+
Da hoffte er noch: Friedrich Zeller im Memminger Rathaus.

Wahlbeteiligung bei 49 Prozent

OB-Wahl in Memmingen: Knappe Niederlage für Zeller

  • schließen

Es hat knapp nicht gereicht für Friedrich Zeller (SPD): Der Schongauer, ehemaliger Bürgermeister und Landrat von Weilheim-Schongau, verlor bei der OB-Wahl in seiner Geburtsstadt Memmingen - denkbar knapp.

Schongau – So viele Schongauer dürften schon lange nicht mehr den Weg nach Memmingen gefunden haben. Schon um zehn Minuten vor 18 Uhr, als die Wahllokale geschlossen haben, waren die örtlichen SPDler Ilona und Klaus Böse mit Heini Forster in der Rathaushalle, wo die Stadtverwaltung eine Leinwand und Bühne aufgebaut hatte. Außerdem eine Nachbarin und eine Freundin von Ehefrau Birgit, auch der ehemalige UWV-Stadtrat Hans Loth. „Das freut mich natürlich“, sagt Friedrich Zeller, als er um kurz nach 18 Uhr dazukommt. „Das zeigt die Verbundenheit. Und irgendwie wollen die Schongauer offenbar auch das Wahl-Fieber spüren“, sagt er lachend.

Bei ihm selbst hält sich die Nervosität in Grenzen. Sagt er zumindest. „Heute konnte ich nichts mehr machen, da war der Wähler am Zug.“ Er habe lange ausgeschlafen, war mit dem Hund Gassi und hat mit der Familie den Geburtstag von Schwester Kathrin nachgefeiert, der am Samstag war. Die Familie ist auch zahlreich vertreten: Natürlich Ehefrau Birgit, aber auch der ältere Sohn Maximilian (21) mit Freundin Leonie und Tochter Franziska (16). Wann steht der Umzug an, wenn der Mann wirklich gewinnt? „Dann halten wir erst einmal Familienrat“, sagt Birgit Zeller verschmitzt.

„Ich habe ja gesagt, dass es eng wird“

Als der erste von 33 Wahlbezirken um 18.25 Uhr ausgezählt ist, geht ein Raunen durch die rund 150 Besucher: 52:48 Prozent für Schilder. „Ich habe ja gesagt, dass es eng wird“, sagt Zeller locker. Doch die weiteren Minuten erinnern an die Herzschlagwahl 2014 in Schongau, als sich Falk Sluyterman (SPD) nur mit 32 Stimmen vor Tobias Kalbitzer (Unabhängige) durchgesetzt hatte. Nach dem dritten Wahlbezirk: 50,6 zu 49,4 Prozent für Zeller. „Jetzt werde ich doch langsam nervös“, gibt der 50-Jährige zu.

Friedrich Zeller (r.) und der neue Memminger OB Manfred Schilder.

Jeder ausgezählte Wahlbezirk verstärkt das enge Rennen. Nach dem elften ist Schilder mit 50,3 Prozent minimal vorne, nach 14 steht es fast pari: 50,1 zu 49,9 für den CSU-Mann. Doch dann passiert plötzlich die Wende, langsam aber sich setzt sich der Zeller-Konkurrent ab. 50,5 Prozent, 50,7, 51,3, 51,4 – bei 51,9 Prozent nach 22 Wahlbezirken scheint die Niederlage für Zeller Realität zu werden. „Das schafft er nicht mehr“, raunt ein SPD-Anhänger frustriert seiner Begleiterin zu.

Zeller will davon noch nichts wissen. „Auch wenn es nicht gut ausschaut: Solange ich noch atme, hoffe ich“, sagt er mit Galgenhumor. Nach dem 28. Wahlbezirk kommt auch Schilder in den Saal, alle Kameras richten sich auf den vermutlichen Gewinner. Der wehrt zwar Glückwünsche noch ab, doch sein breites Grinsen beweist, dass er sich schon als Sieger fühlt. Luftlinie fünf Meter entfernt steht Zeller weiter an einem Stehtisch und nimmt den Rummel um seinen Konkurrenten gelassen: „Der Sieger steht im Rampenlicht. Wer damit nicht klarkommt, darf das Spiel nicht mitspielen“, sagt Zeller.

19.03 Uhr: Zeller gratuliert seinem Konkurrenten

Um 19.03 Uhr, als der vorletzte Wahlbezirk ausgezählt ist, brandet schließlich Applaus auf, Zeller gratuliert seinem Konkurrenten. Auch Schilder bedankt sich bei Zeller für den fairen Wahlkampf: „Ich habe mich gefreut, einen Konkurrenten wie sie gehabt zu haben“, sagte er und stößt mit einer Flasche Memminger Bier mit Zeller an. 474 Stimmen fehlen ihm zum Sieg, die Wahlbeteiligung ist mit rund 49 Prozent ähnlich (schwach) wie vor fünf Monaten bei der Wahl des nach 38 Tagen im Amt gestorbenen Markus Kennerknecht (SPD).

Woran es lag, dass Zeller verloren hat und Memmingen nach 50 Jahren CSU-Herrschaft an die CSU fällt? „Da kann ich keine Aussage treffen. Schließlich war es knapp, ich bin ja nicht abgewatscht worden.“

Für ihn geht sein Leben als Politik-Berater, Schongauer Stadtrat und Kreistags-Mitglied weiter, wie es vor seiner Nominierung im Januar war. Zumindest einer freut sich über die Niederlage – überraschenderweise Zellers Ehefrau Birgit: „Schließlich können wir jetzt in Schongau wohnen bleiben.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beim Überholen: Rollerfahrer schwer verletzt
Weil er bei einem Überholmanöver einen entgegenkommenden Wagen übersehen hatte, wurde am Sonntagabend ein Rollerfahrer (43) bei Bernbeuren schwer verletzt.
Beim Überholen: Rollerfahrer schwer verletzt
Genau so muss Jazz sein
Ganz schlicht „Elwood & Reßle“ nennt sich das Duo, nach ihren Namen Natalie Elwood und Josef Reßle, aber alles andere als schlicht erwies sich die Darbietung der beiden …
Genau so muss Jazz sein
Garten als Spiegelbild und Paradies
Es grünt so grün. Auf großes Interesse stieß jetzt der Aktionstag des Netzwerks Gartenwinkel-Pfaffenwinkel. Gartenbegeisterte aus der Region öffneten ihre Gartentüren, …
Garten als Spiegelbild und Paradies
Einfacher Bus fahren im Mittelzentrum
Abgesehen von Schülerbeförderung und Dauerkarteninhabern wird der öffentliche Nahverkehr zwischen Schongau, Peiting und Altenstadt extrem wenig genutzt. Die drei Orte …
Einfacher Bus fahren im Mittelzentrum

Kommentare