Der Lärm des Verkehrs, der den Rößlekellerberg hinabfährt, ist derart laut, dass in einigen Klassenzimmern der Pfaffenwinkel-Realschule (links) bei offenen Fenstern nicht unterrichtete werden kann.
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Der Lärm des Verkehrs, der den Rößlekellerberg hinabfährt, ist derart laut, dass in einigen Klassenzimmern der Pfaffenwinkel-Realschule (links) bei offenen Fenstern nicht unterrichtet werden kann.

B17-Verkehr rollt durch Schongau

Realschulleiter klagt über Lärm und gefährlichen Schulweg

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Schongau ächzt unter der Blechlawine, die sich seit der Sperrung der B17 durch die Stadt quält. Betroffen von Lärm und Gestank ist auch das Schulzentrum, das ursprünglich verschont bleiben sollte. Die Pläne des Staatlichen Bauamts, den Verkehr erst in den Sommerferien an ihm vorbei zu leiten, hatten sich aber zerschlagen. Die Ursache liegt in Altenstadt.

Schongau – Für Armin Eder ist der zusätzliche Verkehr vor dem Schulzentrum das i-Tüpfelchen auf eine Gesamtsituation, über die er sich schon länger ärgert. „Das große Problem ist unser Flügel zur Straße“, sagt der Schulleiter der Pfaffenwinkel-Realschule. Wegen des Straßenlärms vom Rößlekellerberg sei es in dem Trakt nicht möglich, bei geöffneten Fenstern zu unterrichten, klagt der Rektor. „Und bei Corona müssen wir ständig lüften“, betont Eder, der von chaotischen Bedingungen in den fünf betroffenen Klassenzimmern berichtet. Insbesondere auf den Schongauer Bürgermeister ist der Schulleiter derzeit nicht gut zu sprechen. Eder will erfahren haben, dass sich Falk Sluyterman im Kreistag für Tempo 30 am Rößlekellerberg stark gemacht haben soll. „Aber davon weiß er jetzt nichts mehr“, schimpft der Schulleiter (siehe unten).

Realschulleiter weiß nicht, ob er den Kindern überhaupt zum Stadtradeln raten soll

Wegen des zusätzlichen Verkehrs fürchtet Eder obendrein jetzt noch mehr um die Sicherheit seiner Schüler. „Ich weiß gar nicht, ob ich den Kindern zumuten kann, dass sie beim Stadtradeln mitmachen“, sagt der Realschulleiter und verweist unter anderem „auf den viel zu schmalen Radweg“ am Rößlekellerberg. Eder hat den Mädchen und Buben schon empfohlen, die Räder oben am Berg abzustellen und dann zu Fuß zu gehen. Begeistert waren sie von dem Vorschlag aber nicht: „Sie meinten, dann könnten sie gleich zu Fuß zur Schule kommen“, berichtet der Realschulleiter.

Direktor des Gymnasiums geht entspannter mit Verkehrssituation vor dem Schulzentrum um

Deutlich entspannter geht Bernhard O’Connor mit der verschärften Verkehrssituation am Schulzentrum um. Der Direktor des Welfengymnasiums freut sich vielmehr, dass nach Lockdown und Wechselunterricht jetzt endlich wieder alle Schüler da sind. Der Blechlawine vor der Schule kann er sogar Gutes abgewinnen: „Wenn Stop-and-go gefahren wird, ist der Verkehr ja weniger gefährlich“, meint O’Connor. Dafür nimmt der Direktor auch in Kauf, dass sein Weg von der Arbeit nach Hause (Peiting) jetzt deutlich länger dauert als vorher. Statt zehn bis 15 Minuten seien es nun 30 bis 45 Minuten, die er unterwegs sei. „Einige Kollegen sind schon auf das Fahrrad umgestiegen“, berichtet O’Connor.

Baustelle in Altenstadt hat Zeitplan für B17-Sanierung durcheinandergewirbelt

Dass die Schulen jetzt so viele Autos vor den Türen haben, verdanken sie indirekt der Gemeinde Altenstadt. Sie hat mit einer Baustelle im Ortszentrum den Ablaufplan der B17-Sanierung des Staatlichen Bauamts kräftig durcheinandergewirbelt. Wie im Januar berichtet, hatte das Amt in Weilheim ursprünglich vor, den 4,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Peiting West und Schongau West in den Sommerferien anzugehen, damit es am Schulzentrum zu keinen Problemen kommt. Dann aber hätten die Arbeiter schon jetzt zwischen Schongau West und Schongau Nord zu Gange sein müssen. Das Problem: Die Umleitung würde in dem Fall durch Altenstadt führen. Dort steht nach Auskunft des örtlichen Bauamts allerdings vom 14. Juni bis 9. Juli nur eine Fahrspur zur Verfügung. Der Verkehr wird mit einer Behelfsampel geregelt, ein Chaos wäre vorprogrammiert.

