Unterrichtet seine Schüler von zuhause aus: Fabian Frank ist Referendar am Welfen-Gymnasium Schongau.
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Unterrichtet seine Schüler von zuhause aus: Fabian Frank ist Referendar am Welfen-Gymnasium Schongau.

Schwierige Zeit auch für Referendare

Online-Unterricht mit unbekannten Schülern

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Die zweite Schuljahreshälfte hat vor wenigen Tagen angefangen und damit wurden auch zahlreiche neue Referendare im Landkreis begrüßt. Live gesehen haben sie ihre Schüler allerdings noch nicht – nur online. Wir haben uns mit einigen Referendaren über die „seltsame Situation“ unterhalten.

Schongau – „Aus der Distanz unterrichten ist sowieso eigenartig“, sagt Martina Muha. Diese Erfahrung hat die Referendarin bereits im vergangenen Schulhalbjahr gemacht. Doch nun stand der Schulwechsel für sie sowie zahlreiche weitere Referendare an – und hat eine neue Herausforderung mit sich gebracht. Denn von manchen Schülern kennt Muha, die seit wenigen Tagen am Penzberger Gymnasium unterrichtet, nur den Namen und die Stimme. Kein Gesicht. Real gesehen hat sie wegen der geschlossenen Schulen noch keinen der Jugendlichen.

Komischer Start mit Online-Unterricht

„Gleich mit Online-Unterricht zu starten, ist natürlich komisch“, erzählt sie. Nur aus Videokonferenzen weiß sie, wie ihre Schüler aussehen. Zumindest, wenn sie die Kamera anmachen. „Die meisten haben sie an, das ist recht nett“, so Muha. Doch es gibt auch ein paar Ausnahmen. Zwingen will die Deutsch- und Geografielehrerin aber niemanden dazu, die Kamera anzumachen, schließlich würden sich manche damit unwohl fühlen. „Aber man ruft die Schüler, bei denen das Bild schwarz bleibt, öfters mal auf“, erzählt Muha. Um sicherzugehen, dass auch alle präsent sind – und sich nicht anderweitig beschäftigen. Schwierig sei es auch, Schüler einzubeziehen, die sich im Unterricht eh nicht beteiligen. „Die sind nun natürlich sehr still.“

Entgegen anderer Meldungen kann Muha aus eigener Erfahrung dennoch sagen: Distanzunterricht funktioniert. Auch wenn man die Schüler noch nie real getroffen hat. Das soziale Gefüge könne nicht ersetzt werden und das Lernen alleine, ohne Gruppenarbeiten, sei ein anderes – technisch funktioniere aber alles einwandfrei. „Die Schulleiter haben sich reingehängt und die Lehrer, die ich kenne, haben sich gut eingearbeitet“, so Muha. Jüngeren, wie etwa Referendaren, falle das Technische wohl sogar leichter.

Nicht auf Distanz-Unterricht vorbereitet

Im Studium wurden die Lehrer-Anwärter allerdings nicht auf Distanzunterricht vorbereitet, erzählt Franziska Neumann, die seit wenigen Tagen Referendarin am Welfen-Gymnasium in Schongau ist. Vielleicht werde das nun für die aktuellen Studenten geändert, vermutet sie. Durch die Distanz sei es schon schwerer, eine Bindung zu den Schülern aufzubauen und sich ein Bild von ihnen zu machen. Quasi nebenbei, am Wochenende, musste sie dann noch ihren Umzug von Regensburg nach Schongau stemmen. „Da wären die Faschingsferien eigentlich ganz praktisch gewesen“, meint sie und lacht.

Seit wenigen Tagen ist Franziska Neumann Referendarin am Welfen-Gymnasium Schongau.

Und auch der Start des ersten Schulhalbjahres war nicht einfach: Das hat sie in Regensburg verbracht, durfte ihre Schüler zwar in der Schule unterrichten – allerdings trugen alle Masken. „Ich weiß gar nicht, ob ich die Schüler jetzt ohne Maske auf der Straße erkennen würde. Und umgekehrt wahrscheinlich auch nicht“, sagt Neumann. Diese Erfahrung hat auch Martina Muha gemacht. „Zum Teil hab ich sie nach der Schule auf dem Heimweg nur an ihrer Kleidung erkannt.“

Um ihre Schongauer Schüler kennenzulernen, hat Neumann die Jugendlichen im Fach Englisch einen Fragebogen ausfüllen und sich vorstellen lassen. „Das ist beim Sprachenlernen sowieso wichtig, dass man viel redet und jetzt nicht nur vorm Computer sitzt“, erklärt Neumann.

Ein Kennenlernen der Schüler trotzdem möglich

Auch Fabian Frank, ebenfalls neuer Referendar am Welfen-Gymnasium, ist mit einem Kennenlernspiel gestartet. Frank unterrichtet Biologie und Chemie. „Beides keine Hauptfächer, deshalb sehe ich meine Schüler nur einmal in der Woche“, sagt Frank. Das mache das Gesichtermerken freilich auch nicht leichter. Trotzdem sei das Unterrichten und Kennenlernen gut möglich, ist sich Frank sicher. Vielleicht dauere es etwas länger.

Auch seine Kollegen hat er schon vereinzelt kennengelernt. Zwar wenige persönlich, aber es gebe extra eine digitale Kaffeepause am Welfen-Gymnasium, um sich auszutauschen, berichtet Frank Die will auch Neumann unbedingt noch ausprobieren.

Alle drei befragten Referendare sehen die aktuelle Situation locker, auch wenn sie sich ihren Berufsstart sicherlich anders vorgestellt haben. Trotzdem warten sie schon gespannt auf das Ende der Schulschließungen – um ihre Schüler doch noch aus der Nähe kennenzulernen.

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