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Der bislang schwerste Unfall an der Anschlussstelle Altenstadt in diesem Jahr: Ein Lkw war nach rechts auf die B17 eingebogen und hatte einer von links kommenden Kinsauerin die Vorfahrt genommen. Die Frau wich aus, der VW Touran überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die 77-Jährige erlitt schwere, aber zum Glück keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Jetzt wird über eine Geschwindigkeitsbegrenzung nachgedacht.

Schon vier Unfälle in diesem Jahr 

Autofahrer fürchten B17-Anschlussstelle

  • Jörg von Rohland
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Schon viermal hat es in diesem Jahr an der Anschlussstelle Altenstadt auf der B17 gekracht. Mehrere Menschen wurden verletzt, der Sachschaden war beträchtlich. Eine Unfallfahrerin aus Peiting empfindet die Einfahrt als Risiko. Sie vermisst Beschleunigungsstreifen und Hinweisschilder. Die Behörden wollen reagieren.

Schongau/Altenstadt – Den 19. Februar dieses Jahres wird Marlies Zwerger so schnell nicht vergessen. Die Peitingerin war am Nachmittag mit ihrem Auto zum Einkaufen nach Altenstadt gefahren. Auf dem Nachhauseweg verpasste sie im Kreisverkehr die Abfahrt nach Schongau. Die Peitingerin beschloss, ausnahmsweise die B17 zu nehmen, „obwohl ich die Umgehung eigentlich nicht mag“, sagt sie. Für Zwerger war es sogar das erste Mal, dass sie auf die Kreuzung zufuhr. Die 52-Jährige erblickte zwar die Vorfahrt-Gewähren-Schilder, blieb vor dem Rechtsabbiegen aber nicht stehen. Die Peitingerin ging schlicht davon aus, dass sie auf einen Beschleunigungsstreifen bog. Dann war da plötzlich der Sattelschlepper. „Ich hab’ mir noch gedacht, was macht der auf meiner Spur“, erinnert sich Zwerger. Sie schaffte es gerade noch, ihren Wagen nach rechts an einen Schneehaufen zu lenken. Der Fahrer des Sattelzuges wich nach links aus, musste kurz darauf aber wieder nach rechts einscheren, weil ihm ein Linksabbieger entgegenkam. Der Lastwagen erwischte noch das Heck des Passats der Peitingerin, die glücklicherweise unverletzt blieb.

Den Schaden in Höhe von 5000 Euro musste sie selbst bezahlen. Mit Blick auf das, was alles passieren hätte können, ist Zwerger das aber egal. „Ich habe so viel Glück gehabt“, sagt sie und mag sich gar nicht vorstellen, was geschehen wäre, hätte der Lkw das Auto auf der Linksabbiegespur gerammt. Es hätte jemand ums Leben kommen können, und sie wäre schuld gewesen. „Da wäre ich nicht mehr froh geworden.“

Der Unfall der Peitingerin ist einer von vier an dieser Stelle in diesem Jahr. Alle waren sie auf Vorfahrtverstöße zurückzuführen. Zwei beim Links- und zwei beim Rechtsabbiegen, erklärt Polizeihauptkommissar Klaus Riedl von der Inspektion in Schongau. Er spricht „von einem Phänomen“, das sich der Polizist nicht so recht erklären kann. Diesen Mittwoch traf sich Riedl mit Vertretern des Staatlichen Bauamts und des Landratsamtes vor Ort. Das Ergebnis der Verkehrsschau: „Wir treffen auf jeden Fall Maßnahmen“, verspricht Riedl. Und zwar „in Bälde“.

In erster Linie kommt dem Polizisten zu Folge zunächst eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den Verkehr aus Richtung Landsberg in Betracht. Das hat laut Riedl vor allem den Vorteil, dass die Linksabbieger auf der Bundesstraße sicherer auf den Abzweig zum Kreisverkehr nach Altenstadt kommen. Welche Maßnahmen darüber hinaus getroffen werden könnten, muss nach Angaben des Hauptkommissars noch analysiert werden.

Das Staatliche Bauamt in Weilheim hatte vor dem Ortstermin am Mittwoch die Ein- und Ausfahrt der B17 nicht als Unfallschwerpunkt ausgemacht. Die Zusammenstöße, zu denen es zuletzt beim Rechtsabbiegen gekommen war, waren nach Meinung von Sachgebietsleiter Andreas Lenker kaum zu verhindern. Auch ein Beschleunigungsstreifen ist Lenker zufolge kein Allheilmittel, weil auch beim Einscheren Fahrzeuge übersehen werden könnten. Bauchschmerzen bereiten den Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt vor allem die Linksabbieger.

Bauamt will einen zweiten Kreisverkehr

Eine Möglichkeit, die B17 an der Kreuzung linksabbiegefrei zu bekommen, war laut Lenker in der Vergangenheit schon Inhalt von Gesprächen mit der Stadt Schongau und der Gemeinde Altenstadt. Hintergrund ist laut Lenker das von Schongau geplante Wohngebiet Nord, das an die B17 angebunden werden könnte. Das Staatliche Bauamt würde dazu gerne östlich der Bundesstraße das gleiche herstellen, was auf der Westseite schon existiert: einen Kreisverkehr samt Anschluss an die B17. Die Kreisel im Osten und Westen wären über die Franz-Josef-Straße verbunden, das Linksabbiegen auf und von der B17 nicht mehr notwendig.

Auch unabhängig von den Plänen Schongaus würde das Staatliche Bauamt das Vorhaben schon jetzt umsetzen. „Wenn wir den Grund bekommen und der Preis einigermaßen passt, würden wir bauen“, so Lenker. Mit Nachdruck verfolgt das Amt den Plan derzeit aber nicht. „Wir haben wichtigere Projekte und Unfallschwerpunkte.“

Die Peitingerin Marlies Zwerger würde sich derweil schon freuen, wenn die Einfahrt besser beschildert wäre. Stopp-Schilder und der Hinweis darauf, dass kein Beschleunigungsstreifen zur Verfügung steht, wäre ihrer Meinung nach ein Anfang.

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