+
Zwei Traktoren ziehen das Schongauer Lechfloß mit Seilwinden aus dem Wasser – dabei geht das Floß zu Bruch.

Zum Saisonende

Schock-Moment am Lech: Schongauer Floß bricht auseinander

  • schließen

Ein Floßbruch, ein neuer Floßfahrt-Chef, noch mehr Fahrten im Jahr 2020 und eine gute Bilanz aus der vergangenen Saison mit immerhin fast 2000 Fahrgästen: Von der Erlebnisfloßfahrt Schongau gibt es viel Neues zu berichten.

Schongau– Mit einem großen „Ratttsch!“ ist die Floß-Saison am vergangenen Montag in Schongau zu Ende gegangen. Beim Herausziehen aus dem Lech ist das Floß am Lido auseinandergebrochen. Kein Beinbruch, denn: Für die nächste Saison hätte das Material ohnehin ausgetauscht werden müssen.

Vier Mann, viel Muskelkraft, zwei Traktoren, zwei Seilwinden: Gerade bei dieser Witterung ist das Herausheben des Schongauer Floßes aus dem Lech eine Herausforderung. Organisator Hans Hartung steht oben auf dem Floß. Flößer Alois Sporrer unten mit hohen Gummistiefeln im Wasser. Hartung rutscht oben. Sporrer unten.

Ein Baum im Weg. Ein Seilgewinde schwächer als das andere, das Floß schief in der Wiese, noch halb im Wasser. Dann der Bruch unten in der Mitte. Nicht so schlimm, konstatiert Alois Sporrer. „Das Floß hat wieder ein Jahr mehr auf dem Buckel. Ursprünglich hat es 30 Tonnen gewogen, beladen sind es inzwischen bestimmt 35 Tonnen.“ Die 17 Stämme, die den Aufbau tragen, sind mit Wasser vollgesaugt. „Die hätten 40 Leute bei einer Floßfahrt nicht mehr getragen.“

In Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Oberland wird für die kommende Saison ein neuer Unterbau konstruiert. Der dürfte dann locker wieder drei Jahre Herumschippern auf dem Lech überstehen.

Hartung tritt kürzer

Apropos neue Saison: In der Schongauer Floßfahrt wird es einige Änderungen geben. Hans Hartung will kürzer treten und übergibt die Flößergeschäfte federführend an Alois Sporrer aus Schwabniederhofen. Der ist seit jeher im Flößergeschehen aktiv eingebunden – unter anderem als Floßführer, wenn die Gäste immer sonntags zweimal vom Schongauer Lido unter der Lechtalbrücke hindurch Richtung Rossau und am anderen Ufer entlang wieder zurückgefahren werden.

Flößer gibt es übrigens derzeit zu wenig. „Wir sind auf der Suche nach neuen Floßführern.“ Wer einen Bootsführerschein hat, darf Teil des Flößer-Teams werden, das jedes Jahr tausende von Menschen über den Lech schippert. In diesem Jahr ging die Saison von Juli bis September.

Doch das soll sich ändern, geht es nach Alois Sporrer. Der würde die Flößer-Saison gerne noch weiter ausdehnen, schon im Juni loslegen und über den September hinaus noch den Feiertag 3. Oktober mitnehmen. Angetrieben werden die ehrgeizigen Pläne Sporrers übrigens durch das positive Feedback, das von den Floß-Gästen kommt. „Ich habe nicht eine Gruppe gehabt, die auf der Fahrt irgendwas bemängelt hat. Im Gegenteil: Alle finden’s richtig toll.“

Haben beim Herausheben des Lechfloßes die Muskeln spielen lassen (von links): Alois Sporrer, Simpert Christa, Martin Wörle und Hans Hartung nach (fast) getaner Arbeit am Schongauer Lido.

Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: Zwar müssen in diesem Jahr bei den Fahrgästen ein paar Abstriche gemacht werden – im Vergleich zum Vorjahr sind die Teilnehmerzahlen von 2609 auf 1932 gesunken. Allerdings ist dies laut Ursula Diesch, Leiterin der Schongauer Tourist Info, auf das oft verregnete Wetter zurückzuführen. Insgesamt konnten heuer 53 Floßfahrten stattfinden, im Jahr 2018 waren es bei bestem Wetter noch alle 75 geplanten Floßfahrten. Zum Vergleich: Im ersten Jahr 2017 zählte man noch 1011 Gäste bei insgesamt 35 Fahrten.

Wie es finanziell steht, ob die Flößerei in Schongau etwas abwirft oder ein Draufzahlgeschäft ist, dazu kann sich Diesch derzeit nicht äußern. „Wir brauchen neue Stämme, der Floß-Neubau muss finanziert werden und wir wissen noch nicht, was das kostet.“ Die Erweiterung der Floß-Zeiten sieht Diesch positiv. Allerdings sei abzuwarten, wie das Landratsamt in dieser Angelegenheit entscheiden wird.

Schließlich waren im ersten Jahr – also vor drei Jahren – nur die Monate August und September genehmigt gewesen. Den Juli hatte man sich ein Jahr später noch dazu erkämpft. Neue Flößerführung also, neues Glück bei der Genehmigung einer Erweiterung der Betriebszeit.

Am Konzept indes will man in Schongau nicht rütteln. Die Fahrt bleibt beschaulich, mit Floßbegleiter, der Informatives zur Flößergeschichte und zu den Naturgegebenheiten erzählt. „Wer lieber Musik möchte, den verweisen wir an die Nachbarn aus Lechbruck, die gesellige Fahrten anbieten.“

Und das Schongauer Konzept scheint aufzugehen: Immer mehr Vereine und Betriebe buchen das Floß für Sonderfahrten, berichtet Diesch erfreut.

Lesen Sie auch:

Nach Postagentur-Aus in der Schongauer Altstadt: Jetzt steht der neue Betreiber fest

Herzogsägmühle hat die große Mensa und die Versorgung des Schongauer Schulzentrums übernommen. Aber es gibt Anlaufschwierigkeiten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schutz für die Bienen zu fairem Milchpreis
Mit einem neuen Plakat des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) machen nun auch  die Landwirte in Rottenbuch auf ihre missliche Lage aufmerksam. Sie fordern: …
Schutz für die Bienen zu fairem Milchpreis
Rauschendes Fest für 25 Jahre Kinderlächeln
„Es gibt nichts Schöneres, als das Lächeln eines Kindes“, sagt Monika Ludwig. Am vergangenen Freitag feierte das Peitinger Ferienprogramm 25. Geburtstag und hatte …
Rauschendes Fest für 25 Jahre Kinderlächeln
Rauschende Tänze, unterhaltsame Show
Der 1. Vorstand des Schongauer SPD-Ortsvereins Daniel Blum gibt Gas. Er macht nicht nur seit Jahren den Vereinsvorsitz. Am Freitag Abend machte er auch Moderation, …
Rauschende Tänze, unterhaltsame Show
Zur besten Sendezeit: Böbings Schafe fordern Joko und Klaas
Dass seine Schafe einmal zur besten Sendezeit einen Fernsehauftritt haben würden, hätte sich der Böbinger Josef Pirchmoser im Traum nicht einfallen lassen: Am 15. …
Zur besten Sendezeit: Böbings Schafe fordern Joko und Klaas

Kommentare