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Leonhard Scharl auf einem Ölgemälde im Depot des Stadtmuseums. 

Benefizkonzert

Der Retter von Schongaus Kloster und Kirche

Für die Restaurierung des Epitaphs des ehemaligen Stadtpfarrers Leonhard Scharl richtete der Förderverein der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt am kommenden Samstag ein Benefizkonzert aus. Doch wer war dieser Leonhard Scharl?

Schongau – Geboren 1769 in Littenschwang bei Amberg als Sohn vermögender Gutsbesitzer, wurde Leonhard Scharl 1792 in Regensburg zum Priester geweiht. Er verbrachte einige Kaplansjahre in irgendwelchen Dörfern und wurde 1797 an die Landesuniversität nach Ingolstadt geholt, wo er die Dozentenberechtigung (Lizentiat) erwarb und Studenten betreute. Da die dem Landesherrn gehörige Stadt Schongau seit ihrem Beitrag zur Errichtung der Landesuniversität im 15. Jahrhundert das Recht besaß, einen Universitätsdozenten als Stadtpfarrer zu erhalten, wurde die Bewerbung von Scharl 1801 angenommen.

Das war in schwierigsten Zeiten, die Stadt war finanziell am Ende und durchs österreichische und französische Besatzungsregime total ausgebeutet, die Bevölkerung völlig demoralisiert. Ein typisches Sonntagnachmittags-Spiel unter Bürgersöhnen war das Komasaufen: Wer kann als Schnellster einen Liter Branntwein hinter die Gurgel bringen? Der Bäckerssohn Mathias Hörmann (Zachenbeck im heutigen Künstlerhaus) fiel nach der Ex-Mass bewusstlos von Stuhl und tatsächlich ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte.

Die Franzosen plünderten und erpressten die Stadt, und was sie daließen, liest sich im Geburtsmatrikel der Pfarrkirche folgendermaßen: Maria Crescentia Prachtin, vidente opressa a Milito Gallico … vergewaltigt durch einen französischen Soldaten, Name und Herkunft unbekannt. Wie will da jemand Seelsorge betreiben? Das Karmeliterkloster stand vor der Auflösung, die Klosterkirche diente den Besatzern als Pferdestall und Heulager.

Stadtpfarrer Scharl behielt Umsicht und bewies Stärke und Überzeugungskraft

Als Distrikts-Schulinspektor hielt er die Schulen intakt, gegen den kurfürstlichen Rat in München bewahrte er das Karmeliterkloster und die heutige Heiliggeist-Kirche vor dem Abriss und rettete deren wertvollste Einrichtung (Altäre, Kanzel, Orgel usw.) vor der Versteigerung durch den Staat. Es gelang ihm das Kunststück, die Stadt zum Kauf von Kloster und Kirche zu überreden, die dann eine Renovierung vornahm und anschließend die Neuweihe und Wiedereröffnung des Gotteshauses erreichte. Das ging trotz Säkularisation in München durch, weil Scharl drei Schongauer Kapellen dem Staat opferte (Dreifaltigkeitskapelle beim Siechenhaus, Magdalenenkapelle und Michaelskapelle/Friedhofskirchlein vor der Stadtpfarrkirche). Immer, wenn im Klosterhof oder der Heiliggeistkirche ein Ereignis stattfindet, soll man wissen: Ohne Leonhard Scharl würde heute nichts mehr von Altenheim, Kirche und Hof stehen.

Im Jahre 1837, also vor 180 Jahren, verstarb dieser um die Stadt Schongau hochverdiente Mann. Die Stadt errichtete ihm an der äußeren Südseite der Stadtpfarrkirche ein derzeit leider sehr heruntergekommenes, steinernes Grabmal, das nunmehr mit Hilfe des Fördervereins Stadtpfarrkirche und der Stadt renoviert werden soll. Auf ihm steht: „Dem 36 Jahre eifrigsten Seelenhirten, um Kirche und Schule hochverdienten Manne, dem wärmsten Bürgerfreunde, weisen Rathgeber und väterlichen Wohlthäter.“

Das Konzert 

findet am Samstag, 8. Juli, um 19.30 Uhr in Mariae Himmelfahrt statt. Unter anderem treten der Bergsteigerchor und das Blechbläserensemble der Stadtkapelle auf. Der Eintritt ist frei.

Helmut Schmidbauer

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