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Die Pfaffenwinkelbahn zählt nicht gerade zu den schnellsten. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert Verbesserungen. 

Kritik von Pro Bahn

Pfaffenwinkelbahn geht überall leer aus

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Der Schienenweg von Schongau nach München und zurück bleibt auch in näherer Zukunft für die Fahrgäste ein mühsamer. Umsteigefreie Verbindungen und Taktverdichtungen spielen in den Planungen für die Pfaffenwinkelbahn keine Rolle. Auch in der vom Freistaat aktuell vorangetriebenen Elektromobilitäts-Strategie für die Schiene geht die Pfaffenwinkelbahn leer aus.

Weilheim-Schongau Die Verantwortlichen der Kreisgruppe des Fahrgastverbands Pro Bahn sind schwer enttäuscht: keine umsteigefreien Verbindungen nach München, kein Taktverdichter bis Schongau, keine signifikante Reisezeitverkürzung. Auf der Strecke Weilheim-Schongau bleibt (fast) alles, wie es ist (siehe Kasten).

„Leider keine allzu guten Neuigkeiten“, findet Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman, der erst vor wenigen Wochen der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) geschrieben hatte. Mit dem eindringlichen Wunsch, dass das Ammer-Lech-Land bereits ab 2021 „unbedingt durch umsteigefreie Verbindungen mit der Landeshauptstadt München verbunden sein sollte“.

Der Ist-Zustand sieht bekanntlich völlig anders aus: Der Bahnreisende steigt in Schongau in die Bayerische Regiobahn, fährt nach Weilheim, steigt wieder aus, wechselt den Bahnsteig und nimmt den DB-Zug nach München. Wochentags dauert die Reise meist 82 Minuten, wer spät abends mit dem letzten Zug von München wieder zurück nach Schongau möchte (Abfahrt 23.32 Uhr), ist knappe zwei Stunden unterwegs. Die Heimreise ist generell die schwierigere, weil sich die DB-Züge häufiger verspäten als die der Bayerischen Regiobahn. Nach Angaben von Pro Bahn kommt es häufiger vor, dass der Anschlusszug in Weilheim schon weg ist, wenn der verspätete aus München eintrudelt. Dann heißt es warten.

Schongaus Rathauschef Sluyterman glaubt, dass alles schneller gehen könnte, wenn an einigen Stellschrauben gedreht würde: Durch eine sogenannte Flügelung der Züge der Werdenfels-Bahn nach Garmisch-Partenkirchen oder die Weiterfahrt nach Schongau der Halb-Stunden-Takt-Züge, die bisher in Weilheim enden, wäre seines Erachtens eine umsteigefreie Verbindung in die Landeshauptstadt „durchaus möglich“. Denkbar sei auch eine Kombination aus beidem, „wobei die Halb-Stunden-Takt-Züge vorerst nur bis Peißenberg, als Ziel jedoch auch bis Schongau geführt werden könnten“, meint er.

Nach Angaben von Pro Bahn wird sich beim Zugangebot aber so schnell nichts ändern, die Neuvergabe der Strecke der Pfaffenwinkelbahn ab 2021 gebe den Bahnkunden kaum Perspektiven. Aus Sicht des Fahrgastverbands ein Unding: „Um das Potenzial der Schiene zwischen dem Pfaffenwinkel und der Landeshauptstadt nutzen zu können und einen Beitrag zu den Klimazielen des Freistaates zu leisten, müssen umsteigefreie Verbindungen und dichtere Takte angeboten werden“, so Pro Bahn-Sprecher Norbert Moy.

Die von dem Verband bereits 2016 vorgeschlagenen Oberleitungs-Hybridzüge sind derweil ebenso weit weg wie die Verlängerung der Pfaffenwinkelbahn bis zum Schongauer Krankenhaus. Wie berichtet, hatte Johann Niggl, Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, im Interview mit den SN einen Batteriebetrieb der Züge zwischen Weilheim und Schongau für die Zukunft immerhin nicht ausgeschlossen. „Wir sollten das langfristig im Hinterkopf behalten“, sagte er.

Während das Thema auf anderen Bahn-Strecken dank der jetzt beschlossenen Elektromobilitätsstrategie Fahrt aufnimmt, tut sich bei der Pfaffenwinkelbahn aber (noch) nichts. „Es gibt keine Aussagen dazu“, bedauert Pro Bahn-Sprecher Moy.

Die Bürgermeister aus Peiting, Schongau und Hohenpeißenberg, Michael Asam, Falk Sluyterman und Thomas Dorsch, fordern jetzt Fortschritte: „Die Vorschläge, wie die Pfaffenwinkelbahn zur modernen Regionalbahn entwickelt werden kann, liegen längst auf dem Tisch. Jetzt sind der Bund als Eigentümer der Infrastruktur und der Freistaat als Aufgabenträger des Nahverkehrs am Zug, die Weichen Richtung Zukunft zu stellen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung mit Pro Bahn.

Ein bisschen schneller wird es

Der SN-Bericht vom Montag, dass das elektronische Stellwerk am Bahnhof Weilheim künftig auch für die Strecke Tutzing-Kochel zuständig sein soll und deshalb für eine Millionensumme erweitert wird, hat im Schongauer Bauausschuss am Dienstagabend für lange Gesichter gesorgt. „Passiert denn bei der Pfaffenwinkelbahn gar nichts?“, wollte Paul Huber (CSU) wissen, und Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) antwortete mit Verweis auf den Brief an die BEG (siehe oben): „Offenbar nicht.“ Doch bisher gilt noch immer, was vor längerer Zeit verkündet worden ist: Das elektronische Stellwerk in Weilheim soll ab Ende 2019 dafür sorgen, dass die Pfaffenwinkelbahn den Bahnhof in Peißenberg in beiden Richtungen ohne längeren Halt passieren kann. Weil die Züge in Peißenberg derzeit keine gleichzeitige Einfahrt haben, muss der Zug aus Schongau bekanntlich fünf Minuten stehen, ehe er weiterfahren kann. Das liegt an der veralteten Signal- und Steuertechnik. Im Interview mit den SN hatte BEG-Chef Johann Niggl im Oktober überdies auf das „Beschleunigungsprogramm“ der Bahn hingewiesen. Einige Bahnübergänge sollen umgebaut und modernisiert werden, damit ein schnelleres Durchfahren der Züge möglich ist. Handlungsbedarf besteht nach Meinung von Pro Bahn-Sprecher Norbert Moy dabei derzeit vor allem an den nur mit Andreaskreuzen gekennzeichneten Bahnübergängen Kugelsbühl (Gemeinde Polling) und am St. Georgenweg in Peißenberg. Sie seien echte „Zeitfresser“, den Übergang in Peißenberg könne der Zug lediglich mit 10 Stundenkilometer passieren. bo/jvr

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