Laut Staatlichem Bauamt halten sich die Beschwerden in Grenzen

Für das Staatliches Bauamt gab es laut Mitarbeiter Alois Stapf deshalb keine Alternative zum jetzigen Bauablauf. Mit Staus und Behinderungen auf der Umleitungsstrecke hat die Behörde gerechnet. „Es läuft wie erwartet“, sagte Stapf am Donnerstag auf Anfrage. Die Beschwerden von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern hielten sich bis dahin in Grenzen. Nur vereinzelt habe es Anrufe aus Peiting und Schongau gegeben.

Einsatzfahrzeuge kommen durch: Polizei hat keinen Grund, sich zu beklagen

Auch die Polizei hat nach Angaben von Dienststellenleiter Herbert Kieweg keinen Grund, sich zu beklagen. Die Einsatzfahrzeuge würden durchkommen, „alles in allem funktioniert das“, so Kieweg. Staus und Behinderungen beobachtet der Schongauer Polizeichef vor allem nachmittags ab 15 Uhr und am Morgen im Berufsverkehr.

Bürgermeister radelt zu sämtlichen Dienstgeschäften und lädt Eder ein, über Probleme zu reden

Auch er sei seit vergangenem Montag dazu übergegangen, „sämtliche Dienstgeschäfte mit dem Fahrrad zu erledigen“, berichtet Bürgermeister Falk Sluyterman. Als der Rathauschef am Donnerstag zu einem Termin nach Schongau West radelte, habe auch er festgestellt, dass die Stimmung bei manchem Autofahrer gereizt sei. „Aber das Staatliche Bauamt macht das ja nicht aus Jux und Tollerei“, wirbt Sluyterman für Verständnis. Die Maßnahme werde durchgeführt, damit es auch in den nächsten Jahrzehnten wieder möglich sein wird, um Schongau herumzufahren.

Tempo 30 am gesamten Rößlekellerberg ist laut Rathauschef nicht möglich

Auf die Kritik von Realschulleiter Armin Eder hin verweist das Stadtoberhaupt darauf, dass die Stadt im Bereich des Schulzentrums eine Tempo-30-Beschränkung durchgesetzt hat, die montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr gilt. Sie noch weiter oben am Rößlekellerberg anzubringen, ist laut Sluyterman nicht möglich. „Voraussetzung für die Anordnung von 30 km/h ist nämlich, dass die Schulen und Kindergärten einen direkten Zugang zur betreffenden Straße haben oder reger Abhol- und Bringverkehr herrscht“, erläutert er. Außerdem sei es ausreichender Grund für ein Tempolimit bei 30 Stundenkilometern, wenn viele Kinder die Straße überqueren müssen, um zur jeweiligen Einrichtung zu gelangen. „Beide Voraussetzungen wären bei einem Schild, das den Rößlekellerberg insgesamt als 30 km/h-Zone ausweisen würde, nicht mehr gegeben.“

Für Ausbau das Radweges fehlt der Stadt derzeit das Geld

Was die Radfahrer betrifft, verweist Sluyterman darauf, dass der Weg auf der Schulseite den Berg hinauf nur für Fußgänger gedacht sei. Auf der rechten Seite gibt es dagegen voneinander getrennte Wege für Fußgänger und Radfahrer. Wobei der Bürgermeister einräumt, „dass es auch da ein bisschen eng werden kann“. Sluyerman erinnert in dem Zusammenhang daran, dass frühere Radwegpläne in dem Bereich auf Bürgerproteste gestoßen waren, weil Bäume hätten gefällt werden müssen. Und derzeit seien aufgrund der angespannten Haushaltslage nur kleinere Maßnahmen möglich; etwa die geplante Fahrradstraße am Schulzentrum. Realschuldirektor Armin Eder könne sich aber jederzeit an ihn wenden, sagt Sluyterman. „Er ist herzlich willkommen.“

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