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An diesem historischen Luftbild ist die Höhenabstufung Schongaus gut zu erkennen.

Archivar Franz Grundner hat an Erhebungsbogen mitgewirkt

„Altstadt ist ein mittelalterliches Juwel“

Schongau – Die Schongauer Altstadt gilt auch heute – im 21. Jahrhundert – als mittelalterliches Juwel. Bemerkenswert ist beispielsweise die Stadtmauer, die nahezu unversehrt um die Altstadt führt. Der Schongauer Franz Grundner hat dazu einen denkmalpflegerisch-städtebaulichen Erhebungsbogens erstellt.

Wozu Erhebungsbogen? Was so amtlich daherkommt, ist schlicht und einfach auf eine Forderung der Regierung von Oberbayern zurückzuführen. „Im Rahmen der Städtebauförderung wird verlangt, dass ein solcher Bogen als geschichtlich und historisch topographische Grundlage für weitere Maßnahmen im Zuge der Stadtsanierung gefertigt wird“, erklärt Grundner.

Und da sich die Stadt Schongau am Bund-Länder-Förderungsprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ beteiligt, in dem die Dokumentation und Sicherung von städtebaulichen Denkmalwerten eine große Rolle spielt, musste eine vertiefte, denkmalpflegerische Untersuchung her. Diese dient besonders dem Ziel, Planungspotentiale des baukulturell bedeutenden Baubestands zu erheben, zu dokumentieren und als Basis für neue Entwicklungen zu nutzen – beispielsweise im Rahmen eines kommunalen Denkmalkonzepts.

Bis ins 13. Jahrhundert reicht die Bauzeit mancher Altstadt-Gebäude zurück.

Entwickelt wurde der Erhebungsbogen vom Landesamt für Denkmalschutz – und der Stadt Schongau von der Regierung vorgeschlagen. Und da kommt Co-Autor Rainer Bittner aus Stopfenheim bei Weißenburg ins Spiel. Der Diplom-Geograph hat den Bogen erstellt und den fachlich-topographischen Teil gefertigt. Anschließend – man schrieb das Jahr 2013 – kam Franz Grundner, ein leidenschaftlicher Historiker und Glücksfall für die Stadtverwaltung, ins Spiel. Er kümmerte sich fortan um den historisch-stadtgeschichtlichen Teil und sparte der Stadt dadurch eine Menge Geld.

Denn: Ansonsten hätte man einen professionellen Historiker mit dieser Aufgabe betrauen müssen. Wobei Grundner, was die Belange Schongaus angeht, eigentlich selbst schon genug Profi ist. Gemeinsam mit seinem Co-Autor sowie Gerhard Ongyerth vom Landesamt für Denkmalpflege, machte sich das Trio eingangs zu einer gemeinsamen Ortsbesichtigung der gesamten Altstadt auf.

Die Ergebnisse über die Altstadt wurden bereits der interessierten Öffentlichkeit im Stadtmuseum nahe gebracht. Eine Ausstellung zeigte anhand von Schautafeln und Themenkarten den historisch, siedlungs- und baukulturell bedeutenden Bestand an Strukturen, Gebäuden und Denkmalwerten der Altstadt. Das Architekturbüro Bittner erstellte die städtebaulich-denkmalpflegerische Untersuchung.

Dazu gehörte auch, dass annähernd 20 bisher bauhistorisch nicht einzuordnende Einzelanwesen von einem Bauforscher untersucht und konkrete Aussagen zu Baugefüge, Baualter und städtebaulicher Struktur in einem Gebäude-Steckbrief zusammengefasst wurden.

Zurück zum Erhebungsbogen. Er gilt als Ermittlung historischer Strukturen einer Stadt im weitesten Sinn und das Festmachen dieser Strukturen am heutigen Bestand. Herausgestellt werden soll auf diese Weise die Ablesbarkeit von Geschichte an Stadtstruktur, historisch städtebaulichen Raumsituationen, aber auch an flächenhaftem Baubestand für den Bewohner der Jetzt-Zeit.

