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Das neue Försterteam im westlichen Landkreis Weilheim-Schongau: Revierleiter Ludwig Rabl, Försterin Silvia Thien und Revierleiterin Sonja Scheurer (v.l.)

Forstwirtschaft

Nur Stadtwald ist für neue Försterin tabu

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Die Wälder rund um Schongau stehen ab November unter intensiver Beobachtung einer charmanten jungen Försterin. Silvia Thien (26), Tochter des Schongauer Stadtförsters Klaus Thien, tritt die vakante Stelle in der Forstverwaltung in Schongau an. Die Vorfreude ist groß, der Vater stolz. Eine Zusammenarbeit ist aber tabu.

Schongau – „Ich freue mich, nach Hause zu kommen“, sagt Silvia Thien, die zuletzt im Schutzwaldmanagement des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) im Einsatz war. Anfang November wird die 26-Jährige ihr Büro in Murnau verlassen und sich im Schongauer Dienstgebäude des AELF einrichten. Als Försterin in Vollzeit wird sie die Revierleiter Sonja Scheurer und Ludwig Rabl bei der Beratung der privaten Waldbesitzer und der Betreuung der Gemeindewälder unterstützen. Unterwegs sein wird sie in den Wäldern von Hohenfurch, Peißenberg, Peiting, Bernbeuren, Ingenried, Prem, Schwabbruck und Schwabsoien.

Viel Zeit zum Einarbeiten dürfte Thien nicht benötigen, sie ist in den Wäldern rund um Schongau aufgewachsen. „Mein Vater hat uns oft mitgenommen“, erinnert sich die Schwabbruckerin an die unzähligen Ausflüge. „Das erste Mal war sie als Säugling im Wald“, berichtet der Vater, Stadtförster Klaus Thien. In einem Tragegurt hatte er Silvia damals in sein Revier in der Nähe von Schwäbisch Hall mitgenommen. 1992 zog die Familie nach Schongau, Klaus Thien hatte schon ein Jahr vorher die Stelle bei der Stadt angetreten. Und die Tochter eiferte ihm bereits in jungen Jahren nach. Mit 16 habe sie in den Ferien zum Beispiel im Stadtwald „kleine Bäumchen mit Verbissschutzmitteln angemalt“, erzählt sie.

Der Vater rechnete dennoch zunächst nicht damit, dass Silvia einmal in seine Fußstapfen treten würde. Vor allem, weil sie Chemie studierte. Doch schon ein Jahr später schwenkte Silvia um und begann 2011 ein Forstingenieurwesen-Studium in Weihenstephan. 2015 führte ihr Weg nach Lohr im Spessart, wo die Forstanwärter ausgebildet werden. 2016 folgte das Staatsexamen, dann ging es mit nur einer kurzen Unterbrechung in den Staatsdienst. Der Papa ist entsprechend stolz: „Klar hat mich das gefreut“, sagt er. Es sei nicht selbstverständlich, im Staatsdienst in der Heimat eine Stelle zu bekommen.

In der Heimat erwartet die junge Försterin jetzt auch reichlich Arbeit. „Im Winter ist im Wald Hochsaison“, weiß die 26-Jährige. Die Bäume dürfen gefällt werden, „weil sie nicht im Saft stehen“. In den Privatwäldern berät die Schwabbruckerin nun die Besitzer, in den Forsten der kleineren Gemeinden darf sie selbst entscheiden, welche Stämme fallen.

Nur um Schongaus Wald macht Silvia Thien demnächst einen großen Bogen, weil dort ihr Vater arbeitet. „Schongau ist ausgenommen, das wollen die Chefs nicht“, sagt die 26-Jährige, die das ebenso wie ihr Vater voll versteht. „Das ist in beiderseitigem Interesse“, erklärt Klaus Thien, dem die Tochter anderenfalls bei der Arbeit sogar auf die Finger schauen müsste.

Beruflich werden sich Vater und Tochter in Zukunft also nicht im Wald über den Weg laufen, privat werden sie freilich weiterhin durch die Wälder streifen und sich auch fachlich austauschen, blickt Klaus Thien voraus. Da stellt sich dann zum Beispiel die Frage, wie es um den Wald im westlichen Landkreis bestellt ist? „Er ist sehr von Fichten dominiert“, erklärt Silvia Thien. Und Monokulturen seien nicht so gut. „Aber wenn die Fichte eine Chance hat, dann bei uns“, ist sich die 26-Jährige sicher. Sie will in den kommenden Jahren kräftig dabei mithelfen, dass die Fichten noch mehr Gesellschaft von anderen Baumarten bekommen und der Waldumbau vorankommt. Denn ein gesunder Mischwald bildet bekanntlich den besten Schutz vor dem gefürchteten Borkenkäfer.

Waldbesitzern

aus den genannten Gemeindebereiche steht Silvia Thien ab November im Dienstgebäude der Forstverwaltung in Schongau (Amtsgerichtsstraße 2) als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Zu erreichen ist sie unter 08861/9307-14 oder 0173/ 8638752. Sprechzeiten im Büro sind immer Dienstagvormittag von 9 bis 12 Uhr.

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