Die marode Rutsche des Plantsch in Schongau.
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Die marode Rutsche soll im kommenden Jahr erneuert werden, dafür sind Fördergelder bereits zugesagt. Wann das Bad aber wieder öffnen kann, ist derzeit völlig unklar.

Lage ist prekär

Minus um 550.000 Euro höher als im Vorjahr: Plantsch in Schongau fährt gewaltiges Defizit ein

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Das Schongauer Plantsch rutscht immer weiter in die roten Zahlen. Das Jahresdefizit für 2020 liegt voraussichtlich bei 1,5 Millionen Euro, rund 550 000 mehr als im Vorjahr. Die Mitarbeiter sind weiter in Kurzarbeit. Die Lage ist prekär, die Infektionszahlen bleiben der Gradmesser. Wann das Schwimmbad wieder öffnen kann, ist derzeit völlig unklar.

  • Seit 1. November ist das Schongauer Plantsch geschlossen
  • Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, ist noch völlig unklar
  • Klar ist aber, dass das Bad 2020 ein gewaltiges Defizit einfährt

Schongau – Auch für das Plantsch Schongau ist in diesem Pandemie-Jahr alles anders gelaufen als geplant. Corona stellte und stellt Bad-Chef Andreas Kosian und seine Mitarbeiter vor gewaltige Herausforderungen. Nachdem seit dem 1. November wieder geschlossen ist, bedeutet dies auch weiterhin Kurzarbeit.

Stadt stockt Kurzarbeitergeld auf bis zu 95 Prozent auf

Wie in der jüngsten Stadtratssitzung beschlossen wurde, stockt die Stadt das Kurzarbeitergeld für November und Dezember auf bis zu 95 Prozent der Netto-Lohnlücke auf. Monatlich macht dies maximal 10 400 Euro aus. „Allerdings ist auch die Situation der Stadt nicht so rosig, wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben“, schränkte Bürgermeister Falk Sluyterman ein. Deshalb behält sich die Stadt auch vor, weitere Zuzahlung notfalls zu streichen.

Niedriger sechsstelliger Betrag wird aus der Novemberhilfe erwartet

Beim Blick auf das voraussichtliche Gesamtdefizit dieses Jahres ist die Aufstockung des Kurzarbeitergelds allerdings ein schon fast vernachlässigbar kleiner Posten. Im aktualisierten Wirtschaftsplan des Jahres steht ein voraussichtliches Defizit von 1,5 Millionen Euro. Damit liegt das Defizit nochmals um mehr als 320 000 Euro höher, als man im April angenommen hatte. Zieht man das Jahresdefizit von 2019 zum Vergleich heran, wird das ganze Desaster deutlich: Das Plantsch schreibt insgesamt 550 000 Euro mehr Defizit. Im vergangenen Jahr lag das Minus des Kommunalunternehmens, das die Stadt tragen muss, bei knapp 950 000 Euro. Einen niedrigen sechsstelligen Betrag erwartet man aus der Novemberhilfe.

Verlauf der Pandemie sprengt sämtliche Prognosen

„Bis Oktober hätten wir den Wirtschaftsplan halten können, wenn das Weihnachtsgeschäft läuft“, so Kosian. Der weitere Verlauf der Pandemie nimmt darauf leider keine Rücksicht und sprengt sämtliche Prognosen. „Seit der erneuten Schließung haben Kämmerer Hefele und ich uns öfter gesprochen als unsere Frauen.“ Nie und nimmer habe er sich vorstellen können, bis Ende Dezember nicht mehr aufmachen zu können.

Wann das Bad wieder aufsperrt, weiß niemand

Und wie geht es weiter? Ein mögliches Ende des offiziellen Lockdowns am 11. Januar heißt für das Schongauer Bad noch lange nicht, dass wieder geöffnet werden kann. „Der Badbereich braucht mindestens 14 Tage Vorlaufzeit“, so Kosian. Einen konkreten Zeitpunkt, wann man wieder Wasser in die Schwimmbecken lässt, kann er derzeit aber nicht nennen. Weniger Besucher, dafür aber Mehraufwendungen durch die Hygieneauflagen würden den Verlust im Vergleich zu normalen Betriebszeiten deutlich vergrößern, weshalb die Entscheidung zur Betriebsaufnahme gewissenhaft überprüft werden müsse.

Sauna und Gastronomie könnten schneller wieder in Betrieb gehen

Anders sieht es für das Saunaland und die Gastronomie aus. Für eine Öffnung würde nur eine Vorlaufzeit von vier Tagen benötigt. „Und beide Geschäftsbereiche können auch unter den bisherigen Coronaauflagen kostendeckend arbeiten, weshalb einer möglichst schnellen Öffnung auch aus wirtschaftlicher Sicht nichts entgegensteht“, so Kosian. Sofern die Sauna früher öffnen würde als der Badebetrieb, könnten die Flächen der Badewelt dem Saunabetrieb zugeschlagen werden, um die Anzahl der Ruheliegen deutlich erhöhen und die Mindestabstände weiter entzerren zu können.

Aussichten für das kommende Jahr sind alles andere als positiv

Die Aussichten für das kommende Jahr sind alles andere als positiv, zumal auch der städtische Haushalt auf äußerst wackeligen Beinen steht. Droht deshalb vielleicht eine längere Zwangspause für das Bad? „Die Lage erfordert es, alle Möglichkeiten ohne Denkverbote zu analysieren und kurzfristig zu entscheiden“, so Kosian. „Explodiert das Defizit durch den Betrieb des Schwimmbadbereichs in einem Maß, der die finanziellen Möglichkeiten der Stadt langfristig zu sehr belastet, ist eine schnellstmögliche Betriebsaufnahme möglicherweise kaum verantwortbar.“ Im Verwaltungsrat habe man sich darauf verständigt, spätestens im Februar die Situation neu zu bewerten. „Die Voll- und Teilzeitkräfte könnten durch den Betrieb von Saunaland und Gastronomie in einem Umfang beschäftigt werden, der keine Entlassungen erfordert“, so Kosian. Die Aushilfskräfte jedoch könnten erst wieder eingesetzt werden, wenn der Badebetrieb startet.

Gutscheine sind weiter online erhältlich

Mit Beginn des Lockdowns mussten auch die Pläne des Plantsch Schongau gestrichen werden, verkaufsoffene Tage für Gutscheine und Schwimmzubehör anzubieten. Die Gutscheine sind aber weiterhin online unter www.plantsch.de erhältlich.

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