Ominöse Vorwürfe

Rentner hilft Frau mit Einkäufen - und landet wegen sexueller Belästigung vor Gericht

Ein Schongauer (69) hilft einer 45-jährigen Verkäuferin mit ihren Supermarkt-Einkäufen. Wenig später findet er sich vor Gericht wieder - wegen sexueller Belästigung. Die Hintergründe:

Weilheim/Schongau – Der Vorwurf gegen den Schongauer Rentner wog schwer. Er soll im Juli letzten Jahres in der Wohnung einer 45-jährigen Verkäuferin aus Schongau zudringlich geworden zu sein. Er soll sie dreimal geküsst haben und auch körperlich zudringlich geworden sein, indem er sie umarmt und sich an sie gepresst haben soll. Der Mann bestritt vor Gericht nachdrücklich diese Beschuldigungen.

Den Kontakt zu der Frau hatte seine Ehefrau ein paar Wochen vor dem angeblichen Vorfall hergestellt. Die Verkäuferin kam damals mit vollen Taschen bepackt am neu gekauften Haus des Schongauer Ehepaares vorbei. „Ich habe sie spontan gefragt, ob sie Hilfe bei ihren Einkäufen benötigen würde“, sagte die 68-Jährige aus.

Ihr Ehemann sei zunächst von der Aufgabe nicht so begeistert gewesen, so die Ehefrau. Aber da er sehr hilfsbereit sei, habe er sich bereit erklärt, ab und zu die Frau zum Einkaufen zu fahren und ihr die Sachen in die Wohnung zu tragen.

Beim dritten Einkauf soll es passiert sein

Beim dritten Einkauf erklärte der Angeklagte der Frau, dass er in der nächsten Zeit weniger Zeit haben würde, da in den Schulferien seine Enkel zu Besuch da seien und er mit ihnen beschäftigt sein würde. „Sie war deshalb ziemlich verärgert“, erklärte er. An diesem Tag soll es dann laut Anklage zu der angeblichen sexuellen Belästigung gekommen sein.

Nach dem Vorfall brach der Kontakt ab. Die Ehefrau des Angeklagten sah die Frau jedoch noch einmal auf der Straße und sprach sie an, was denn eigentlich los sei. „Sie sagte nur, dass sie mit uns nichts mehr zu tun haben will“, erklärte die Ehefrau. Sie sagte auch aus, dass Anwohner sie schon vor dem auffälligen Verhalten der Frau gewarnt hätten.

Die Verkäuferin, die sich vor Gericht selbst als geistig zurückgeblieben bezeichnete, schilderte das Geschehen detailliert und brach immer wieder in Tränen aus. Ihr Anwalt unterbrach daraufhin die Sitzung, damit sich die Verkäuferin wieder erholen konnte.

Glaubwürdigkeit in Frage gestellt

Da die Glaubwürdigkeit der Frau in Frage gestellt wurde, regte der Staatsanwalt in Absprache mit der Vorsitzenden Richterin Karin Beuting ein psychiatrisches Gutachten an, das überprüfen soll, in wieweit die Frau die Wahrheit sagt.

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim wird fortgesetzt, sobald das Gutachten vorliegt.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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