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Beim Vortrag: Dr. Volker Zahn hatte zahlreiche Beispiele mitgebracht, wie man Plastikgegenstände durch andere Materialien ersetzen kann. 

Vortrag in Schongau

“Ein Leben ohne Plastik ist möglich“: Experte gibt praktische Tipps

„Ein Leben ohne Plastik ist möglich“, lautete der Titel des Vortrags, zu dem die Evangelische Gemeinde Schongau, der Bund Naturschutz und die Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP) geladen hatten. 

Peiting/Schongau – Plastik begegnet uns heute überall. Zum Großteil als Verpackungsmaterial, aber auch bei Gebrauchsgegenständen und in Autos. „Wenn ich in mein Auto schaue, muss ich zugeben: Ein Leben ohne Plastik ist da nicht möglich“, sagte Volker Zahn den Zuhörern im evangelischen Gemeindehaus in Schongau.

Der pensionierte Frauenarzt und Geburtshelfer, ausgebildete Baubiologe und Betreiber des Arche Noah-Hofs in Peiting-Kreut, empfahl aber, möglichst nur gebrauchte Autos, die schon sechs bis sieben Jahre auf dem Buckel haben, zu kaufen. Da seien die Giftstoffe dann ausgedünstet.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „7 Wochen ohne Plastik“ hatte Zahn allerdings für die über 50 Besucher viele praktische Tipps auf Lager. Zur Veranschaulichung brachte er kistenweise Gegenstände aus seinem Haushalt mit. Keramik-Kaffeefilter statt einem aus Kunststoff, Metallboxen statt der beliebten Plastikbehälter im Kühlschrank, Gläser und Flaschen, am besten in Braun, zur Aufbewahrung von Gewürzen oder Flüssigkeiten. Das Rezept von Volker Zahn ist einfach: Kunststoffgegenstände im Haushalt durch Glas, Metall oder Holz ersetzen.

Besonders aus Plastikmaterialien, die mit heißen Sachen in Berührung kommen, können sich feinste Partikel lösen. „99 Prozent aller Menschen in den kultivierten Ländern haben bereits Plastik im Blut“, verkündete Zahn. Holz-Schneidebretter aus hygienischen Gründen nicht zu verwenden, lässt er sich daher nicht ausreden. „Ich war 25 Jahre lang Leiter der Hygiene-Kommission am Klinikum Straubing. Katastrophen mit Hygiene und Bakterien entstehen nicht in Privathaushalten, sondern in Krankenhäusern, Großbäckereien oder Großschlachtereien“, meinte er.

Die beliebten Kunststoff-Getränkeflaschen im Supermarkt sollte man also lieber stehenlassen und stattdessen zu Glasflaschen greifen. Auch wer sein Sprudelwasser selbst macht, kann heute Glasflaschen wählen.

Auch im Büro gebe es Möglichkeiten, Kunststoffe zu vermeiden. Kleber wie zu Großmutters Zeiten aus der nachfüllbaren Glasflasche, Klebestreifen aus Papier und Reißzwecken ohne bunten Plastikdeckel erwähnte der Referent.

Im Bad verwende man besser Seife und Haarseife statt Lotionen aus Plastikflaschen, Holzkämme und -Bürsten statt aus Kunststoff, Zahnpaste-Tabletten aus der Tüte statt aus Plastik- oder Aluminium-Tuben. „Aluminium sollte man genauso scheuen wie alle anderen Gifte. Es wird verantwortlich gemacht für die Verbreitung von Alzheimer“, so Zahn.

Cremes könne man bestens durch reines hochwertiges Olivenöl ersetzen, den Deo-Stift oder das Deo-Spray durch einen Alaun-Deostein. Beim Einkauf greife man zu Ware, die in Papier oder Glas verpackt ist – oder in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden kann. Selbst für die Fliegenklatsche aus Plastik hat Zahn ein Ersatzprodukt aus Holz und Leder gefunden.

Den Einwand, dass die plastikfreie Alternative oft teurer sei, ließ der Referent aber nicht gelten: „Über Preise sprechen wir nicht. Wenn die Ökologie stimmt, stimmt die Ökonomie. Wenn wir die Plastikteile aus unserem Wasser herausfiltern und beseitigen müssen, verursacht das auch hohe Kosten und wird von Steuergeldern bezahlt.“ Wichtig sei es, generell mit Ressourcen sparsam umzugehen. Denn: Der Pro-Kopf-Verbrauch an Papier pro Jahr in Deutschland liegt bei 220 Kilo. In Indien bei acht Kilo.

VON URSULA FRÖHLICH

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