Untergliedert wird der Erhebungsbogen in vier Kapitel. Dabei geht es zum einen um Naturraum und Lage, desweiteren um die Siedlungsgeschichte, aber auch um die historische Stadtstruktur sowie um die historisch-städtebauliche Stadtgestalt.

Grundner schlüsselt auf. So werde eine Stadt in den jeweiligen Naturraum eingeordnet, eine Bestimmung und Beschreibung der topographischen Lage mit kurzer Analyse der Zusammenhänge von Lage und historischer Siedlungsgeschichte sowie der historischen Verkehrslage vorgenommen und Hinweise auf ortstypische Baumaterialien gegeben. Bei der Siedlungsgeschichte geht es um Erstnennung, Einordnung der Stadtwerdung unter Einbeziehung archäologischer Erkenntnisse, um Ortsnamenbestimmung, historisch territoriale Zugehörigkeit, Stadtwerdung und Stadtfunktionen, Entwicklung der Einwohner- und Gebäudezahlen sowie die Nennung historischer Einzelereignisse.

Bei der historischen Stadt- struktur werden die historisch-räumliche Struktur ermittelt, eine kartographische Übersicht historischer Raumstrukturen erstellt, Hinweise auf historische landwirtschaftliche, gewerbliche und administrative Funktionen der Stadt gegeben und eine Karte der historischen Sozialtopographie (Besitzverhältnisse, Berufsstruktur) auf Basis des Ortsblattes erstellt. Bei der historisch städtebaulichen Stadtgestalt geht es um das Erscheinungsbild der Siedlung in der Landschaft und das Herstellen der Zusammenhänge zwischen Siedlungsgeschichte und historischer Stadtstruktur, um in die Denkmalliste eingetragene Gebäude, um ortsprägenden Baubestand sowie um Beschreibung und Wertung von Platz- und Straßenräumen, Straßenbeläge, Grünräume, Ortsränder, Fußwege und dergleichen.


Eine lange, trockene Liste ist das. Aber Grundner hat auch weniger trockene Kost zu bieten, wenn er Schongau etwa mit Landsberg vergleicht. „Von der Architektur steht Landsberg qualitativ zwar eine Stufe höher, aber die topographische Lage auf dem Berg ist für Schongau als mittelalterliche Bergstadt einmalig.“

Besonders ist für ihn auch der Wandel innerhalb und außerhalb der Altstadt. „Das erstreckt sich von der einstigen Ackerbürgerstadt bis hin zu einer modernen Industriestadt im Grünen heute.“ Und er wagt einen Blick in die Vergangenheit, erwähnt die Zeit um 1200, „als sich Schongau von der Muttersiedlung Altenstadt trennte“.

Der passionierte Historiker hat den ganz persönlichen Wunsch, „ dass man die Qualitäten der Stadt wieder besser sieht“. Soll heißen: Es sollten durch Sichtachsen wieder historisch bedeutsame Sichtbezüge hergestellt werden. Heute müsse man eine Aussichtsplattform (Lechspix) bauen, um beispielsweise den Lech wieder besser zu erkennen. „Der ist doch im Sommer komplett zugewachsen“, beklagt Grundner. Früher habe es noch Schongau am Lech geheißen, was dem Nachbarn Landsberg bis heute geblieben sei. Dies verkümmere in Schongau.

Auch die Sicht auf den Hohen Peißenberg sei ziemlich zugewachsen und der Blick auf die Altstadt, wenn man von Hohenfurch komme, weitgehend verstellt. Und auch von Peiting aus wünscht sich Grundner wieder eine bessere Sicht auf die Altstadt. „Da liegt sicher noch einiges im Argen“, schließt der gebürtige Schongauer, der gern in seiner Heimatstadt lebt.

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