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Eine Liebe über Faschingsclub-Grenzen hinweg: Sarah Linder ist Trainerin der Schongauer Mini-Garde, ihr Mann Johannes ist Präsident des Hohenfurcher Faschingsclubs. Ihr ganzer Stolz ist Söhnchen Simon. 

Sarah und Johannes Linder

Faschings-Liebe ohne Grenzen

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Wie bitte? Der Hohenfurcher Faschings-Präsident hat die neue Trainerin der Schongauer Mini-Garde geheiratet? Ja, geht‘s noch? Ja. Geht ganz gut. Sogar unfassbar gut. Die Hintergründe zur außergewöhnlichen Konstellation lesen Sie im Porträt über Sarah Linder – eine außergewöhnliche Frau.

Schongau/Hohenfurch – „Hacke spitze, Hacke spitze, Hacke spitze – zammat.“ Schnell ist klar, wer hier das liebevolle Garde-Regiment führt. Es ist eine waschechte Bayerin, geboren in Prien am Chiemsee. Die Mini-Garde hat sie mit der Muttermilch aufgesogen. Und jetzt ist sie einfach da. Immer. Für alle: Sarah Linder.

Dunkle Haare, meistens zum Zopf gebunden, dunkle Augen, blitzend-weiße Zähne, zierlich-sportlich, dynamisch – und dabei immer ein herzliches, liebes und auch mitfühlendes Wort: Eine Bessere hätte die Schongauer Faschingsgesellschaft für die neuen Minis, die in diesem Jahr so ganz ohne Garde-Erfahrung zum ersten Mal an den Start gehen, kaum finden können.

Aus einem Haufen hopsender Erstklässlerinnen hat die 27-Jährige binnen weniger Monate eine recht ordentliche Minigarde geformt. Das klingt jetzt ganz entspannt. Gemessen daran, dass schon seit Juni trainiert wird – manchmal zweimal in der Woche – kein leichter Job. Zumal die Grippe-Welle auch bei den Minis gewütet hat. „Wir hatten gerademal fünf Trainings, bei denen alle 14 da waren“, sagt Linder.

Zwischen Tränen der Verzweiflung mittendrin und Tränen der Rührung bei der Premiere beim Inthroball in Schongau, gab es diverse Gefühlsschwankungen bei Sarah Linder. Und am Schluss die Erkenntnis: „Das war meine Chance. Und ich habe alles richtig gemacht. Ich bereue keine Sekunde.“ Sekunden sind es oft übrigens auch, die zählen, wenn sich Sarah und ihr frischgebackener Ehemann Johannes Linder, im Fasching die Türklinke in die Hand geben: Sie, die Schongauer Mini-Trainerin und zugleich Mutter – Sohn Simon ist im Januar gerade mal ein Jahr alt geworden. Und er, der Hohenfurcher Faschings-Präsident und Papa. Klingt stressig – und ist auf jeden Fall sicherlich außergewöhnlich. Wie kommt es zu dieser Konstellation?

Eine folgenreiche Faschings-Liebe: Wir schreiben das Jahr 2016. Sarah – damals noch eine „Forster“ – ist Hofdame von Prinzessin Denise Fichtl. Johannes Linder ist der neue Hohenfurcher Faschings-Präsident. Es wird geflirtet und gefeiert. Daraus wird eine große Liebe, die im vergangenen Dezember im Standesamt von Hohenfurch offiziell besiegelt wurde. Mit dabei: Blondschopf Simon. Das erste gemeinsame Kind. Ein Sonnenschein.

Wer jetzt an ein Faschings-Märchen denkt, der wird sich freuen zu hören: Irgendwie ist das bei Sarah Linder alles märchenhaft. Die Mutter, die mit ihrer Sarah – damals im Kindesalter – von Prien am Chiemsee nach Steingaden zog, war zuvor selbst Trainerin der Mini-Garde in Prien. Sarah somit nicht nur seit ihrem fünften Lebensjahr Garde-Mädchen, sondern sogar Mini-Prinzessin. Der Traum eines jedes kleinen Mädchens.

Ein Traum, der trotz der Garde-Pause in Steingaden nie aufhört. Einmal Garde, immer Garde. Für Sarah geht es mit 19 Jahren in der Schongauer Prinzen-Garde weiter. Der Weg dorthin: „Ich war bei den Schongauer Plattlern und wollte aber auch unbedingt ein Gardemädchen sein.“

Tatsächlich wurde sie gefragt. Und hat sofort „Ja“ gesagt. So war das noch vor wenigen Jahren. „Früher musste man noch gefragt werden – Gardemädchen sein: Das war eine große Ehre. Und ist es immer noch.“

Kein Wunder also, dass Sarah die Richtige für die Schongauer Minis ist. Wie sie das alles unter einen Hut bringt? Mit dem kleinen Simon, mit dem Job als Zahnarzthelferin, in dem sie seit Januar wieder in Teilzeit tätig ist? Und mit einem Mann, der Chef eines anderen Vereins ist? „Ach, ich hab’ gar keinen Stress“, sagt sie und winkt ab. Da helfen die Omas. Und auch die entspannte Einstellung der Eheleute, die für sich entschieden haben: Johannes gehört einfach zum Hohenfurcher Faschingsclub. „Und die Faschings Gesellschaft Schongau ist halt meine Faschings-Familie.“

Den familiären Haussegen beeinträchtigt die Trennung offenbar nicht. Zumal es auch ein verbindendes Element gibt: Denn der heimliche Chef der Schongauer Mini-Garde ist auch ein Linder. Ein „echter“, dem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten. Blondschopf Simon ist beim Training der Gardemädels nicht nur Zaungast. Er fühlt sich pudelwohl beim Training. Kein Wunder: Bekommt er doch jede Menge Aufmerksamkeit von den Mini-Tänzerinnen in Blau-Weiß.

Eine heimliche Übernahme der Schongauer Faschingsgesellschaft durch den Faschingsclub Hohenfurch wird an dieser Stelle jedoch definitiv ausgeschlossen.

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