das griechische Restaurant Olympia an der Christophstraße gehört, war zum Ballenhaus gekommen, um zu sehen, wie der Neustart läuft. Und sie sah gut informierte Gäste, die sich an die Abstands- und Hygieneregeln hielten, berichtet Saradaki. Dennoch wollte bei ihr keine große Freude aufkommen. „Es wird kein richtiger Sommer werden“, meint die 47-Jährige. „Es gibt keine Feste und deshalb weniger Besucher in der Stadt.“ Dazu komme, dass das Bistro wie alle anderen Biergärten schon um 20 Uhr schließen müsse. „Das ist bitter für uns alle“, klagt Saradaki, deren Familie wegen des zweimonatigen „Shutdowns“ große finanzielle Einbußen verkraften muss. „Staatshilfe ist zwar unterwegs, aber das ist nur der Tropfen auf den heißen Stein“, weiß die 47-Jährige.

Euphorie hält sich in Grenzen

Einen Steinwurf weiter im Jeanscafé hielt sich gestern die Euphorie ebenfalls in Grenzen. „Wir sind froh, dass wir wieder aufmachen können, aber die Sorgen sind nach wie vor da“, so Inhaberin Susanne Dreher. Zusammen mit ihrer Angestellten Lisa Walter wartete auch sie gespannt auf Kundschaft und war angenehm überrascht. Die Leute waren sehr unkompliziert, ließen sich in die Listen eintragen und setzen den Mundschutz auf, wenn sie auf die Toilette gingen, beobachteten die beiden Frauen. Die zwei haben wegen der Corona-Vorschriften jetzt einiges an Mehrarbeit. Nach jedem Besuch den Tisch und die Stühle desinfizieren, ist eine davon. „Es ist spannend“, sagen sie.

Die treuen Stammgäste sind zurück: Olivera Bondokic (beim Abkassieren) war zufrieden mit dem Neustart.

Im Kaffeehaus Huterer an der Weinstraße war gestern auch schon wieder einiges los. „Unsere Stammgäste haben uns nicht vergessen“, freute sich die Chefin Olivera Bondokic, die mit ihrem Mann Dejan auch den Lechwirt samt Biergarten in der Lechvorstadt betreibt. Die beiden haben ebenfalls eine harte Zeit hinter sich. „Wir haben hier Null verdient und von unserem Gesparten gelebt“, sagt die 46-Jährige. Das Ehepaar nutzte die Zeit, um zu renovieren und die Speisenkarte aufzupeppen. Gestern waren die Tische im Freibereich des Huterer schon wieder ordentlich besetzt. Wegen Corona und der Abstandsregel sind es auch hier ein paar weniger geworden. „Aber ich bin zufrieden“, sagt die Chefin zum Neustart.

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