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Schongaus Hebammen: (h.v.links): Sibylle Kutzner, Christine Eder und Melanie Holzmann mit Louis, (v.v.links) Nadine Lachmann, Birgit Schmid, Stephanie Glötzl-Widl und Frederike Templin. Nicht im Bild: Daniela Schregle.

Krankenhaus Schongau

„Paradieszustände“ in der Geburtsstation

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„In Schongau müssen die Frauen nicht auf dem Gang liegen wie in München, im Gegenteil: Es sind Paradieszustände hier bei uns.“ Darüber sind sich die Schongauer Hebammen am Krankenhaus einig, die sich nach der Schließung der Weilheimer Geburtshilfe neu aufgestellt haben. In Kürze gibt es auch Verstärkung im Team.

Schongau Anders als in anderen Krankenhäusern, auch anders als in Weilheim, haben die Beleghebammen der Schongauer Geburtshilfe keine Nachwuchssorgen. Und dies in zweierlei Hinsicht. Es mangelt weder an Geburten, noch an fachlich bestens ausgebildeten Hebammen. Um die werdenden Mütter auch nach der Schließung der Weilheimer Geburtshilfe optimal versorgen zu können, holen sich die acht Kolleginnen in Schongau eine junge Hebamme an Bord. Sie steht bereits in den Startlöchern und unterschreibt dieser Tage den Vertrag. Lange Jahre sei sie schon als Schwester in der Geburtshilfe Schongau tätig gewesen, und während der Hebammenausbildung habe sie ihr Externat in Schongau absolviert, also bei den freiberuflichen Hebammen hospitiert, um den Beruf nicht nur aus dem Angestelltenverhältnis heraus zu sehen.

Wen sie sich als neue Kollegin in ihr Team holen, bleibt völlig ihnen überlassen, da haben sie als Beleghebammen freie Hand. „Das ist für unser Team auch ganz wichtig“, betont Stephanie Glötzl-Widl. Denn schließlich muss die Chemie stimmen, damit auch zu Stresszeiten alles rund läuft. „Wir haben unser eigenes System, so wie wir in Schongau arbeiten, ist das absoluter Luxus.“ Und Nadine Lachmann ergänzt: „Es ist ziemlich einzigartig.“

Derzeit hat jede der Hebammen acht mal zwölf Stunden zusätzlichen Dienst übernommen, im Hintergrund auf Abruf, der mittlerweile, das haben sie erfolgreich ausgehandelt, im Gegensatz zu vorher von der Krankenhaus GmbH auch mit einer Pauschale vergütet wird. Das Team ist gut eingespielt, die Dienstpläne werden auf Zuruf gemacht, da ist man flexibel, denn schließlich müssen auch daheim Kinder und Familien versorgt werden.

Ohne Flexibilität geht es einfach nicht, da Geburten meist nicht planbar sind. So ist die Geburtsstation manchmal voll, manchmal ist wenig los. Beim Pressetermin ist der Kreißsaal leer, die letzte Geburt liegt schon drei Tage zurück. Das andere Extrem diesen Monat: binnen von zwei Tagen zehn Entbindungen. 15 Mütter mit ihren Zwergerln belegten gleichzeitig die Betten auf Station fünf – trotzdem und dennoch, das betonen die Hebammen immer wieder, bleibt es beim Zweibettzimmer. Die Krankenhaus GmbH hatte die ehemalige Station eins hinzugenommen. Wenn nun also auf Station fünf bei den Wöchnerinnen gerade sehr viel los ist, werden die chirurgischen Patienten verlegt. „Die Station eins ist seit Anfang des Jahres sukzessive in Betrieb genommen worden – und nun, weil die Auslastung so hoch ist, voll ans Netz gegangen“, erklärt Isa Berndt, Sprecherin der Krankenhaus GmbH.

Wie weit die Organisation des Weilheimer Belegarztsystems und der Hauptabteilung in Schongau bereits gediehen ist, darüber muss sie Berndt derzeit noch bedeckt halten. „Die Priorität liegt auf Schongau. Erst müssen wir die Schongauer Station stabilisieren und wasserdicht machen“, so die Krankenhaussprecherin. Derzeit würden „intensive Gespräche“ mit den Assistenzärzten laufen. „Einige Verträge könnten demnächst unter Dach und Fach gebracht werden, es scheint sich gut und schnörkellos zu ergeben“, so Berndt.

Die Hebammen haben auch schon weiter vorgebaut, je nachdem, was ab Januar durch die neue Betreuungsregelung – pro Hebamme maximal zwei Geburten – passiert. Weil dies etwa in München viele Kliniken vor ein Problem stellt, rechnen die Schongauer Hebammen damit, dass auch aus den Städten zusätzliche Anmeldungen zur Entbindung kommen.

Gerade jetzt dürfe man den Blick auf die Politik nicht vergessen, betont Hebamme Sibylle Kutzner. Sie erinnert daran: „In den letzten 20 Jahren sind über 40 Prozent der Geburtshilfestationen geschlossen worden.“ Was in Weilheim mit den Kolleginnen passiert ist, tut allen Schongauer Hebammen leid. Aber jetzt müsse man positiv nach vorne blicken. Kutzner: „Für Schongau sehe ich das optimistisch, wir sind wie das berühmte kleine gallische Dorf, das sich nicht unterkriegen lässt“, sagt sie. Und, so Kutzner weiter: „In Schongau werden wir das Geburtshilfe-Sterben überleben.“

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