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Am Arbeitsplatz: Hope im Schongauer Plantsch, wo sie alle unterstützen.

Plantsch-Mitarbeiterin Hope

Wohnung für Goldstück gesucht

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„Sie ist so eine Perle, wir fiebern alle mit und hoffen mit ihr, dass es ein gutes Ende nimmt.“ Plantsch-Chef Andreas Kosian spricht von Hope aus Uganda, Mitarbeiterin im Bad. Ihre vier Kinder sollen spätestens Mitte September die Reisevisa bekommen, weiß Johanna Bystry. „Doch was dann?“ Denn das Wohnungsproblem ist noch immer nicht gelöst.

Schongau Zunächst einmal hat Johanna Bystry, Hopes große Unterstützerin in Schongau, gute Nachrichten. „Alle Dokumente sind da, alles ist so weit in Ordnung.“ Endlich sind also die Unterlagen vollständig in der deutschen Botschaft in Kampala, endlich ist bestätigt, dass die Reise-Visa in Bearbeitung sind. Spätestens Mitte September sollen die Papiere fertig sein, vielleicht schon eher. Dann könnte die Afrikanerin ihre vier Kinder in die Arme schließen. Seit vier Jahren hat die 44-Jährige ihre Kinder nicht mehr gesehen – die Jüngste wird im Herbst fünf Jahre alt, der Älteste ist gerade 15 geworden. Alle drücken der Familie die Daumen.

„Aber wohnungsmäßig hat sich noch nichts getan“, berichtet die Schongauer Helferin. Die aktuelle, aber wenig erquickende Auskunft der Stadt Schongau: Es gibt keine freien Wohnungen, nach wie vor nicht. Zwar steht Hope auf einer Warteliste, aber natürlich nicht alleine.

Seit Monaten durchforstet Johanna Bystry das Internet nach einer Wohnung, die nicht nur groß genug ist, sondern auch bezahlbar. Hope kann mit ihren Kindern in Schongau und im westlichen Landkreis Wohngeld bis zu einer Höhe von 783 Euro bekommen für maximal 105 Quadratmeter. Jedoch überschreiten auch die günstigsten Wohnungen diesen Wert bei weitem. „Für sieben Euro pro Quadratmeter ist in Schongau nichts zu bekommen, im Schnitt müsste man mindestens acht Euro ansetzen“, ist sich Bystry sicher.

Interessant: Setzt man die Bruttokaltmiete (Kaltmiete plus Nebenkosten ohne persönliche Kosten wie Heizung, die extra bezuschusst werden) etwas höher an, kommen zumindest ein paar wenige Treffer. Diese sind fast ausschließlich von der gleichen Gesellschaft, „ex ante“ aus Kassel.

Die GmbH ist Johanna Bystry wohl bekannt. Die Mieterin einer „ex ante“-Wohnung hatte helfen wollen und Hope als Nachmieterin vorgeschlagen. Die Wohnung, die zunächst 570 Euro kalt gekostet hatte, stieg laut Bystrys Angaben vom einen auf den anderen Monat auf 805 Euro. Auf Nachfrage habe man ihr mitgeteilt, das seien zwar mehr als zehn Prozent Erhöhung, liege aber nicht über den ortsüblichen Mieten. Ausführliche Fragen der Schongauer Nachrichten zum Thema wollte die „ex ante“-Geschäftsführung ausdrücklich nicht beantworten.

Sollten die Vergleichsmieten tatsächlich zu hoch sein, müssten auch die Richtwerte für die Unterkunftskosten angepasst werden. Die aktuellen sind genau zwei Jahre alt. „Wir haben ein Institut beauftragt, die Richtwerte neu festzusetzen“, bestätigt Peter Steigenberger, stellvertretender Sachgebietsleiter im Sozialamt Schongau. Es würden sehr umfangreiche Daten erhoben und gewissenhaft gearbeitet. Er wisse um den schwierigen Wohnungsmarkt in Schongau, könne aber aus seiner Erfahrung heraus bestätigen, dass es Wohnungen gebe. Steigenberger schätzt, dass die Werte in der Zeitspanne Oktober/November angepasst werden könnten.

Zu spät für Hope und ihre bis dahin hoffentlich in Deutschland angekommenen Kinder. Dabei tut die Uganderin alles, was in ihrer Macht steht. Zuletzt hat sie den Führerschein erworben und ein Auto gekauft, um nicht auf Schongau als Wohnort angewiesen zu sein – auch wenn das manches vereinfachen würde, wie Bystry meint.

Die Uganderin erfährt von allen Seiten Unterstützung bei der Wohnungssuche. Von Bürgern, von ihren Kollegen im Plantsch. Schon seit geraumer Zeit darf Hope bei einem der Kollegen ein Zimmer nutzen, konnte also aus der Unterkunft Birkländer Straße ausziehen. Allen voran hilft Bad-Chef Andreas Kosian. Erst kürzlich hat er wieder ein großes „Suchen Wohnung für Mitarbeiterin“-Plakat aufgehängt, hatte mehrfach selbst bei der Stadt nachgehakt, Leute persönlich angesprochen, als Arbeitgeber Empfehlungsschreiben ausgestellt. Kosian: „Sie ist so eine nette und liebevolle Frau, es gibt keinen einzigen Kollegen, der nicht für sie die Hände ins Feuer legen würde.“

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