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Wüste, Steppe, Hochgebirge – und große Einsamkeit: der Westen der Mongolei.

Reisereportage der früheren SN-Volontärin Franziska Bär

Zu zweit allein und näher denn je in der Mongolei

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„Nicht untergehen, nicht versumpfen, immer weiter laufen.“ Ihren ureigensten Ängsten muss Franziska Bär sich auf ihrer Wanderung durch die Mongolei stellen. Und erfährt grenzenlose Liebe. Die Reisereportage der Schongauerin (24), ehemalige SN-Volontärin, wurde ausgewählt und in den dritten Band von The Travel Episodes, Malik National Geographic, aufgenommen.

Schongau – „Es macht mich total glücklich, ich habe das Gefühl, als hätte ich noch nie etwas anderes gewollt.“ Als Franziska Bär an einem Freitagabend Anfang Juli zufällig online über die Anzeige eines Autorenwettbewerbs stolpert, ist ihr klar, dass sie mitmachen muss. Die ersten 1000 Zeichen sind rasch geschrieben, dann hat sie erst wieder am Sonntag Zeit. Abgabetermin: in wenigen Stunden. Nur ihr Lebensgefährte fliegt noch rasch über den Text, mehr Zeit bleibt nicht. Zwei Wochen später kommt die Nachricht: Ihre Reportage ist auf der Shortlist der zehn besten Einsendungen. Eine Woche später zählt sie mit drei weiteren Autorinnen zu den Gewinnern.

Ausgezeichnet im Autorenwettbewerb: Franziska Bär

Vielleicht hat ihr Text auch deshalb die Jury beeindruckt und angerührt, weil die 24-Jährige an diesem Sonntagnachmittag mehr von ihrer Reise verarbeitet hat, als die ganzen zwei Jahre zuvor. „Und ich konnte mich auch nicht ablenken lassen, ich hatte ja nur dieses eine Zeitfenster.“ Aufgewachsen in Schongau, absolviert Franziska nach dem Abitur ein Jahrespraktikum und das Volontariat bei den Schongauer Nachrichten.

Im Anschluss zieht essie nach München, wo sie für den Mantelteil des Münchner Merkur schreibt und freiberuflich als Journalistin tätig ist. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Felix Consolati traf sie dann die Entscheidung, auf unbestimmte Zeit auszusteigen, auszubrechen. Im August 2015 zogen sie los, um dem Alltag zu entfliehen, gesellschaftliche Zwänge hinter sich zu lassen. Auf große Weltreise sollte es gehen – ohne Rückflugticket, ohne konkretes Datum für die Heimkehr.

Als Ausgangsort für die große Wanderung wählt das Paar, damals 22 und 30 Jahre alt, die Mongolei. Mehr als vier Mal so groß wie Deutschland, aber nur knapp drei Millionen Einwohner – ideal, um erst einmal Abstand zu gewinnen und sich zu besinnen.

Inmitten eines wilden Gletscherflusses irgendwo in einem kleinen Tal im Westen der Mongolei, droht es dann Franziska wegzureißen. Und zwar nicht nur ihren Körper, sondern ihr Innerstes, ihre Seele, ihr ganzes Leben. Inmitten der eiskalten Fluten kann sie keinen Schritt mehr vor, nicht zurück, keinen klaren Gedanken mehr fassen, die Angst ist so übermächtig, dass sie darin unterzugehen droht.

Statt das Herz mit unendlicher Freiheit und Schwerelosigkeit zu füllen, türmen sich Weite und Menschenleere der Mongolei plötzlich zu einer unüberwindbaren Einsamkeit auf, zu schier nicht mehr erklimmbaren Angstbergen.

„Geh!…sofort!…weiter! Geh!…sofort!…weiter!“ Die Rettungsleine wirft Felix. „Mein Weg- und Reisegefährte, mein Partner in allen Zeiten, der nicht nur in der Mongolei von Tag zu Tag mehr zu meinem Held wird“, schreibt Franziska im Text. Zu zweit allein durch Wüste, Steppe und Hochgebirge. Es ist auch eine Geschichte von Nähe und grenzenlosem Vertrauen. Dabei hatten sie vor der Reise beide ein mulmiges Gefühl. Obwohl damals schon zwei Jahre zusammen, wussten sie nicht, was da kommen würde, was passiert, wenn es nicht klappt.

Rare Begegnungen mit den Mongolen: Felix Consolati.

Zwar hatten sie alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen – „von Schmerztabletten, die so stark sind, dass man sich hätte einen Fuß amputieren können, bis hin zu Spritzen“ –, aber 24 Stunden am Tag zusammensein, wenn das Auge bis zum Horizont nichts und niemanden sonst erblicken kann, muss man erst erproben. Die beiden hat es zusammengeschweißt. „Nach den ersten Tagen waren wir uns näher denn je“, sagt Franziska heute. „Wir haben uns noch nie so sehr zu schätzen gewusst, wie wir es seitdem tun.“

Und natürlich ist es eine Geschichte über die Begegnung. Die Berührung mit der völlig fremden Welt der Mongolen. Eine gemeinsame Sprache, in der man kommunizieren könnte, gibt es in der mongolischen Steppe nicht. Die jungen Wanderer verständigen sich mit Gesten und Handzeichen, einem Ohne-Worte-Buch. Und mit in Staub gemalten Zahlen.

„Gekritzel im Sand gegen die große Einsamkeit“ ist dann auch der Titel der Reisereportage, die am 1. Dezember im dritten Band von The Travel Episodes, Malik National Geographic, erscheint. Aber alles ist noch längst nicht erzählt, davon ist die Autorin überzeugt. Zehn Monate waren Franziska Bär und Felix Consolati am Ende unterwegs, nach der Mongolei folgten Australien und Neuseeland, dann ging es über Japan und die Philippinen zurück. Genug Stoff für weitere Geschichten.

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