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Sie haben sich auf Anhieb gut verstanden: Die Zweitklässler Lukas (li.) und Thomas Wenzel mit ihrem Hausaufgabenhelfer Magnus Schweiger.

Religionsprojekt an der Realschule

Anderen zu helfen macht richtig Spaß

Nächstenliebe und humanitäres Handeln kann nicht theoretisch vermittelt werden. Dafür müsse man selbst was machen, ist sich der Leiter der Pfaffenwinkel-Realschule, Armin Eder, sicher. Er realisierte aus dieser Überzeugung heraus ein bemerkenswertes Schulprojekt.

Schongau – „Die Schüler sitzen im Unterricht, schreiben den Stoff von der Tafel ab und nicken brav“, aber um zu verstehen, was Nächstenliebe und humanes Handeln wirklich bedeuten, „dafür muss man selbst was machen“, ist Realschulleiter Armin Eder überzeugt. Schon lange wollte er ein Ethik- und Religionsprojekt auf die Beine stellen, bei dem sich Jugendliche mit genau dieser Thematik aktiv auseinandersetzen – in diesem Schuljahr hat es nun endlich geklappt. In Abstimmung mit dem zuständigen Ministerialbeauftragten konnte ein für eine staatliche Schule bisher einzigartiges Projekt in die Tat umgesetzt werden.

Nachdem der rechtliche Rahmen geklärt war, „suchten sich alle Schüler der neunten Klassen eine Tätigkeit, bei der sie anderen Menschen helfen“, erklärt der Realschulleiter. So konnten sich Altenheime und Kindergärten über zusätzliche helfende Hände freuen. Andere engagierten sich beispielsweise bei einer Päckchensammelaktion, den Ministranten oder besuchten einfach ältere Menschen in ihrem direkten Umfeld.

Hoch im Kurs bei den Realschülern stand auch der Dienst als Hausaufgabenhilfe. „Die Buben freuen sich immer, wenn der Magnus kommt“, schmunzelt Andrea Wenzel. Sie, ihr Ehemann und die vier Jungen sind erst vor Kurzem nach Bernbeuren gezogen. Kontakt mit Magnus Schweiger, der aus der Nachbarschaft kommt, stellte der Bürgerservice am Lech her. Er macht aber nicht nur Hausaufgaben mit den Zwillingen Lukas und Thomas, er geht auch mit ihnen Schlittenfahren, spielt und passt auf sie auf und entlastet so die Eltern. Thomas und Lukas haben nämlich noch zwei kleinere Brüder, die die Eltern auf Trab halten. „Anderen zu helfen macht richtig Spaß“, so das Fazit von Magnus. Mit den beiden Zwillingen, die ihren Hausaufgabenhelfer sehr schätzen, ist der Neuntklässler sofort auf einer Wellenlänge gewesen.

„Ich bin stolz auf unsere Schüler“, verrät Eder, während er Magnus und Familie Wenzel in Bernbeuren besucht. Dass hinter so einem Projekt, das alle 171 Schüler der neunten Jahrgangsstufe betrifft, ein Haufen Organisation steckt, liegt auf der Hand. „Wir haben den Unterricht sozusagen ausgelagert“, erklärt der Schulleiter. Statt Religion- und Ethikstunden in der Schule bekamen die Schüler an einem Tag pro Woche die fünfte und sechste oder an zwei Tagen pro Woche jeweils die sechste Stunde frei. Dafür hieß es zwei mal 45 Minuten die Woche anderen helfen.

Gute fünf Wochen dauerte der Versuch. Schüler und Schulleiter waren äußerst zufrieden. Gemeinsam sollen jetzt Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden, „sodass wir das Projekt im nächsten Jahr vielleicht noch ausweiten können“, hofft Armin Eder.

Zum Abschluss des Ethik und Religionsprojektes werden nun alle Schüler ein Tagebuch mit ihren Erfahrungen bei ihren Lehrern einreichen und einen Vortrag über ihre Tätigkeit halten. „Damit auch alle was davon haben und eine Note gebildet werden kann“, erklärt der Schulleiter abschließend.

Franziskus Reich

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