„Das Schongauer Krankenhaus soll als Grund- und Regelversorger erhalten bleiben“ – wünscht sich nicht nur Stadtrat und Notfallsanitäter Stefan Konrad.
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„Das Schongauer Krankenhaus soll als Grund- und Regelversorger erhalten bleiben“ – wünscht sich nicht nur Stadtrat und Notfallsanitäter Stefan Konrad.

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Aktionsbündnis kämpft ums Krankenhaus Schongau - „Schluss mit Geheimniskrämerei“

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Aufstehen für das Schongauer Krankenhaus – das möchte eine frisch gegründete Aktionsgemeinschaft erreichen. Es geht um Transparenz. Und dass nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wird.

Schongau – Zur Infoveranstaltung „Pro Krankenhaus Schongau“ hat die SPD Schongau am Mittwoch ins Ballenhaus eingeladen – vielleicht für den ein oder anderen interessierten Bürger zu kurzfristig. Den Fahrplan allerdings, wie man um den Erhalt des Schongauer Krankenhauses als Grund- und Regelversorger kämpfen könnte, hatte man sich im Vorfeld sehr genau zurechtgelegt.

Walter Popp, Ortsvorsitzender der SPD Schongau, machte deutlich, dass man – überparteilich – einen Stein ins Rollen bringen wolle. Die Schongauer, die Bürger der Nachbargemeinden, am liebsten auch Unterstützer des Weilheimer Krankenhauses, müssten jetzt zusammenkommen. Denn: Es mehren sich die Anzeichen, dass beiden Krankenhäusern zugunsten einer großen Klinik das Aus drohen könnte. Am 24. November steht eine Entscheidung an.

„Wir stehen voll hinter unserem Krankenhaus und der Belegschaft“

„Wir zündeln nicht, wir stehen voll und ganz hinter unserem Krankenhaus Schongau, ebenso hinter der Belegschaft“, nahm Popp Bezug auf die Bürgerversammlung vor sechs Tagen, in der Landrätin Andrea Jochner-Weiß versucht hatte, die Befürchtungen der Schongauer zu zerstreuen. Dies ist ihr offenbar nicht gelungen. „Mit dem Zündeln hat die Landrätin begonnen, als sie ihre Träumereien des Zentralkrankenhauses in Peißenberg preisgegeben hat“, verdeutlichte es Popp.

Zwar hatte Jochner-Weiß ausgeführt, dass das Schongauer Krankenhaus nicht geschlossen werde, dass es den Standort auch in drei Jahren noch gebe. Konkrete Antworten war sie jedoch mit dem Verweis auf die anstehenden Entscheidungen und die Nichtöffentlichkeit schuldig geblieben (wir berichteten).

Schluss mit der „Geheimniskrämerei und dem arroganten Hinwegsetzen über die Köpfe der Bürger“

Transparenz bei Entscheidungen und Einsicht in das Gutachten fordert SPD-Vorsitzender Walter Popp.

Popp forderte Transparenz, fand dafür klare Worte: „Mit der Geheimniskrämerei und dem arroganten Hinwegsetzen über die Köpfe der Bürger“ müsse nun Schluss sein, man wolle mitentscheiden und nicht vor vollendete Tatsachen gesetzt werden.

„Das Krankenhaus Schongau darf in seiner Form als Grund- und Regelversorger nicht aufgegeben werden“, unterstrich Stefan Konrad, SPD-Stadtrat und Notfallsanitäter. Er rief dazu auf, Flagge zu zeigen, dafür aufzustehen, das Haus in Schongau in seiner jetzigen Form zu erhalten. „Das Krankenhaus ist eine Daseinsvorsorge, ist etwas, was der Staat seinen Bürgern schuldig ist.“ Er machte deutlich, wie wichtig gerade auch die kleinen Krankenhäuser seien, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie.

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman fordert Einsicht in das Gutachten, bisher kenne man den Inhalt nur in komprimierter Form

Bürgermeister Falk Sluyterman forderte „Einsicht in das Gutachten und mehr Zeit“. Man habe den Kreisräten den Inhalt nur „in komprimierter Form“ vorgestellt. „Da geht es um hochkomplexe Fragen, man muss sich sehr dezidiert mit dem Gutachten auseinandersetzen, bei Medizinern ist sogar eine Zweitmeinung üblich“, so Sluyterman.

Friedrich Zeller, SPD-Stadtrat und Vorgänger der Landrätin, bezifferte die Kosten, die in Memmingen für ein Großkrankenhaus im Spiel seien, mit rund 400 Millionen Euro. „So ein Zentralklinikum hier ist nicht zahlbar, sonst wären wir pleite.“

Gutachten veröffentlichen, Entscheidung verschieben, Bürger informieren

Die Eckpunkte der Resolution waren rasch formuliert: Gefordert wird eine sofortige Veröffentlichung des Gutachtens sowie eine Verschiebung der Entscheidung im Kreistag bis mindestens März 2022. Auch soll der Schongauer Bürgermeister eine außerordentliche Bürgerversammlung einberufen, bei der Landrätin Jochner-Weiß Auskunft geben soll. Auch die umliegenden Gemeinden will man mit ins Boot holen.

Für die Aktionsgemeinschaft mit dem vorläufigen Namen „Pro Krankenhaus Schongau“ meldeten sich spontan Regina Haugg, Irmgard Freimut, Tobias Fuhrmann, Johanna Hentschke, Willi Dedeke, Patricia Erhard, Stefan Konrad, Sabine Congiu und Walter Popp. Auch Schongaus Vizebürgermeisterin Daniela Puzzovio (ALS) gehört der Aktionsgemeinschaft an, die sich an diesem Wochenende das erste Mal treffen will, um der Resolution den letzten Schliff zu geben. Das Papier soll bei der nächsten Kreistagssitzung am 17. November an die Landrätin und alle Kreisräte übergeben werden.

Erst Anfang Oktober hatte der Stadtrat Schongau einstimmig eine Resolution für den Erhalt des Schongauer Krankenhauses verabschiedet.

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