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Schongauer Beschluss

Nicht abgeholte Kinder Fall für Polizei?

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In Schongaus städtischen Kindergärten werden Kinder, die von ihren Eltern nicht rechtzeitig abgeholt werden, notfalls dem Jugendamt oder sogar der Polizei übergeben. Das hat der Stadtrat beschlossen. Auch wenn das Thema oft ein Problem ist, sind Unverständnis und Kritik groß.

Schongau – Erst kürzlich gab es diesen Fall: Die Öffnungszeit eines der drei städtischen Kindergärten war vorbei, doch ein Kind wurde nicht abgeholt. Die Eltern waren per Handy nicht erreichbar, eine Erzieherin musste geschlagene zweieinhalb Stunden warten, ehe sie ihren Schützling doch noch abgeben konnte. „Das bringt unser komplettes System durcheinander“, sagt Schongaus Hauptamtsleiterin Bettina Schade. Natürlich warte eine Mitarbeiterin mal 30 Minuten, „aber alles, was darüber hinausgeht, ist nicht machbar“. Weil die Kindergartensatzung ohnehin überarbeitet wurde, habe man den Passus, der ursprünglich nur von der Polizei sprach und vom Stadtrat noch ums Jugendamt als erste Anlaufstelle erweitert wurde, eingefügt.

Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg war erstaunt, als er durch die Schongauer Nachrichten von dem Thema hörte. „Das ist eigentlich nicht Aufgabe der Polizei, schließlich droht dem Kind keine Gefahr“, sagte er und kündigte an, mit Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) über das Thema zu sprechen.

Redebedarf besteht auch beim Jugendamt des Landkreises, wo das Schongauer Vorgehen hohe Wellen geschlagen hat. „Für das Jugendamt ist eine Übernahme von nicht abgeholten Kindern nicht machbar, wir haben dafür keine Notrufnummer“, sagt Johannes Lehnert, Leiter des Familienbüros im Landkreis. Theoretisch sei ganz am Ende sicher die Polizei zuständig, die dann das Jugendamt informieren müsse. „Aber so etwas gleich in die Satzung der Kindergärten zu schreiben?“, fragte Lehnert.

Grundsätzlich habe die Einrichtung für die Zeit des Kindergartenbesuchs die Aufsichtspflicht übernommen. Wenn das Kind nicht abgeholt werde, habe der Kindergarten noch andere Ansprechpartner, die von den Eltern angegeben werden, etwa Verwandte oder Bekannte. Auch diesen Personen darf eine Erzieherin das Kind übergeben. Doch im Schongauer Fall hat offenbar alles nicht geklappt – Hauptamtsleiterin Schade wollte auf Nachfrage nicht näher ins Detail gehen.

„Was ist in so einem Fall mit den Kindern, wenn sie von der Polizei abgeholt werden?“, fragt Lehnert. Das hatten auch einige Schongauer Stadträte kritisiert. „Für mich ist das ganze Vorgehen fragwürdig. Wir werden auf die Stadt zugehen und das miteinander besprechen“, sagte Lehnert.

Manuela Schülke, seit rund 30 Jahren Leiterin des katholischen Kindergartens Mariä Himmelfahrt in Schongau, kennt das Problem, wenn Kinder nicht abgeholt werden. Normalerweise sagen die Eltern vorher Bescheid, wenn sie sich etwa wegen eines Termins verspäten, so Schülke. „Einmal hatte eine Mutter das vergessen, und auch alle anderen Kontaktpersonen waren nicht erreichbar, sodass es eine Stunde gedauert hat.“ Dass dann die Polizei alarmiert wird, stehe bei ihnen in der Satzung nicht drin. „Aber beim Zentrum Kindertageseinrichtungen des Bistums Augsburg, das für uns zuständig ist, schon“, weiß Schülke. „Wobei ich immer dableiben würde, bevor ich die Polizei alarmiere.“

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