Auf Heilfasten wird Thomas Mark (im Bild mit PTA Debora Ultes) eher selten angesprochen.

Das sagen Schongauer Apotheker

Gesund ernähren statt fasten

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Viele Menschen verzichten während der Fastenzeit auf lieb gewonnene Sünden, andere nutzen die Zeit auch sprichwörtlich dazu, ein paar überflüssige Pfunde loszuwerden, beginnen ein Heilfasten. „Finger weg von Nulldiät“ und „runter vom Sofa“ raten Schongauer Apotheker.

Schongau – Grundsätzlich gilt: „Gesundes Fasten bedeutet nicht Abnehmen auf dem Sofa – nur über die Essenskontrolle funktioniert es nicht, man sollte immer die Bewegung in den Alltag mit einbauen.“ Dies muss Klaus Flitsch, Inhaber von Marien- und Kreuz-Apotheke in Schongau, seinen Kunden heute aber gar nicht mehr im Detail erklären. Im Gegenteil: Die Aufklärungsprogramme zum gesunden Abnehmen der vergangenen Jahre hätten gut gegriffen, die Bürger seien bestens informiert. 

Wer zu Flitsch mit dem Wunsch kommt, Gewicht zu reduzieren, solle dies in ein individuelles Gesamtkonzept einbinden, eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung. Wer den Weihnachtsspeck loswerden möchte, umgeht am besten die Insulin-Ausschüttung durch die Vermeidung schnell verdaulicher Kohlehydrate wie Zucker und Weißbrot und versucht, über mehrere Stunden am Stück ohne jegliche Nahrungsaufnahme auszukommen.

Lieber etwas Gutes kochen: Rezeptbücher verkauft Klaus Flitsch lieber, als Nahrungsergänzungsmittel.

Flitsch: „Dafür benötige ich aber keine Fremdprodukte.“ Zwar fänden manche Menschen über Nahrungsergänzungsmittel einen leichteren Einstieg. Grundsätzlich dürfe Abnehmen aber nichts mit dauerhaftem Verzicht zu tun haben, sondern mit gesunder und schmackhafter Ernährung. Daher empfiehlt Flitsch lieber ein gutes Kochbuch – einige schöne Exemplare hat er vorrätig. Ebenfalls nicht neu, aber man müsse es sich immer wieder vor Augen führen: „Die größten Feinde sind zuckerhaltige Getränke und Fertiggerichte.“

Auf Heilfasten ist Thomas Mark, Inhaber der Brunnen-Apotheke Schongau und der St.-Anna-Apotheke in Burggen, in den vergangenen Jahren eher selten angesprochen worden. „Viele fragen eher nach Ausleitungsmöglichkeiten von Giftstoffen“, fasst Mark zusammen, etwa nach der Einnahme eines Antibiotikums. Hierfür gebe es mehrere Präparate, Bitter- oder Glaubersalz werde heute oft mit wesentlich verträglicheren Fertigpräparaten ersetzt. „Sie sind nicht nur bekömmlicher, sie schmecken auch besser“, so Mark. Magnesium-Sulfat zum Abführen könne zu Beginn des Heilfastens genommen werden.

Grundsätzlich sollten alle Organe ausgeleitet werden, Leber, Niere, Lymphe, Darm müssten aktiviert werden. Dies geht aber nicht so schnell. „Wer bewusst Giftstoffe ausscheiden will, muss erst zwei Organe aktivieren, dann mit Abstand einer Woche die nächsten. Erst dann würden dem Gewebe die sogenannten Schlacken entzogen. Nach diesen Entschlackungsmitteln werde das ganze Jahr über nachgefragt, vermehrt aber tatsächlich zur Fastenzeit und in der ersten Jahreshälfte. Zeitgleich empfiehlt Mark, nach dem Entschlacken auch etwas für die Darmsanierung zu tun. „Die Darmflora arbeite um so besser, desto brauchbarere, positivere Bakterien dort zu finden sind.“ Denn leider könne man nicht feststellen, welche Bakterien im Darm fehlen.

Statt radikalem Fasten sollte eine gesunde Bescheidenheit in die Küche einziehen: Marianne Porsche-Rohrer.

Vom Entschlacken hält Marianne Porsche-Rohrer nichts. „Und eine Null-Diät ist zum Abnehmen gar nicht geeignet“, warnt die Apothekerin und Heilpraktikerin. Nicht nur, dass der Körper in ein Notprogramm schalte. Bereits nach mehreren Tagen könne auch Muskelgewebe abgebaut, etwa der Herzmuskel angegriffen werden. „Statt radikalem Fasten sollten wir eher Bescheidenheit an den Tag legen“, weist die Schongauerin in eine ganz andere Richtung.

Mal abgesehen vom Verzicht auf die täglichen Dickmacher wie Schokolade, Torte oder Fruchtriegel – wer das Gefühl habe, zu viele Kalorien seien Schuld am fehlenden Wohlbefinden, solle umstellen auf fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Je eine Handvoll, mehr Obst als Gemüse. Wer dauerhaft abnehmen wolle, sollte es aber langsam angehen. 500 Gramm bis maximal ein Kilo Körpergewicht pro Woche. „Wer das schafft, ist schon tüchtig.“ Und brauche vor allem Disziplin. Zu einer gesunden Ernährung gehöre aber natürlich mehr: Kohlenhydrathaltige Lebensmittel sparsam genießen, aber nicht ganz eliminieren. Mal ein Ei, mageres Fleisch, etwas Käse, eisenhaltige Lebensmittel. „Das sollte nicht als Diät angesehen werden, sondern zum Lebensprinzip werden“, so der Wunsch Porsche-Rohrers.

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