Viel Kupfer, viel pulverbeschichtetes Aluminium und Stahl: Ein Blick in den Innenhof.
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Viel Kupfer, viel pulverbeschichtetes Aluminium und Stahl: Ein Blick in den Innenhof.

Sanierung in Schongau

Schmuckstück in der Altstadt

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Und wieder ist in der Schongauer Altstadt aus einem Sanierungsfall ein Schmuckstück geworden. In der Kirchenstraße entstanden aus dem ursprünglichen Stadtbauernhof, in dem zuletzt das Baugeschäft Leonhard Steidele und Uhren Zwack untergebracht waren, sechs Wohnungen und im Hof ein Gewerberaum.

Schongau – Lange Zeit prägte das Bild der Kirchenstraße in der Schongauer Altstadt im vergangenen Jahr ein großer Bauschuttcontainer und ein für Fußgänger abgesperrter Bereich. Nun erfolgten die letzten Arbeiten, die Mieter konnten einziehen.

Schon die Einfahrtssituation in den Hof ist nun wieder angelehnt an das Aussehen des ursprünglichen Gebäudes nach dem großen Brand in Schongau, wenn auch nicht so hoch, aber der Bogenverlauf in der Fassade wurde sichtbar gemacht. Vieles sei noch erhalten gewesen, war aber überbaut und wurde nun teilweise wieder freigelegt, erklärt es Architektin Stephanie Hirschvogel aus Peiting.

Entstanden ist ein modernisiertes Stadtbauernanwesen

Entstanden ist sozusagen ein modernisiertes Stadtbauernanwesen aus ehemaligem Wohngebäude und kleinem Wirtschaftsteil. Im Haupthaus südlich und nördlich der Hofeinfahrt, die auch eine öffentliche Gasse gewesen sein könnte, sind auf jeder Ebene jeweils zwei Wohnungen entstanden. Wohnung fünf und sechs im Dachgeschoss profitieren von der sehr steilen Dachkonstruktion mit freigelegten Balken. Die rückwärtige Fassade prägen eine mittige Laube mit rechts und links jeweils einer Dachgaube.

Dort, wo einst vermutlich ein kleiner Stall war für Vieh, entstand im Charakter einer kleinen Remise ein separater Bau, in dem die Architektin künftig ihr Büro hat. Die ehemalige Kalkgrube von Leonhard Steideles Baugeschäft und Baumaterialienhandlung, worauf noch eine Inschrift an der Hauptfassade an der Kirchenstraße verweist, wurde hierfür ausgehoben und dieser neu gewonnene Kellerraum überbaut. Hoch erheben sich dahinter die Schornsteine der Bäckerei Michl, die an der nahe gelegenen Christophstraße steht.

Von dem Schwimmbad ist nichts mehr zu sehen

Von dem Schwimmbad, das einst im Hof seinen Platz hatte und an das sich ältere Mitbürger noch erinnern, sieht man dagegen nichts mehr, riesige Mengen an Aushub, Bauschutt und alten Fliesen mussten aber insgesamt aus dem alten Hof entsorgt werden.

Ein historisches Foto der Kirchenstraße 19 nach dem großen Brand in Schongau um 1880.

Zur Hausgeschichte der Kirchenstraße 19: Das Haus hat eine erste Eintragung 1783 bis 1810. Joseph Gabriel Pröbstl muss der Inhaber gewesen sein, auch „alter Metzger-Gabriel“ genannt. Nach seinem Tod übernahm dessen Witwe. Nach zwei weiteren Wechseln kaufte Remigius Metzler von Asch 1845 das Anwesen, das 1851 auch den Namen „beim Gallen-Toni“ erhielt.

Verzeichnet ist auch ein Brandschaden am Wohnhaus, der zwar wieder behoben wurde – fünf Jahre war man aber von der Steuer befreit. Das Haus muss komplett bis auf die Grundmauern abgebrannt sein. Im Keller ist zwar noch das alte Gewölbe erhalten, das aber zeitlich von den Denkmalschützern nicht datiert wurde.

Kelleraushub wurde durch eine archäologische Dokumentation begleitet

Durch eine archäologische Dokumentation begleitet wurde dagegen der Aushub des Kellers, und natürlich sind auch alle anderen Arbeiten an dem Anwesen, das unter historischem Ensembleschutz steht, mit dem Denkmalamt abgesprochen. 1873 wurde das Haus an Maurermeister Ludwig Metzler sen. übergeben, der zwei Jahre später eine Anna heiratete. 1902 übernahm Ludwig Metzler jun.

Das Haus wurde 1902 an Leonhard Steidele verkauft, der Franziska Steidele heiratete. Ab 1939 standen Baugeschäftsinhaberin Ursula Steidele und Baumeister Heinrich Weirather in den Büchern.

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