Sorgt sich um das Wohl der Bienen und um die Qualität des Honigs: Arno Bruder.
+
Sorgt sich um das Wohl der Bienen und um die Qualität des Honigs: Arno Bruder.

Schlimmer als 2019

Schlechtes Jahr für die Imker im Landkreis

„Es war ein schlechtes Jahr für die Imker“, stellt Arno Bruder fest, „schlechter als 2019.“ Der Fachberater für Imkerei macht dafür als einen der wichtigsten Gründe neben der Witterung die Entwicklung in der Landwirtschaft aus.

Landkreis – Die Bauern würden immer größere Flächen bewirtschaften, auf denen sie nur noch eiweißstarke Gräser anbauen würden, die dann mindestens sechs Mal im Jahr gemäht würden. „Da blüht nichts mehr“, so Bruder, und die blühenden Randstreifen könnten den Verlust für die Bienen nicht ausgleichen. Georg Nagl, der in Tauting eine Bio-Imkerei im Nebenerwerb betreibt, stimmt ihm zu.

Für den Marnbacher Berufsimker Bruder ist das Oberland daher nicht das „Gott gesegnete Land“, als das es der Kreisobmann des Bauernverbands, Wolfgang Scholz, angesichts reichlicher Niederschläge bezeichnet hat. Für die Imker sehe es eher schlecht aus. Bienen würden jetzt schon in den Parks und Gärten der Städte mehr Nahrung finden als auf dem Land.

In Oberbayern sind laut Christoph Mayr vom Weilheimer Kreisverband der Imker rund 14 000 Personen, die Bienen halten, in Verbänden organisiert. Im Altlandkreis Weilheim haben die fünf Ortsverbände Weilheim, Penzberg, Seeshaupt, Peißenberg und Wessobrunn 150 Mitglieder, die zusammen rund 1100 Bienenvölker halten. Im Altlandkreis Schongau sind es 199 Mitglieder in acht Vereinen mit 1365 Bienenvölkern. Das Durchschnittsalter der Hobby-Imker liege bei 60 Jahren, „Tendenz fallend“, so Mayr, da sich jetzt wieder mehr junge Menschen für die Bienen interessieren.

Ein Problem sieht Bruder in den nicht registrierten Hobby-Imkern. Ihre Zahl schätzt er für Oberbayern auf „2000 bis 3000“. Man brauche zwar keine Erlaubnis für die Bienenhaltung, es bestehe aber eine Meldepflicht. Jeder, der Bienen hält, müsse dies dem Veterinäramt mitteilen, was aber nicht alle machten.

Dass alle Bienenhalter bekannt sind, ist laut Bruder wichtig für die Imker. Wenn bei einem Bienenvolk eine ansteckende Krankheit wie etwa die Faulbrut auftrete, seien auch Bienenvölker in der Umgebung bedroht. Nur wenn alle Bienenhalter bekannt seien, sei eine Eingrenzung der Krankheit möglich.

Bruder geht mit seinen Forderungen sogar noch weiter. Er will, dass alle Menschen, die mit Tieren umgehen, also auch Hobby-Imker, eine Ausbildung machen, ähnlich wie Jäger und Fischer. Diese Ausbildung müsste genau definierte Inhalte haben und mit einer staatlich kontrollierten Prüfung abgeschlossen werden. Dies sei nicht nur für die Tiere wichtig, sondern auch für die Imker, deren Bienenvölker etwa von der Ausbreitung von Seuchen betroffen sein könnten. Und nicht zuletzt sei zu bedenken, dass die Bienenhalter ein Lebensmittel produzieren.

In Deutschland werden laut Bruder nur rund 20 Prozent des hier verbrauchten Honigs produziert, in der Europäischen Union seien es 50 Prozent – wozu die Honigproduktion in den Mittelmeerländern viel beitrage. Der Rest werde importiert, vor allem aus Lateinamerika und Asien, auch aus Ländern, in denen weniger auf Qualität geachtet werde.

Trotz der unterschiedlichen Interessen haben Imker und Landwirte laut Bruder ein gemeinsames Problem: den Preis ihrer Produkte. Ein guter Honig aus der Region müsste mit „sieben bis neun Euro pro 500-Gramm-Glas“ bezahlt werden, damit die Berufsimker ihre Kosten decken und von ihrer Arbeit leben können. Dieser Preis sei angesichts der billigen Import-Honige in Supermärkten aber schwer zu erzielen.

ALFRED SCHUBERT

Auch interessant

Kommentare