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In der Zechenschenke in Peiting berieten Vorstand und Mitglieder der Umweltinitiative Pfaffenwinkel, wie sie gegen die geplante Müllverbrennung in Altenstadt vorgehen wollen.

Entsetzen über Kraftwerkspläne

Umweltinitiative schmiedet breite Front gegen Müllverbrennung in Altenstadt

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Die Protestwelle gegen die geplante Müllverbrennung in Altenstadt rollt, die Umweltinitiative Pfaffenwinkel schmiedet eine breite Allianz. Schon für 4. August ist in Peiting eine Auftaktveranstaltung mit allen möglichen Vereinen, Parteien und Institutionen geplant. Auch die Stadt Schongau leistet massiven Widerstand. Die Gemeinde Altenstadt stimmt der Erweiterung dagegen zu.

Landkreis – Denkbar knapp hat der Gemeinderat in Altenstadt in seiner Sitzung am Dienstag mit 9 zu 7 Stimmen das gemeindliche Einvernehmen zu den Erweiterungsplänen auf dem Gelände des Biomasseheizkraftwerks erteilt. Wie berichtet, sollen dort in Zukunft nicht nur Holz, sondern auch häusliche und gewerbliche Abfälle verbrannt werden dürfen. Ein Experte erklärte in der Gemeinderatssitzung, dass auch nach der Umstellung dank moderner Filtertechnik nicht mehr Emissionen die Anlage verlassen werden als vorher.

Der Schongauer Stadtrat dürfte sich damit nicht zufrieden geben. In seiner Sitzung am Dienstag hagelte es Kritik. Quer durch alle Fraktionen wurde Widerspruch eingelegt. Eine negative Stellungnahme an die Regierung ist formuliert, man fordert einen Erörterungstermin.

UIP: Kriegserklärung gegen Bürger im Schongauer Land

Bei der Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP), die am Dienstag in Peiting ihre Jahresversammlung abhielt, schrillten sämtlichen Alarmglocken. Kreisrat Hans Schütz (Grüne) sprach mit Blick auf das Vorhaben „von einer massiven Kriegserklärung gegen die Bürgerinnen und Bürger im Schongauer Land“. Er erinnerte einmal mehr an das breite Aktionsbündnis, das sich ab den 1980er Jahren erfolgreich dafür eingesetzt habe, „dass unser Landkreis von einer Müllverbrennungsanlage verschont geblieben ist und wir mit der EVA GmbH eine gut funktionierende Alternative für die Müllbehandlung verwirklichen konnten“.

Vergebliches Warten auf Kraft-Wärme-Kopplung

An dem Kraftwerk in Altenstadt ließ Schütz kein gutes Haar. Die Anlage sei schon jetzt „überhaupt nicht ökologisch“, betonte er. Bis heute werde keine Kraft-Wärme-Kopplung durchgeführt. Die Bundeswehr oder die Stadt Schongau würden nicht mit Fernwärme versorgt, weil dann weniger Strom produziert werden könnte, behauptete Schütz. „Die Firma hat nur finanzielle Interessen, Strom wird gut bezahlt.“ Dass die Anlage seinerzeit mit 50 Millionen D-Mark gefördert worden sei, „ist ein Skandal“.

Leidtragende wohnen vor allem in Schongau West

In der Diskussion wurde einmal mehr betont, dass vor allem die Stadt Schongau Leidtragende der vor ihren Toren geplanten Müllverbrennung wäre. Denn schon jetzt rauchen die Kamine der Unternehmen links und rechts der Stadt um die Wette: im Osten bei UPM, im Westen bei der Firma Emter, bei einer Futtertrocknungsanlage und eben im Heizkraftwerk Altenstadt, von dem die Schongauer nach einer Erweiterung noch mehr Gestank fürchten. Wie berichtet, klagen sie speziell bei Westwind schon jetzt über teils unzumutbare Geruchsbelästigungen.

Kritik an Genehmigungsverfahren ohne Öffentlichkeit

Schütz, der eine Resolution an den heute tagenden Kreistag gestellt hat (wir berichteten), monierte auch, dass das beschleunigte Verfahren für die Müllverbrennung von der Regierung von Oberbayern bislang ohne Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt worden war. „Für mich ist es eine Sauerei, wir müssen alle legalen Mittel in Betracht ziehen, um diese Anlage zu verhindern.“

Auch „Fridays für Future“ soll sich an Protest beteiligen

Die Umweltinitiative Pfaffenwinkel will das jetzt tun. Sämtliche Parteien, Kirchen, Vereine und Institutionen werden zusammengetrommelt. Auch die Jugendbewegung „Fridays for Future“ soll mit ins Boot geholt werden. Und natürlich werden die vielen Verbindungen in die Politik genutzt werden, die sich die Umweltinitiative in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat.

Auftaktveranstaltung am 4. August

Alle Mitstreiter sind für Dienstag, 4. August, um 19.30 Uhr nach Peiting in die Zechenschenke eingeladen, um dort den Protest auf ein breites Fundament zu stellen: „Druck aufzubauen, ist das Einzige, was wir vorläufig machen können“, heißt es.   

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