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Auch das Ausland kann für Studenten interessant sein, meint Karikaturist Hubert Pfeffer.

Numerus Clausus-Problem

Medizinstudium: Rumänien statt Warten

Das bisherige Auswahlverfahren zum Medizinstudium ist teilweise verfassungswidrig. Zu diesem Schluss kam das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Mitte Dezember. Deshalb muss die Studienplatzvergabe bis Ende 2019 neu geregelt werden. Was sagen Medizinstudenten aus dem Schongauer Land dazu?

Weilheim-Schongau – Laut Bundesverfassungsgericht verletzt die Medizinstudienplatzvergabe über den Numerus Clausus (NC) die Chancengleichheit der Bewerber und ist deshalb in einigen Bereichen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Bis Ende 2019 müssen darum einige Änderungen bei der Studienplatzvergabe vorgenommen werden. Mit dieser Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht den NC zwar nicht abgeschafft, aber dennoch deutlich abgeschwächt.

Moritz Riedl aus Schongau studiert seit fünfeinhalb Jahren Medizin in Regensburg. Den Studienplatz hat er gleich nach dem Abitur erhalten. Prinzipiell findet er den NC für Medizin und einige andere Studiengänge schon sinnvoll, „allerdings gibt es dabei auch viele Nachteile, die das Gerichtsurteil jetzt auch als gesetzeswidrig festgestellt hat“. Dazu zählt für Riedl vor allem, dass die Abiturnoten der Bundesländer nicht vergleichbar sind: „Das Abitur ist Ländersache und deshalb auch unterschiedlich schwer. Die Studienplatzvergabe über den NC ist daher kaum gerecht zu machen.“

Zu diesem Schluss kam auch das Bundesverfassungsgericht. Die Universitäten müssen zukünftig einen Ausgleichsmechanismus schaffen, um die Noten der verschiedenen Bundesländer vergleichbar zu machen. Außerdem muss mindestens ein weiteres, von der Note unabhängiges Auswahlkriterium verpflichtend zum Teil der Studienplatzvergabe gemacht werden.

Riedl kritisiert am jetzigen Vergabesystem, dass die Auswahlverfahren oft undurchsichtig seien. So würde jede Universität andere Kriterien heranziehen, die für den Bewerber allerdings nicht erkennbar sind. Als Beispiel führt Riedl auf, dass einige Hochschulen Studienplätze nur an Personen vergeben, die diese bei der zentralen Bewerbung über Hochschulstart als erste Wunschuniversität gelistet haben. Dieses Vorgehen findet Riedl problematisch. Auch das Bundesverfassungsgericht hat beschlossen, dass die Ortswahl zukünftig nicht mehr allein als Ausschlussgrund herangezogen werden darf. Dass die Auswahlverfahren der Hochschulen nun einheitlicher und übersichtlicher werden, befürwortet Riedl. Das Gerichtsurteil sieht er deshalb positiv.

Julian Kleinknecht aus Huttenried studiert seit 2012 ebenfalls Medizin – allerdings auf Englisch und in Rumänien. „Eine super Entscheidung“, findet er. In Deutschland hatte er aufgrund des NC keinen Studienplatz erhalten. Fünf Jahre hätte er voraussichtlich auf das Medizinstudium warten müssen. Um dem zu entgehen, bewarb er sich im Ausland.

Offiziell werden in Deutschland zwar nur 20 Prozent der Medizinstudienplätze an die Abiturbesten vergeben, da die Universitäten aber einen Großteil der Studienplätze über eigene Auswahlverfahren vergeben dürfen, würden sie oft auch hier den Notendurchschnitt heranziehen. Bewerber, die keinen sehr guten Einserschnitt haben, hätten so kaum eine Chance, einen der begehrten Studienplätze zu bekommen, kritisiert Kleinknecht.

Das österreichische System, bei dem alle Bewerber, egal welche Abschlussnote sie haben, einen Aufnahmetest machen müssen, findet Kleinknecht besser. Auch für den Studienplatz in Rumänien musste er einen Einstufungstest machen. So könne eine Chancengleichheit besser sichergestellt werden, meint Kleinknecht.

Zwar müsse er in Rumänien Studiengebühren zahlen, allerdings gefalle ihm das Studium dort sehr gut, weshalb er auch nachträglich nicht mehr nach Deutschland gewechselt hat. Allerdings kann sich nicht jeder ein oft teures Studium im Ausland leisten. Kleinknecht findet es sehr schade, dass potenzielle Medizinstudenten durch die strengen Auswahlverfahren und die geringe Studienplatzanzahl in Deutschland am Studium gehindert würden, obwohl es einen Ärztemangel gebe. „Gerade Deutschland hätte die finanziellen Möglichkeiten und Kapazitäten, mehr Medizinstudienplätze anzubieten und sollte das auch tun“, so Kleinknecht.

Elena Siegl

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