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Im Keller seiner Eltern in Peiting gibt Schlagzeuglehrer Andreas Fuchs (37) den Takt vor. Der Schüler (hinten auf dem Display des Laptops zu sehen) schaut dem Lehrer via Internet über die Schulter und spielt die Rhythmen nach.

Online-Unterricht

Musiklehrer im Schongauer Land trotzen der Corona-Krise

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Die Corona-Krise hält auch die Musiklehrer im Schongauer Land nicht davon ab, ihr Wissen an die Schüler weiterzugeben. Dank E-Mail und Internet ist es allen möglich, zumindest den theoretischen Unterricht aufrecht zu erhalten. Via „Skype“, „WhatsApp“ und „FaceTime“ kommt bei vielen aber auch die Praxis nicht zu kurz.

Schongau – „Trostlosigkeit ist kein aufbauender Begleiter in der jetzigen Lage“, sagt Marcus Graf, Leiter der Musikschule im Pfaffenwinkel, der wie alle anderen auch sein Schulhaus in Schongau zusperren musste. Den Schülern hatte er aber versprochen, dass jeder Lehrer „mit der Möglichkeit der vorhandenen Kommunikationstechnik“ versuchen werde, den Unterricht aufrecht zu erhalten. Und er hat Wort gehalten.

„Ich muss sagen, es ist sehr gut angelaufen“, freute sich Graf schon im März. Nahezu alle Lehrer der Musikschule Pfaffenwinkel tauschen sich seinen Angaben nach per Internet mit ihren Schülern aus. Über Kameras und Mikrofone in Laptops und Smartphones gehen ganze Musikstunden wie gewohnt über die Bühne. Beim Einzelunterricht klappt das ganz besonders gut, weiß Graf aus eigener Erfahrung.

Mit seinen Trompetenschülern hat der Musikschulchef schon viele Lehrstunden per „Skype“ absolviert und ist hochzufrieden mit dem Ergebnis. Stimmen Licht und Ton, könne er gut auf die Mundposition des Schülers achten und mit ihm sogar Phrasierungen und andere Feinheiten einstudieren. „Das ist eine ganz tolle Sache“, findet Graf.

Natürlich ist das nicht mit allen Instrumenten so einfach. Beim Schlagzeug zum Beispiel müsse man sich auf Übungen mit einzelnen Trommeln spezialisieren. „Denn nicht jeder hat ein E-Schlagzeug“, weiß der Musikschulleiter.

Mit „Skype“ und „FaceTime“ klappt es am besten

Der Schlagzeug- und Hornlehrer Andreas Fuchs (37), der im „Förderverein Musik in Peiting“ die Musiklehrer koordiniert, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Der Online-Unterricht funktioniere bei ihm aber auch mit dem klassischen akustischen Schlagzeug-Set ganz gut, berichtet er. „Nur bei ,WhatsApp’ scheppert es“, hat er feststellen müssen. Für die lärmintensiven Instrumente empfiehlt Fuchs daher „Skype“ oder noch besser das „FaceTime“ von Apple.

Auch der Großteil der anderen 14 Peitinger Musiklehrer unterrichtet Online. „Ein paar ältere Hasen mussten wir noch einführen“, sagt ihr 37-jährige Koordinator. Aber die technischen Hürden müsse man einfach nehmen, so Fuchs.

Dank Online-Unterricht: Finanzielle Einbußen halten sich in Grenzen

Der Peitinger ist sehr froh, dass es mit dem Unterricht via Internet bei ihm so gut klappt: „Da kann ich auch die Zahlungen rechtfertigen“, sagt er. Fuchs rechnet wie alle anderen beteiligten Musiklehrer in der Marktgemeinde die Stunden direkt mit den Schülern ab. „Die finanziellen Einbußen halten sich bei mir in Grenzen“, berichtet der 37-Jährige, der die Schüler nun virtuell im Keller seiner Eltern unterrichtet. Lediglich zwei Schüler hätten das Online-Angebot abgelehnt. Ihre Stunden sollen nun nachgeholt werden, wenn die Corona-Krise vorbei ist. Neue Schüler und die, die erst ein paar Schnupperstunden genommen hatten, müsse er aber ablehnen, bedauert Fuchs.

Auch Schülern, die kein schnelles Internet haben, wird geholfen

Ob und wie viel Geld die Musikschule in Schongau wegen Corona verlieren wird, war zu Beginn der Krise noch unklar: „Den wirtschaftlichen Aspekt kann ich noch gar nicht einsehen“, so Leiter Marcus Graf. „Wir wissen nicht, wie lange die Krise noch dauert, es wäre schlimm, die Hände in den Schoß zu legen“, sagt er. „Der Betrieb läuft jetzt so weiter.“ Und in der Krise steht Graf auch Schülern zur Seite, die keinen flotten Zugang zum Internet hat: „Einer lebt in der Pampa, da gibt es nicht mal Handy-Empfang.“ Ihm schickt Graf jetzt Notenrätsel zu – ganz klassisch mit der Post.

Das Schongauer Musikinstitut Kirstein hält seinen Musikunterricht auch online aufrecht, berichtet Firmenchef Klaus Kirstein auf Anfrage. Die 18 Lehrer nutzen ebenfalls „Skype“, „WhatsApp“ und Co.

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„Jeder, der bei uns registriert ist, kann auch die ,Onleihe’ nutzen“, sagt Kornelia Funke, die Leiterin der Bücherei am Münztor in Schongau. Voraussetzung ist, dass die Jahresgebühr bezahlt wurde und ein entsprechendes Lesegerät wie E-Book-Reader, Laptop, Tablet, PC oder Handy vorhanden sind.

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