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So könnte die Umgebung des Münzgebäudes künftig ausschauen: Wo jetzt noch Parkplatz und Garagen sind, sind Grünflächen und ein mittelalterlicher Kräutergarten möglich. Auffallend die Außentreppe, die zum zweiten Stock des Münzgebäudes führen soll, mit der Aussichtsplattform. Auch eine Außengastronomie wäre möglich.

Planung vorgestellt

Münzgebäude als Eintritt in die Stadtmauer

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Nach zehn Jahren Dornröschenschlaf soll das Schongauer Münzgebäude bald wieder zum Leben erwachen, und zwar als „Amt für Senioren“ durch den künftigen Mieter, das Landratsamt. Mehr wurde am Dienstagabend im Stadtrat aber über die Planung drumherum gesprochen – und über die Kosten.

Schongau – Eine wichtige Nachricht zu dem „tollen Projekt für die Stadt“ hatte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) gleich vorneweg: Das Landratsamt habe ihm mitgeteilt, dass ins Münzgebäude tatsächlich ein neues Seniorenamt einziehen wird. „Dass der Landkreis Mieter ist, war klar, aber die Verwendung noch nicht endgültig festgelegt“, freute sich Sluyterman. „Das ist ein Gewinn für die Stadt Schongau als Behördenstandort.“ Stadtbaumeister Sebastian Dietrich bezeichnete die jetzt vorgestellten Pläne als „gute Lösung für die Reaktivierung des Münzgebäudes als wichtigen Integrationspunkt in der Altstadt“ und gleichzeitig als „Auftakt für die öffentliche Erschließung der Stadtmauer“, die die Stadt deutlich attraktiver machen soll.

Denn Planer Benedikt Sunder-Plassmann aus Greifenberg hatte sich nicht nur auf das Gebäude beschränkt, sondern auch die Umgebung miteinbezogen. So weist sein Entwurf nicht nur eine Grünfläche, einen möglichen Kräutergarten und einen Brunnen auf, sondern auch eine Treppe aus besonderem braunen Stahl an der Stadtmauer, die direkt auf den bestehenden Wehrgang führt, inklusive Aussichtsterrasse über die Stadt. „Es wäre der perfekte Ausgangspunkt für Stadtführungen“, so Sunder-Plassmann. Denn das Landratsamt braucht nur Erdgeschoss und ersten Stock, im zweiten Obergeschoss könnte ein öffentlich nutzbarer Saal eingerichtet werden zum Beispiel für VHS-Kurse. „Aus diesem Grund müssen wir die Außentreppe sowieso bauen, weil wir einen zweiten Fluchtweg brauchen“, sagte Sunder-Plassmann. Positiver Nebeneffekt: Für das Dachgeschoss könnte die Stadt eine 60-prozentige Förderung bekommen.

Weiterer spektakulärer Kniff: Weil bisher die in die Stadtmauer gebaute Aussegnungshalle den Wehrgang unterbricht, will der Architekt quasi einen Weg außerhalb der Mauer bauen, „da kann man die Stadtmauer von außen betrachten“. Auf die ungläubige Frage von Bettina Buresch, was der Denkmalschutz dazu sage, meinte Robert Thomas vom Bauamt: „Wir haben noch keine Genehmigung, aber das Denkmalamt hat seine Zustimmung angedeutet.“ Auch Burgenforscher Joachim Zeune, der das Inwertsetzungskonzept für die Stadtmauer erstellt und in die Planung eingebunden sei, sehe die Erschließung des Wehrgangs als „absolute Bereicherung“. Sunder-Plassmann betonte: „Wir haben uns die vergangenen drei, vier Monate intensiv damit befasst und natürlich alles mit dem Landratsamt, der Städtebauförderung und dem Denkmalschutz abgestimmt.“ Nur ein ebenfalls vorgesehener kleiner Balkon an der Stadtmauer-Außenseite fiel durch, da hatte schon das Stadtbauamt abgewunken.

Die Pläne für das Münzgebäude selbst, um die es eigentlich prioritär ging, sind im Vergleich unspektakulär: Aus den Zellenräumen des ehemaligen Gefängnisses, das bis 2008 als Polizeiinspektion diente, werden klassische Büroräume. Wichtigste Änderung: Der Eingang wird verlegt, und zwar nahe an den stark frequentierten Durchgang Richtung Bahnhofstraße. Zum einen, weil das der bessere Zugang ist, zum anderen, weil man sonst nur einen 80 bis 90 Zentimeter breiten Flur zur Verfügung hätte. „das wäre zu eng, das geht nicht“, so Sunder-Plassmann. Beim künftigen Eingang gibt es nun einen Empfangsraum. Auch ein Lift wird eingebaut. Die Kostenplanungm die schon relativ ausgereift sei, sehe 2,89 Millionen Euro vor – wohlgemerkt ohne sämtliche Außenanlagen.

Eine Draufsicht nicht nur auf die Außenanlagen, sondern auch ins künftige Erdgeschoss des Münzgebäudes: Der Eingang wird auf die rechte Seite verlegt, also nahe am hoch frequentierten Fußweg. Innen sind kleine Büros vorgesehen, links hinten auch ein Aufzug, der alle Stockwerke erreichen soll.

Deshalb gab es neben vielen positiven Stimmen (siehe Kasten) auch kritische wie von Helmut Hunger (CSU). Ob man den Saal brauche, da habe man mit Ballenhaus und Sparkassenforum schon genug, auch den Aufzug stellte er in Frage. „Da brauchen wir gar nicht zu diskutieren“, empörte sich Parteikollegin Marianne Porsche-Rohrer, auch Stadtbaumeister Dietrich sagte: „Bei einem Seniorenamt ist ein Aufzug unumgänglich.“ Funke wollte den Saal unbedingt („Die VHS ist überall auf Raumsuche“), und weil man das Dachgeschoss sowieso ausbauen müsse, spare man ohne Saal nichts, verliere aber die Förderung, so Thomas.

Nach Vorwürfen von Stephan Hild (UWV), er habe bei zwei Projekten in Denklingen und Tutzing erheblich Kostensteigerungen zu verantworten, stand Sunder-Plassmann am Pranger und musste sich, unterstützt vom Stadtbauamt, verteidigen: „Die Kosten sind nicht höher als in unserer Schätzung“, betonte Thomas, auch Zeller sprang ihm bei: „Es ist schwer, die Qualität eines Architekten anhand eines Zeitungsausschnitts einzuschätzen. Das ist fehl am Platz.“ Die Zustimmung für die Fortführung der Planung fiel schließlich einstimmig.

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