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Launiger Abend: Oliver Pötzsch (r.) stellte sein Buch vor, Veronika Hüfer und Valentin Schmidt erfreuten dazu mit einem mittelalterlichen Sauflied.

Henkerstochter-Lesung 

Auch 7. Band ein Volltreffer

Buch, Schwert, Kräuter und Gifte: Bei seiner Lesung für das Buch „Henkerstochter und der Rat der Zwölf“ gastierte Bestseller-Autor Oliver Pötzsch am Freitagabend im Schongauer Ballenhaus und begeisterte über 100 Zuhörer.

Schongau– Der mittlerweile siebte Band der Henkerstochter-Saga spielt diesmal hauptsächlich in der Landeshauptstadt. „Ich dachte schon, ich wüsste alles über München“, so Pötzsch, aber im Zuge seiner Recherchen sei so manches neue für ihn ans Tageslicht gekommen. Genaue Recherche zeichnet Pötzschs Henkerstöchter-Bücher aus. Samtliche Leitfiguren gab es tatsächlich, Orte und Plätze existieren. Und auch die Art der Hinrichtungen – „da gab es manchmal so schlimme Dinge, die ich dann nicht verwendet habe“, sagte Pötzsch vor seinem erwartungsvollen Publikum. Denn die Henkerstochter-Reihe hat einen festen Platz in Schongau, etwa bei den beliebten Henkerstochter-Stadtführungen.

Doch zunächst zur Geschichte: Der Schongauer Henker Jakob Kuisl, ein Vorfahre des Autors, reist im Februar 1672 mit seiner Familie zum Scharfrichtertreffen nach München. Erstmals hat ihn der Rat der Zwölf dazu eingeladen. Eine große Ehre. Man gießt ihm zur Aufnahme in den Kreis eine Kanne Bier über den Kopf. „Das war kein Weizenbier, denn das gab es damals nicht“, erklärt Pötzsch zwischendurch. Und Veronika Hüfer und Valentin Schmidt („mein ehemaliger Musiklehrer, dem alles wurscht war, solang man schön gesungen hat“, feixte Pötzsch) erfreuten dazu mit einem mittelalterlichen Sauflied.

Der Henker Kuisl hofft bei dem Treffen außerdem, einen Ehemann für seine Tochter Barbara zu finden. Doch diese ist verzweifelt. Sie ist ungewollt schwanger und traut sich nicht, ihre Notlage ihrem Vater zu offenbaren. „Es wurden damals mehr Frauen als Kindsmörderinnen hingerichtet als Hexen“, so Pötzsch. Vor der Ehe schwanger zu werden, stand unter Strafe. „Die einfachen Leute haben später geheiratet, und ausbaden mussten es die Frauen“, so der Autor.

Dabei präsentierte er dem Publikum mitgebrachte Kräuter und Gifte, die seinerzeit zur Abtreibung verwendet wurden. Wie etwa Petersilie, der diese Wirkung nachgesagt wurde und die gleichzeitig für den Mann als Aphrodisiakum diente. „Petersilie bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erd’‘“, so eine Redewendung von damals. Auch Allraune, Mutterkorn, Tollkirsche oder Eisenhut hatte der Autor zur Veranschaulichung im Gepäck.

Im historischen München kommt derweil eine Reihe von Morden an jungen Frauen ans Licht, und Kuisl wird um Hilfe bei den Ermittlungen gebeten. Alle Morde tragen die Handschrift eines Scharfrichters. Der Verdacht fällt auf den Rat der Zwölf. Auch dieser jüngste Roman der Henkerstochter-Saga ist stimmig, logisch und mitreißend erzählt.

Myrjam C. Trunk

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