Kirchenmusiker Andreas Wiesmann freut sich, dass seine „Online-Konzerte zum Tagesausklang“ so gut ankommen.
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Kirchenmusiker Andreas Wiesmann freut sich, dass seine „Online-Konzerte zum Tagesausklang“ so gut ankommen.

Ein Jahr Online-Orgelmusik zum Tagesausklang

Perfekte musikalische Umsetzung

Damit hatte Andreas Wiesmann nicht gerechnet, dass die Resonanz so durchweg positiv ausfiel: Seit genau einem Jahr stellt Schongaus Kirchenmusiker die beliebte Konzertreihe „Musik zum Tagesausklang“ bei stetig großem Besucherandrang online – erst Recht zu Ostern

Schongau – Diese Konzerte einfach ausfallen zu lassen, war nicht im Sinne von Andreas Wiesmann. Zusammen mit Stadtpfarrer Norbert Marxer wurde Corona-bedingt eine technisch hochwertig ausgefeilte Alternative entwickelt. Per Internet kann man sich die aufgezeichneten Konzerte ansehen.

Und das soll auch weiterhin so bleiben. „Wir können noch keine Live-Konzerte anbieten“, bedauert Wiesmann. Aber man blicke schon auf eine Zeit nach Corona, wenn die Besucher wieder in die Kirchen kommen dürfen.

Das jeweilige Konzert wird einmal im Monat samstags ab 16 Uhr freigeschaltet „Pünktlich mit dem Glockengeläut zum Sonntag“, sagt Wiesmann. Und dieser Termin soll für ein späteres Live-Konzert auch beibehalten werden.

Dass das Projekt des Kirchenmusikers und des Pfarrers so positive Rückmeldungen bekommt, ist aus vielerlei Sicht verständlich. Da ist zunächst die musikalische Qualität, die bei einem Orgelspiel von Wiesmann eine Konstante bleibt. Zudem ist jedes Konzert individuell zurecht geschnitten, wohl durchdacht und interessant aufgebaut. Perfekt wird das Ganze dann durch die Texte und Gedanken, die Pfarrer Marxer dazu vorträgt.

Wiesmann macht alles selbst

Hervorzuheben aber ist auch die hervorragende technische Seite. Wiesmann macht die Aufzeichnungen komplett in Eigenregie, und das ist schon sehr ausgefeilt und ausgereift. „Wir haben vollkommen neue Zielgruppen erreicht“, freut sich Wiesmann. Da man per Internet natürlich auf der ganzen Welt nun seine Konzerte verfolgen kann, hören und sehen das auch ganz andere Menschen als „nur“ die Schongauer. Wiesmann erhielt sogar eine begeisterte Mail eines ausgewanderten Deutschen aus Spanien.

Und noch etwas wird sehr positiv bewertet: „Die Leute sind erfreut darüber, dass wir so viele kunstgeschichtliche Details aus der Kirche zeigen“, sagt Wiesmann. Denn er nimmt filmisch die Zuhörer, die nun ja auch mehr Zuschauer sind als bei einem Live-Konzert, mit durch die Kirche. Immer wieder Neues gibt es da zu entdecken.

So war es auch bei dem jüngsten Konzert am Samstag vor Palmsonntag: Mit dem schönen Untertitel „Ein musikalischer Gang durch die Karwoche“ wurde man eingestimmt in die Passion, in die Leidensgeschichte Jesu. Wiesmann hatte ausschließlich Orgelwerke vom Komponisten Max Reger ausgewählt.

Mit „Lobet den Herren“ wurde der Palmsonntag eingeleitet, noch ein froher, ein umjubelter Tag für Jesus bei seinem Einzug nach Jerusalem. Der anfängliche Jubel, der dann in Bitterkeit endet, wie Pfarrer Marxer es formulierte.

Perfekte Umsetzung der Osterbotschaft

Das traurige Lied „Beim letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod“ wurde hervorgehoben durch einen für so manchen Kirchenbesucher vollkommen unbekannten Blick auf einen Ausschnitt aus dem Tabernakel der Kirche. Denn auf ihm ist ein Relief des Abendmahles mit Jesus und seinen Jüngern abgebildet. „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ hörte man anschließend passend zum Karfreitag. Aber nach all’ der Dunkelheit, der Sehnsucht nach Licht, kam auch die österliche Hoffnung.

Wiesmann spielte zum Schluss das Stück „Introduktion und Passacaglia“ und präsentierte damit eine perfekte musikalische Umsetzung der Osterbotschaft.

Regina Wahl-Geiger

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