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Reinhard Nowak in seiner Werkstatt. Vor ihm seine Krippe mit den Figuren zum Anfassen. Daneben seine aalglatten Engel, die auch außerhalb der Weihnachtszeit den besonderen Charme ausstrahlen. Links im Hintergrund seine Strukturarbeiten in Holz, für die die Baumschädlinge Kupferstecher und Buchdrucker Pate standen.

Weihnachtsmarkt in Schongau

Reinhard Nowak und sein Gefühl für Holz

Die Weihnachtsmärkte haben jetzt überall Hochkonjunktur. Händler in ihren winterlich dekorierten Verkaufsbuden laden die Besucher ein. Einer von ihnen ist Reinhard Nowak, der das ganze Jahr hindurch Material sammelt und bearbeitet, um ausschließlich am Schongauer Weihnachtsmarkt seine daraus geformten Unikate anzubieten. Sein Stand eine Bereicherung, ein Besuch bei ihm lohnt sich immer.

Schongau – Reinhard Nowak aus Altenstadt ist mit seinen einzigartigen Holzarbeiten auch in diesem Jahr wieder dabei. Die quasi aus dem Rahmen fallenden Kunstwerke sind bei ihm alles Unikate. Duplikate oder gar Massenware sind für den Künstler tabu. Nowaks Werkstoff, aus dem die Träume sind, ist Holz. Holz in allen Variationen, das er auf seinen Reisen und Exkursionen mitgebracht hat. In Südtirol, der Toskana oder Kroatien wird Nowak fündig, wenn er die Teile der Natur betrachtet, an der andere achtlos vorbeigehen.

Genauso einzigartig, wie all diese Holzstämme, Äste oder Wurzeln geformt sind, so einzigartig sind die Kunstwerke, die daraus entstehen. Und Nowak versteht es, aus all diesen Teilen ein Kunstwerk zu schaffen. Er kann es. Wie sagt er so flapsig: „Kunst kommt von Können und nicht von wollen, sonst hieße es Wunst.“ Kommentar überflüssig, wenn man seine fertigen Stücke betrachtet.

Im Mittelpunkt seiner Holzarbeiten steht wieder eine seiner Krippen. Natürlich kunst- und zielgerichtet, „denn es weihnachtet sehr“. Es sind Krippen von einer ganz besonderen Aussagekraft. Figuren, bei denen das Wesentliche herausgearbeitet ist. Für Nowak müssen diese robust und in ihrer Form vereinfacht dargestellt sein. „Sie müssen so sein, dass vor allem Kinder die Figuren in die Hand nehmen können, ohne dass gleich ein Teil abbricht“, formuliert es Nowak. Er will in keinster Weise die filigranen Figuren anderer Krippenbauer schmälern, aber für ihn ist das Einfache und Wesentliche wichtiger.

Nowaks Stall ist einfach gehalten. Verwitterte Bretter sollen zeigen, dass Jesus in einem Stall und nicht in einem Prachtbau oberbayerischen Barocks geboren wurde. Maria und Josef sind aus einem Stück gefertigt und halten das Kind gleichberechtigt in den Armen. Damit will Nowak die Möglichkeit offen lassen, Maria und Josef schon vor dem Weihnachtsfest aufzustellen. Am Heiligen Abend legt man dann das Kind in die Arme. Ein Gedankenspiel, das nachdenklich macht. Ochs und Esel, ein Schäfer und zwei, drei Schafe. Aus die Maus. Mehr soll es nicht sein.

Auch auf eine bestimmte Größe legt der Künstler wert, damit die Krippe auch aus weiterer Entfernung gut zur Geltung kommt. Nowak hat seinen ganz eigenen Stil, den die Kunden an ihm so schätzen. Er will es glatt, aalglatt. „Wo der herkömmliche Schnitzer mit seiner Arbeit aufhört, fängt meine erst an“, erzählt er, während er mit Schleifpapier die feinen Rundungen eines Engels ausarbeitet. Erst mit einer groben Körnung, dann immer Blatt für Blatt feiner werdend. Erst wenn die Maserung seinen Ansprüchen entspricht, ist er zufrieden. Und Nowak setzt die Messlatte hoch. Seine Engel sind übrigens „Ganzjahresengel“, die mit ihren weit ausladenden Flügeln das Gefühl geben, besonders gut und sicher behütet zu sein. „Ein Engel soll immer ein Engel bleiben“, sagt er. Dekorativ ja, Kitsch nein!

In seiner Werkstatt kann man ihm über die Schulter schauen. Nowak hat nichts zu verbergen. Alles, was er herstellt, ist von Hand gestaltet. Erst sägt er aus den dem dicken Holzstück den Rohling aus, den er dann mit Bildhauereisen und Raspel bearbeitet und in Form bringt. Am Ende wird mit der Hand geschliffen. Wie gesagt – aalglatt. Das bezieht sich nicht nur auf die Engel und Krippenfiguren, seine Naturbilder mit Strukturen sind ebenfalls in langer Stundenarbeit entstanden.

Holzschädlingeliefern die Idee

So kurios es klingt, ist es auch: Zwei absolute Holzschädlinge haben ihn dabei auf die Idee gebracht. Beim Entfernen der Rinde von einem Stamm sah er das Schädlingsbild von Kupferstecher und Buchdrucker. Das hat ihn so fasziniert, dass er diese Struktur in übergroßer Version aus Holzplatten herausgearbeitet hat. Neugierig geworden? Dann auf zum Schongauer Weihnachtsmarkt!

Von Hans-Helmut Herold

Geöffnet

ist der Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz vom 7. bis 22. Dezember samstags und sonntags von 14 bis 21 Uhr, sowie Montag bis Freitag von 16 bis 21 Uhr.

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