Ideal: Diese Besucherin wird direkt im Heim getestet.
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Ideal: Diese Besucherin wird direkt im Heim getestet.

Besuchsverbot für Geringverdiener?

Pflegeheim-Zutritt nur mit aktuellem negativem Corona-Test - Große Kosten für Besucher

Wer einen Angehörigen im Pflegeheim besuchen möchte, muss einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen, der nicht älter als zwei Tage ist. Die Kosten dafür tragen Besucher in der Regel selbst.

Hartmut Lenz (79) ist von der Regelung direkt betroffen. Seine Frau lebt im Heiliggeistspital in Schongau. Um sie sehen zu können, muss Lenz wie alle anderen Besucher einen negativen Schnelltest vorlegen.

Das Heiliggeistspital konnte jedoch seit den Weihnachtsfeiertagen keine kostenlosen Testungen für Angehörige vor Ort mehr anbieten. Einrichtungsleiter Christian Osterried erläutert, warum: „Wir haben Ende Dezember die Auflage bekommen, jeden Heimbewohner einmal pro Woche und das Personal zweimal pro Woche zu testen. Das sind bei 100 Bewohnern und 85 Einrichtungsmitarbeitern insgesamt 270 Tests pro Woche.“ Dadurch hätten schlicht die Kapazitäten gefehlt, auch die Besucher weiterhin zu testen.

Kostenpflichtige Tests gehen Altenheimbesuchern ins Geld

Die Angehörigen mussten deshalb auf andere Teststationen ausweichen – die aber kostenpflichtig sind. Ein Schnelltest beim Bayrischen Roten Kreuz (BRK) in Schongau oder Weilheim kostet beispielsweise bei der ersten Testung 25 Euro, bei Folge- bzw. Mehrfachtestungen 15 bis 10 Euro.

Die Marktapotheke in Peiting bietet den ersten Test für 40 Euro an und berechnet ab dem zweiten für jeden weiteren 15 Euro. Apothekerin Sylvia Hirschvogel sagte, ihre Apotheke sei eine der wenigen im Landkreis, die überhaupt Schnelltests anbieten.

Das geht schnell ins Geld, weswegen sich nicht alle Altenheimbesucher diese Tests mehrfach pro Woche leisten können. Auch Hartmut Lenz hat das am eigenen Leib erfahren: „Ja, es ist eine Belastung. Ich bin anfangs oft nach Weilheim gefahren, da das BRK die Tests in Schongau erst nur am Freitag angeboten hat. Wenn der Test nur zwei Tage gültig ist, das Heim aber am Wochenende nicht besucht werden kann, bringt das nichts.“ Mittlerweile wird in Schongau auch am Mittwoch getestet. Neben der Fahrerei waren für Lenz auch die Kosten belastend: „Ich habe natürlich einiges ausgegeben.“ Viele könnten sich das aber nicht leisten: „Aus Gesprächen mit anderen Angehörigen weiß ich, dass viele deswegen weniger oder gar nicht mehr zu Besuch ins Heim kommen können.“

Doppelbelastung für einkommensschwächere Menschen

Kostenpflichtige Corona-Schnelltests können also für einkommensschwächere Menschen schnell zu einer Doppelbelastung führen: die finanzielle Benachteiligung einerseits und das Gefühl, die Liebsten zu vernachlässigen, andererseits. Lenz fordert deshalb: „Diese teure ‚Eintrittskarte‘ für Besuche bei Menschen, die sonst vereinsamen würden, ist sozial unangemessen und sollte schleunigst abgeschafft werden.“

Das war auch den Mitarbeitern des Heiliggeistspitals in Schongau bewusst, deswegen suchte man nach Lösungen. Nun ist es ab dem 1. Februar wieder möglich, kostenlose Schnelltests anzubieten. „Wir haben extra vier zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, die sich um die Testungen im Heim kümmern. Das hat sich gut eingespielt, daher haben wir wieder mehr Kapazitäten frei und können auch die Angehörigen wieder testen“, so Heimleiter Osterried. Dabei müsse die Pflegeeinrichtung die Kosten für die Schnelltests vorstrecken und anschließend mit der Krankenkasse abrechnen.

Kostenlose Testungen und weitere Besuchszeiten im Heiliggeistspital Schongau

Neben den kostenlosen Testungen erweitert das Heiliggeistspital außerdem seine Besucherzeiten. In den letzten Wochen waren diese nur montags bis freitags von jeweils 14 bis 16 Uhr angesetzt – schwer zu vereinbaren mit einem normalen Berufsleben. Ab Montag gelten die Zeiten auch für das Wochenende. Es ist aber weiterhin nur eine Kontaktperson pro Bewohner erlaubt.

Dass diese Lockerungen überhaupt möglich sind, liegt laut Osterried daran, dass mittlerweile alle Bewohner, die es wollten, ihre Zweitimpfung gegen Corona erhalten haben.

Das freut Lenz: „Das ist für die Verantwortlichen eine Herausforderung und ich ziehe meinen Hut vor allen, die dort arbeiten. Die Leute machen einen tollen Job bei der Betreuung, meine Frau ist gut umsorgt.“

Grüne fordern kostenlose Schnelltests

Der Landkreis Pfaffenhofen machte den Anfang und bietet seinen Bürgern kostenlose Schnelltests an. Ziel sei, die Pandemie schneller einzudämmen, so Landrat Albert Gürtner. Damit wären auch die Schnelltests für Besucher in den Pflegeeinrichtungen prinzipiell kostenlos.

Was die Pfaffenhofener können, kann der Landkreis Weilheim-Schongau schon lange, meinen die Grünen im Kreistag und stellen den Antrag, allen Bürgern im Landkreis kostenlose Corona-Schnelltests zur Verfügung zu stellen. Der Kreistag möge beschließen, dass die Verwaltung Kontakt zu örtlichen Hilfsorganisationen aufnimmt, um ein Konzept für die Etablierung von zusätzlichen Schnelltestzentren im gesamten Landkreis zu erstellen. Zur Begründung heißt es: „Für den Besuch von Senioreneinrichtungen ist die Vorlage eines negativen Schnelltests oder PCR-Tests weiterhin Pflicht. Die wachsende Isolation von Senioren, die in Pflegeheimen untergebracht sind, wird zunehmend auch in der medialen Berichterstattung aufgenommen und thematisiert.“ Derzeit könne man sich entweder beim Hausarzt oder kostenfrei beim Testzentrum in Weilheim untersuchen lassen. Bis das Ergebnis des PCR-Tests aus dem Testzentrum vorliege, dauere es aber länger. Zudem seien die Angebote nur für diejenigen geeignet, die mobil sind. Das sorge dafür, dass viele ihre Angehörigen nicht besuchen können.

JENNIFER BATTAGLIA

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Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Landkreis Weilheim-Schongau lesen Sie in unserem Newsticker.

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