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Regionalplan-Fortschreibung: „Wir hoffen, dass die Planung auf die Stärkung des ÖPNV abzielt“

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Von: Elke Robert

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Im Schongauer Norden kann noch gebaut werden. Im Vordergrund das Gebiet Südliches Eichenfeld, das derzeit entwickelt wird.
Im Schongauer Norden kann noch gebaut werden. Im Vordergrund das Gebiet Südliches Eichenfeld, das derzeit entwickelt wird. © Hans-Helmut Herold

Die Fortschreibung des Kapitels Siedlungsentwicklung im Regionalplan wird auch für Schongau vorbereitet. Viel Platz zu wachsen, gibt es aktuell kaum, aber Flächen mit viel Zukunftsmusik. Lösung für vielerlei Probleme: Mit Nachbarn an einem Strang ziehen und das Mittelzentrum stärken.

Schongau – „Die Möglichkeit der Flächenentwicklung ist überschaubar, es muss sich niemand Sorgen machen, dass wir über die Maße wachsen.“ Das gab Stadtbaumeister Sebastian Dietrich jüngst den Schongauer Stadträten mit auf den Weg. Für die Fortschreibung des Regionalplans möchte der Planungsverband die großen Kommunen schon im Vorfeld mit einbeziehen. Insgesamt geht es um die Planungsregion Oberland mit den vier Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Miesbach. Vier Prozent Wachstum sagen die Prognosen für die gesamte Region voraus im Zeitraum 2020 bis 2039, für den Landkreis immerhin 3,8 Prozent. Die Demografie stehe im direkten Zusammenhang mit der Siedlungsplanung, so Dietrich. Dies bedeute z.B. auf der einen Seite mehr Betreutes Wohnen, auf der anderen Seite die Frage, wie Einfamilienhäuser künftig aussehen könnten.

Region wächst stark

Die Region wächst stark, wie die Zahlen 2011 bis 2020 zeigen: Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen in Weilheim-Schongau nahmen um 21,3 Prozent zu, mehr als durchschnittlich im Planungsbereich (20,2 Prozent). Neu ist am Regionalplan, dass das Augenmerk auf die Mittel- und Oberzentren gelegt wird. „Für Schongau, gemeinsam mit Peiting bereits Mittelzentrum, ändere sich nichts, man bekomme aber eine größere Versorgungspflicht für die umliegenden Orte, so Dietrich.

Für die Stellungnahme Schongaus, in welchen Bereichen man sich bauliche Entwicklung vorstellen könnte, zog man nun die Ergebnisse des relativ frischen integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) heran. Überplant werden können im Außenbereich Schongaus für die Wohnbebauung noch Flächen in Schongau Nord. Für das Südliche Eichenfeld läuft das Verfahren, so Dietrich auf SN-Nachfrage, das Schallschutzgutachten sei in Arbeit. Weil derzeit parallel an einigen komplexe Bauleitplanverfahren, gearbeitet werden, dauere es noch.

Weitere Flächen, die gemeldet werden und auch bereits im Flächennutzungsplan festgehalten sind, liegen im Forchet und in der Lechvorstadt (Verlängerung Neubaugebiet Lechänger). Dabei handele es sich um einen weiten Blick in die Zukunft, die Flächen seien landwirtschaftlich genutzt und in Privateigentum – „das sind eher Perspektiven“, formuliert es Dietrich. Auch im Dornauer Feld gebe es noch Flächen, die nicht bebaut seien. Für Industrie und Gewerbe meldet die Stadt Bereiche im Äußeren Westen und Schongau Nord, im Industriegebiet Dießener Straße könnten noch Flächen aufgewertet werden.

„Wir hoffen, dass die Planung auf die Stärkung des ÖPNV abzielt“, fasst es der Stadtbaumeister gegenüber unserer Zeitung zusammen. Zahlen belegen, dass der Bahnhof Schongau ein gutes Einzugsgebiet an potenziellen Fahrgästen hat. Den öffentlichen Nahverkehr hatten in der Sitzung auch die Stadträte im Blick: „Den ÖPNV stärken ist das Schlagwort generell“, so Stefan Konrad (SPD), der der Meinung ist, dass auch der Stadtbus künftig mehr eingesetzt werden müsse, schließlich gehe es um eine gute Erreichbarkeit des Bahnhofs. „Aber die Busse haben eine gewisse Größe, sind vielleicht zu groß“, so seine Überlegung. Auch Friedrich Zellers Gedanken gingen in Richtung öffentlicher Nahverkehr: „Die Fuchstalbahn muss kommen, muss reaktiviert werden, das sollten wir anmerken“, so der SPD-Stadtrat.

Starkes Mittelzentrum gefordert

Bettina Buresch (Grüne) fand es gut, dass von übergeordneter Stelle versucht werde zu lenken und die Bebauung in gewisse Bahnen zu bringen, meldete aber Bedenken darüber an, ob dies auch funktioniere. „Es steht die Gewerbesteuer im Weg: So lange wird jeder Ort sein 3. Gewerbegebiet planen auf Teufel komm raus“, so ihre Befürchtung. „Es ist sicherlich notwendig, so zu denken, sonst ist dies ein Ausverkauf unserer Landschaft, aber Zweifel sind angemeldet.“ Ilona Böse hieb in die gleiche Kerbe, betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit einer starken Mittelregion: „Schongau, Altenstadt, Peiting, Hohenfurch – wir müssen uns zusammensetzen, wir hätten eine viel bessere Position auch bei Themen wie dem Krankenhaus.“ Ohne ein konkretes Beispiel anzusprechen, war auch Michael Eberle (CSU) der Meinung, dass man manche Dinge vorher abstimmen solle, „bevor man Nachbargemeinden in ihre Vorhaben hineingrätscht“. Dies solle man bei Entscheidungen immer im Kopf haben, so Eberle.

Sobald der Fortschreibungsentwurf beschlossen ist, können die Kommunen Stellung nehmen.

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