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Traditionshaus mit Hotel, aber ohne warme Küche: Die Blaue Traube hat die Küche zugesperrt.

Nur noch Hotelbetrieb

In der Blauen Traube bleibt die Küche kalt

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Die Küche in der Blauen Traube bleibt ab sofort kalt. Max Diegruber hat sich aus wirtschaftlichen Gründen dazu entschieden, nur das Hotel weiterzubetreiben. Zwar gibt es nach wie vor ein Bier am Stammtisch, aber die warmen bayerischen Speisen sind Vergangenheit. Damit schockiert Diegruber auch den Schongauer Stadtrat.

Schongau– „Es war keine Entscheidung aus dem Bauch heraus, für die Hotelgäste ist es richtig blöd, wenn sie bei uns nicht mehr warm essen können“, ist sich Max Diegruber (28) durchaus über die Reichweite des Entschlusses bewusst. Aber die hohen Personalkosten und die von Jahr zu Jahr höher werdenden Fixkosten für Lieferanten hätten ihn und Mitgeschäftsführer Silas Schmorell (36) dazu bewogen, nur noch das Hotel offen zu lassen und das Restaurant zuzusperren. Neben Diegruber und Schmorell arbeiten weiterhin fünf Angestellte im Hotel. Allein diese Tage seien lang, von morgens um fünf bis abends um 22 Uhr, so der Schongauer.

Das heißt, die Türen zur Wirtschaft der Blauen Traube bleiben auch weiterhin geöffnet, wie Diegruber versichert. So lange die Rezeption besetzt ist, bekommt man etwas zu trinken. Auch gibt es weiterhin eine Brotzeit, der Barbetrieb läuft, Stammtische können kommen, Vereinssitzungen abgehalten werden, Trauergäste nach einer Beerdigung zusammensitzen. Aber der Kasten der Blauen Traube an der Fassade zur Münzstraße, in der bisher die Speisekarte hing, ist leer.

Langweilig ist Max Diegruber nicht, derzeit baut er die Bühne für die Schongauer Schmankerltage auf.

Halb angezogen hatte Diegruber die Handbremse bereits vor rund zwei Jahren – als er den Mittagstisch strich. „Damit er sich bezahlt macht, müsste ich den Schweinsbraten für 15 Euro anbieten statt für 9 Euro“, hat Diegruber kalkuliert. Schweizer Gäste hätten ihm gerade eben berichtet, dass es bei diesen Preisen gar nicht funktionieren könne. Dort kostet ein Teller Suppe 12 Euro – das geht in Schongau nicht. „Vor allem wollen wir Qualität anbieten, das Fleisch aus der Region – da würde ich nicht sparen wollen“, so der Geschäftsführer. „Aber so ist das Lokal hier einfach nicht kostendeckend zu betreiben.“ Die einzigen, die es sich noch erlauben könnten, eine Wirtschaft zu führen, wäre eine Familie über einen Familienbetrieb. „Es ist überall ein riesiges Wirtesterben.“

Die Nachricht, dass in der Blauen Traube ab sofort die Küche kalt bleibt, rüttelte am Dienstag auch die Stadträte auf. „Das ist eine ganz negative Entwicklung für Schongau“, so Kornelia Funke (CSU). „Eine 300-jährige Traditionsgaststätte zu schließen, ist für mich eine Kündigung.“ Auch Bürgermeister Falk Sluyterman bedauerte, dass es in der Blauen Traube nur noch Getränke gebe. „Die Einflussmöglichkeit des 1. Bürgermeisters ist aber begrenzt.“ Ihm fehle die Möglichkeit, Druck auszuüben. „Mehr als ein Gespräch zu führen, kann ich nicht“, so Sluyterman. Zumindest „Aktivitäten seitens der Stadt“ wünscht sich jedoch Michael Eberle (CSU). Letztens habe man auch über die Geschäftsleute am Marienplatz gesprochen, obwohl das Privatwirtschaft sei. „Vielleicht kann ein Berater Tipps geben.“

Geschlossen hat Diegruber das Lokal bereits in der vergangenen Woche am Mittwoch, habe das aber nicht an die großen Glocke hängen wollen. „Mir war wichtig, erst noch persönlich mit den Gästen sprechen zu können“, so der 28-Jährige. Denn an Gästen, das sagt er ganz deutlich, habe es nicht gemangelt, „wir hatten gute Besucherzahlen“.

Und die Arbeit geht dem Schongauer auch künftig nicht aus – mal abgesehen vom Hotelbetrieb. Derzeit baut er gerade Bühne und Stand für die Schongauer Schmankerltage auf. Ebenfalls mit dabei mit kompletter Gastronomie, Bühne und Technik ist er wieder beim Schongauer Sommer, dann folgen Kunst- und Kuriositätenmarkt sowie die Schmankerltage in Peiting. Diegruber: „Der Sommer hat gar nicht so viele Tage, wie ich bräuchte.“ Und irgendwie freut er sich auch darauf, wieder mehr Zeit für Projekte zu haben. Wie ein Krimidinner im Herbst. „Das musste bisher immer nebenher laufen.“

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