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Der Fahrplan-Check: Nur ein paar Mal am Tag fährt ein Bus nach Schongau.

Mit Bus und Bahn in die Arbeit

Redakteurin macht Pendler-Selbstversuch mit den Öffentlichen: „Nichts für meinen Alltag“ 

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Nach dem Vorbild „Fridays for Future“ wagte Redakteurin Katrin Kleinschmidt den Pendler-Selbstversuch: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ging es für sie von Bad Kohlgrub nach Schongau.

Bad Kohlgrub – Eigentlich war’s mir ja klar. Als meine Kollegen vorschlugen, einmal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit zu fahren, dachte ich zurück an die Schul- und die Studienzeit. An die ständigen Sprints und die hektischen Blicke auf die Uhr. Und an so viele Busse, denen ich schwer atmend hinterher blickte. Und was soll ich sagen. Auch diese Geschichte hier hätte sehr knapp werden können: Ich habe (natürlich) den Bus verpasst und bin doch mit dem Auto in der Redaktion angekommen. Mein Selbstversuch scheiterte kläglich – an mir, nicht am öffentlichen Nahverkehr. Deshalb bekamen ich und der ÖPNV eine zweite Chance von den Kollegen.

Redakteurin macht Pendler-Selbstversuch mit den Öffentlichen: „Nichts für meinen Alltag“ 

Ich mache mich also am nächsten Tag erneut daran, von Bad Kohlgrub aus nach Schongau in die Arbeit zu fahren. Meine Tochter bringe ich noch mit dem Auto in den Kindergarten. Wir haben ab 8 Uhr gebucht, meistens bringe ich sie um 8.30 Uhr. Völlig ausreichend, da ich erst um 10 Uhr im Büro sein muss. Will ich aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, ist selbst 8 Uhr zu spät. Da fährt bereits der Zug in Bad Kohlgrub ab, den ich nehmen müsste, um an die Bushaltestelle in Saulgrub zu kommen. 

Also entscheide ich, das Auto zu Hause abzustellen und zu Fuß ins Nachbardorf zu gehen. Der Bus fährt um 8.42 Uhr ab. Etwa 20 Minuten brauche ich von meiner Haustür bis zur Haltestelle. An diesem Tag macht das Spaß, die Sonne scheint, ich atme die frische Morgenluft und genieße den Blick aufs Hörnle. Ich kann gemütlich gehen, denn diesmal bin ich besser vorbereitet als beim ersten Versuch – ich bin deutlich früher aufgestanden und eher losgekommen, außerdem habe ich genug Geld dabei. Weil ich am Vortag erst noch zur Bank musste, fuhr mir der Bus vor der Nase weg. Diesmal läuft es besser. Ich bin rechtzeitig da und steige in die „9606“ ein. Für 6,10 Euro kann ich von hier bis zum Rathaus Schongau durchfahren. Perfekt. Obendrein habe ich freie Platzwahl. Außer mir sind nur zwei weitere Fahrgäste in dem Bus. Mehr als sechs gleichzeitig sind es bis zur Endstation nie.

Ein kleiner Spaziergang am Morgen: Ich laufe von Bad Kohlgrub zur Haltestelle in Saulgrub.

Ich genieße es, die Baustelle an der Echelsbacher Brücke mal genau betrachten zu können. Und freue mich über die Kinderstimme, die einige Haltestellen ansagt. Umsteigen muss ich nicht, die Busnummer ändert sich zwar in die „9822“, aber mein Gefährt bleibt das gleiche. Pünktlich um 9.30 Uhr komme ich an, verabschiede mich vom freundlichen und bestens gelaunten Busfahrer. Alles gut gelaufen.

Pendler-Selbstversuch mit den Öffentlichen: 70 Minuten mit dem Bus und zu Fuß

In der Arbeit checke ich dann, wie ich wieder zurückfahren kann. Neben der Tour mit dem Bus könnte ich auch eine Zugstrecke wählen. Die würde mich von Schongau über Weilheim nach Murnau und weiter nach Bad Kohlgrub führen. Mehr als zwei Stunden wäre ich dann unterwegs – obendrein ist für einen Teil der Strecke gerade ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Mit dem Auto brauche ich knapp eine halbe Stunde. Die Busvariante schlägt inklusive Spaziergang mit etwa 70 Minuten zu Buche. Zwei Stunden Reisezeit kommen also nicht in Frage. Nicht für den Test – und für den Alltag sowieso nicht. Ich entscheide mich wieder für den Bus, auch wenn der nur selten fährt. Um 17.30 Uhr geht einer. Ich arbeite an diesem Tag ausnahmsweise etwas kürzer. Auf dem Rückweg muss ich an der Echelsbacher Brücke umsteigen. Der Anschluss-Bus steht schon bereit – und fährt mich diesmal sogar bis Kohlgrub. Also alles wunderbar.

In meinem beruflichen Alltag kann ich trotzdem nicht auf das Auto verzichten. Mehr als die Hälfte meiner Arbeitstage enden mit einer Partie des Eishockey-Oberligisten EC Peiting. Dann sitze ich im Eisstadion oder schreibe in der Redaktion über ein Auswärtsspiel, füge ein Bild ein, tippe Ergebnisse ab und erstelle Tabellen. Vor 22.30 Uhr bin ich nie fertig. Der letzte Bus aber geht um 22 Uhr. Eine durchgehende Zugverbindung gibt’s um diese Zeit nicht mehr. Ich werde weiter das Auto nehmen müssen. Ganz ehrlich: Es ist auch besser so. 

KATRIN KLEINSCHMIDT

Neben Katrin Kleinschmidt wagten noch drei ihrer Kollegen den Selbstversuch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zu ihren Artikeln kommen sie auf der Übersichtsseite: Redakteure wagen Pendler-Selbstversuch mit erstaunlichen Ergebnissen

Kürzlich erreichten die Proteste der Klima-Bewegung „Fridays for Future“ Schongau - der Verkehr stand still. 

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