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Die Papiertonne wird demnächst in Schongau eingeführt.

Beschluss im Kreistag gefallen

Papiertonne: Schongau macht den Anfang

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Die Bewohner von Schongau bekommen demnächst Post von der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungs GmbH (EVA). Darin wird ihnen mitgeteilt, dass sie künftig eine Altpapiertonne auf dem Hof stehen haben. Eine Entwicklung, die auch weitere Gemeinden betreffen könnte.

Landkreis – „Wir stellen zunehmend fest, dass die Vereine es nicht mehr schaffen, in den Städten und größeren Gemeinden des Landkreises die Altpapiersammlung in Eigenregie sicherzustellen“, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Kreistag.

Das Problem bestehe schon seit einiger Zeit, berichtete der EVA-Geschäftsführer Fritz Raab. „Wir haben jetzt schon zunehmend Unternehmen im Einsatz, weil die Vereine in den Städten die zwölf Termine pro Jahr nicht mehr abdecken können“, erklärte er den Kreisräten. Besonders dramatisch ist die Lage in Schongau. Dort wird nun auch, wie der Kreistag am Ende einstimmig beschloss, als erstes die Papiertonne eingeführt. Das bedeutet allerdings auch, dass eine Vereinssammlung in Schongau dann in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.

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Die Einführung der Papiertonne sei unumgänglich, weil das Aufladen der grauen Säcke, in denen bislang das Altpapier gesammelt wurde „den EVA-Mitarbeitern nicht dauerhaft zugemutet werden kann“, so Raab. Wenn alle paar Monate die Vereinsmitglieder sammeln, gehe es schon, dass sie die teils sehr schweren, randvollen Säcke auf einen Anhänger wuchten. Statt dessen werden die Papiertonnen nun – wie beispielsweise Haus- und Biomüll – in den Tonnen bis zum Entsorgungsfahrzeug gerollt, dort eingehängt und automatisch entleert.

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Auch die Entscheidung, welche Tonnen angeschafft werden sollen, ist gefallen. Es werden dunkelgraue Tonnen mit einem blauen Deckel sein. „Zur Wahl standen auch komplett blaue Tonnen. Diese waren zwar auffälliger, allerdings haben die grauen Tonnen den Vorteil, dass sie bis auf den blauen Deckel komplett aus Recyclingkunststoff bestehen“, so Raab weiter. Angeboten werden sollen zwei Größen: eine 240-Liter- Tonne (Foto) für private Haushalte, eine 1,1-Kubikmeter-Tonne für Mehrfamilienhäuser und Unternehmen. Bei Bedarf könnten auch mehrere Tonnen bestellt werden, so Raab weiter.

So sollen die Papiertonnen im Landkreis aussehen.

Rein kostenmäßig würden sich die neuen Tonnen schnell amortisieren, so der EVA-Chef weiter. „So eine Papiertonne kostet inklusive Anlieferung rund 25 Euro. Bislang werden pro Jahr und Person in einem Haushalt rund 1,70 Euro für die grauen Säcke der EVA fällig.“

In der Debatte wurde schnell klar, dass die meisten Kreisräte das bisherige Modell der Vereinssammlung bevorzugen: „Das hier wird keine Einführung der Blauen Tonne durch die Hintertür für den Rest des Landkreises. Die Vereine können weiter mit den Einnahmen rechnen“, versprach Peter Erhard (CSU/Böbing). Klaus Gast (CSU/Weilheim) beschwor gar das „Gemeinschaftsgefühl, das in den Vereinen durch die Papiersammlung gestärkt wird“.

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Das wiederum war Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) dann doch ein bisschen viel: „Diese Glorifizierung der Papiersammlung ist daneben. Das ist eine Mordsschinderei, die niemand wegen des Zusammenhalts macht, sondern deswegen, damit Geld in die Vereinskasse kommt.“ Was keiner explizit sagte, aber viele andeuteten: Schongau muss bei der Einführung der Papiertonne kein Einzelfall bleiben. Denn gerade in den Städten und in den Ferienzeiten müssen bereits jetzt immer wieder Firmen einspringen, weil die Vereine es nicht mehr schaffen. „In den kleinen Gemeinden haben wir hingegen überhaupt kein Problem“, sagte Fritz Raab. Und für den Fall der Fälle hat der Kreistag schon die Rahmenbedingungen geschaffen. 

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