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Mario Albrecht mit seinen Broschen und Ringen, hergestellt aus ausgedienten Plastiktüten in einem von ihm entwickelten Verfahren. Die Brosche an seinem Hemd ist eines seiner Prüfungsstücke.

Mario Albrecht gestaltet einzigartige Unikate

Schmuckstücke aus Plastiktüten

Die Weltmeere versinken im Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll. Täglich hören wir neue Meldungen, wie Stück für Stück unsere Umwelt zerstört wird. Einer, der dem Plastikwahnsinn den Kampf angesagt hat, ist der Schongauer Mario Albrecht.

Schongau – Mario Albrecht hat eine Idee verwirklicht, die ein kleiner Beitrag gegen die gedankenlose Wegwerf- und Plastikmüllgesellschaft ist. Auf alle Fälle ein symbolischer Beitrag, einer, der zum Nachdenken animieren soll. „Wenn sich jeder Mensch, der eines meiner Schmuckstücke sieht und betrachtet, sich Gedanken darüber macht, wo der Rohstoff herkommt, habe ich vielleicht ein wenig unserer Umwelt geholfen“, ist einer seiner Gedankengänge.

Mario Albrecht stellt hochwertigen Schmuck aus Plastiktüten und Folien her. Und zwar aus gebrauchten Stücken. Quasi als Spätberufener beginnt Mario mit 35 Jahren eine Ausbildung zum Metallgestalter. Nach Abschluss besucht er die Akademie für Gestaltung und Design in München. Mario ist fasziniert, mit verschiedenen Materialien zu experimentieren, um gewisse Formen zu gestalten. Während einer Exkursion an die Akademie der Künste in München begeistert ihn eine spezielle Tiefziehmaschine, mit der aus Kunststoffplatten verschiedene Gebilde hergestellt werden. Der Fantasie sind dabei (fast) keine Grenzen gesetzt.

Genau das richtige Gerät, um Marios Ideereichtum zum Explodieren zu bringen. Nur mit dem Rohmaterial, das in der Akademie zum Einsatz kommt, hadert Mario. Das ist nicht seine Wellenlänge. Noch mehr Plastikmüll produzieren, obwohl doch schon genügend Müll vorhanden ist? Seine Idee ist, die Blöcke, die der Tiefziehmaschine als Ausgangsstücke dienen, in Eigenregie herzustellen. Und zwar aus selbst gepressten gebrauchten Plastiktüten.

Mario greift energiegeladen an. Volle Kraft voraus seine Devise – und er erleidet Schiffbruch. „Meine Versuche sind vollkommen in die Hose gegangen“, gesteht er. „Das Herstellen meiner Platten als Ausgangsmaterial hat prima hingehauen, aber das Tiefziehen war ein Desaster.“

Mario experimentiert Nacht für Nacht mit Druck und Temperatur. Bei seinen Fehlversuchen stellt er fest, dass gerade die dabei entstandenen Schnittkanten der Platten für sein Vorhaben wesentlich interessanter sind als die Oberflächen. Mario tüftelt weiter und setzt seine Idee in das erste Schmuckstück um. Es entsteht eine Perlenkette aus gepressten Plastikplatten. Ausgefallen, einzigartig, faszinierend. Sehr zur Begeisterung seiner Studienkolleginnen, die ihn förmlich beknien, seine Ideen weiter zu verfolgen.

Mario greift an. Angetrieben von der Überlegung, was er als Abschlussprüfung vorlegen soll. Drei Monate soll er dazu Zeit bekommen, um danach sein Projekt ausgereift der Kommission vorzulegen. „Schmuck aus Plastiktüten“ nennt er sein Vorhaben. Die Reaktion der Dozenten und Prüfer war wenig aufmunternd. „Ist ja spannend, aber wir wollen mehr sehen als nur so eine Kette“, heißt es.

Jetzt geht das Experimentieren erst richtig los. Immer mit dem Gedanken in Marios Hinterkopf, dass das Stück ja zur Abschlussprüfung vorgelegt werden muss. „Ich habe viel experimentiert, aber noch mehr gespielt.“ Fehlschläge bleiben auch hier nicht aus. „Was im ersten Moment toll aussah, stellte sich kurz später als Mist heraus.“

Dann ist die erste Brosche entstanden. Wow, ein echter Hingucker. „Das Stück wirkt nicht wie beabsichtigt, ist aber eine ausgetüftelte Kombination“, beschreibt Mario die Farbenkombination, die für ihn selbst eine besondere Stärke ausstrahlt. „Eigentlich habe ich nichts Neues erfunden, sondern habe alte traditionelle Handwerksmethoden an anderem Material angewendet“, sagt er und weist dabei auf die Herstellung der bekannten Damaszener Klinge hin.

Für die Abschlussprüfung war tragbarer Schmuck gefordert. Von einer bekannten Schmuckdesignerin bekam Mario den Vorschlag, wie er seine fertigen Plastikplatten tragbar machen kann. Ein spezielles Spangensystem sollte es sein. Mit dieser Idee ist er an die Goldschmiedin Lisa Walter herangetreten, die in der Karmeliterstraße in Schongau ihre Werkstatt hat. Lisa war sofort Feuer und Flamme und gab die nötige Hilfestellung. „Plastikplatte und Spange sind so leicht, dass die Brosche an jeder dünnen Bluse getragen werden kann“, so das Ergebnis der Kombinationsarbeit.

Mario besteht die Abschlussrüfung an der Akademie für Gestaltung und Design „Mit Auszeichnung“. Schon für das Abschlussfest hatte er die ersten drei Bestellungen. Aufgrund der Nachfrage machte der junge Designer jetzt Nägel mit Köpfen, er hat sich als „Gestalter im Handwerk“ selbstständig gemacht. Ein Entschluss, der Früchte trägt. Zur Internationalen Handwerksausstellung nach München und zur Tendence Talents nach Frankfurt wurde er eingeladen, in drei Galerien in Hamburg, Rom und Amsterdam ist jetzt sein außergewöhnlicher Schmuck zu haben. Natürlich auch in Schongau.

Klar, dass bei der Zusammenarbeit mit Lisa Walter noch etwas anderes geboren wurde. Die beiden haben sich schmuckmäßig zusammengetan und die Collection „Framed by Lisa & Mario“ ins Leben gerufen. Die Reihe umfasst Ohrstecker, Fingerringe und Manschettenknöpfe. Die außergewöhnlichen Unikate aus den Plastiktüten von Mario sind von Lisa in Silber gefasst. Handarbeit in ausgefeilter Kombination.

Dass Mario das Thema Recycling wirklich ernst nimmt und ideenreich vermarktet, erkennt man auch an der Verpackung seiner Broschen. Sie werden in Schächtelchen aus dem Holz ausgedienter Obstkisten gefertigt.

Hans-Helmut Herold

Mehr Informationen

unter www.ma-gestaltung.de

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