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Ungewohnter Anblick: Leere herrscht dort, wo bis vor kurzem noch die beiden großen Buchen am Parkplatz des Discounters standen.

Bäume beseitigt

Ärger über zwei gefällte Buchen in Schongau: Das steckt hinter dem Kahlschlag am Norma

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Ungewohnte Leere: Vor Weihnachten sind am Norma in der Altenstadter Straße zwei große Buchen gefällt worden. Pikant: Beide Bäume waren von der Stadt 2016 im Bebauungsplan als erhaltungswürdig eingestuft worden.

Schongau – Es war Stadträtin und Umweltreferentin Bettina Buresch gewesen, die sich 2016 vehement für den Erhalt der mehrere Jahrzehnte alten Bäume eingesetzt hatte. Mit Erfolg: Die Stadt nahm damals die beiden Buchen, die im schön eingewachsenen Garten des Vorbesitzers standen, als erhaltungswürdig in den Bebauungsplan für den geplanten Supermarkt auf. „Sie werden hoffentlich noch lange weiterleben und dem Supermarkt samt Parkplatz einen hübschen Rahmen bieten“, sagte Buresch damals voller Freude über den gelungenen Coup.

Doch die Freude, so viel lässt sich jetzt sagen, die währte nicht lange. Ende des abgelaufenen Jahres rückten Arbeiter mit schwerem Gerät an und fällten die beiden Bäume. Das fiel nicht nur Buresch sofort auf, sondern sorgte auch im sozialen Netzwerk Facebook für entsetzte Reaktionen. „Es ist eine Schande, ich kann gar nicht sagen, wie wütend und parallel traurig mich das macht“, schrieb eine Nutzerin unter das Bild, das den Kahlschlag zeigt.

Die Frage, die sich sofort stellte: Durfte der Grundstücksbesitzer die beiden mehrere Jahrzehnte alte Buchen auf seinem Boden überhaupt fällen, wenn sie im Bebauungsplan als erhaltungswürdig verzeichnet sind? Dass die Aktion legal und mit der Stadt abgesprochen war, bestätigt Stadtbaumeister Sebastian Dietrich.

Diese beiden Bäume wurden Ende vergangenen Jahres gefällt.

Grund dafür, dass die Fällung genehmigt worden sei, sei die Verkehrssicherheit. Diese sei bei beiden schwer geschädigten Bäumen nicht mehr gegeben gewesen. Zu groß war damit die Gefahr, dass Menschen durch herabfallende Äste oder im schlimmsten Fall durch umstürzende Bäume zu Schaden kommen.

Doch wie konnte sich der Zustand der beiden Buchen in dieser kurzen Zeit so rapide verschlechtern? „Die Bäume sind bei der Baumaßnahme und bei der Pflege irreparabel beschädigt worden“, sagt Dietrich. Er wolle niemanden Vorsatz unterstellen, aber „das ist sehr unglücklich gelaufen“. Zu einer ähnlichen Beurteilung kommt Stadtförster Klaus Thien. Auch er sagt: „Die Bäume sind unsachgemäß behandelt worden, wodurch sie so geschädigt wurden, dass sie gefällt werden mussten.“

Stradträtin: „Das ist eine riesige Frechheit.“

Genau das wirft auch Bettina Buresch dem Bauherren vor. Dieser habe die Bäume radikal zurückgeschnitten und vor allem im unteren Teil sämtliche Äste entfernt. Mit entsprechenden Folgen: „Buchen reagieren sensibel auf zu viel Sonneneinstrahlung. Dadurch platzt die Rinde am Stamm auf“, weiß die Umweltreferentin. Ihr zweiter Vorwurf: Durch den Bau eines zusätzlichen Parkplatzes in unmittelbarer Nähe des gebäudenahen Baumes sei auch dessen Wurzelwerk beschädigt worden. Sowohl sie als auch der Stadtgärtner hätten vergeblich gegen das Vorgehen protestiert. „Für mich ist das eine riesige Frechheit.“

Konsequenzen muss der Bauherr, der eine Stellungnahme auf Nachfrage ablehnte, für sein Vorgehen nicht fürchten. „Wir haben leider keine Baumschutzverordnung“, bedauert Buresch.

Ein kleiner Trost: Um die Auflagen des Bebauungsplans zu erfüllen, müssen als Ersatz für die beiden Buchen neue Bäume gepflanzt werden. „Das ist entsprechend geregelt“, betont Dietrich. Der Stadtbaumeister versichert außerdem: „Wir werden auch darauf achten, dass die neuen Bäume eine gewisse Größe und Stammumfang haben werden.“

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