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Im Sommer gerne genutzt: Die Fußgängerzone. Einige Gewerbetreibende würden sie gerne abschaffen.

Thema im Stadtrat

Antrag: Fußgängerzone in Schongau ganz auflösen

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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„Vier Jahre Erfolglosigkeit sind einfach genug.“ Schongauer Geschäftsleute rund um Ludwig Völk und René Repper fordern erneut, die Fußgängerzone abzuschaffen, diesmal sogar ganzjährig. Sie sind für eine „sofortige Aufhebung der sinnfreien und frequenzlosen Steinwüste“. Heute Abend ist das Thema im Stadtrat.

Schongau – Die Fußgängerzone in der Schongauer Altstadt ist und bleibt Thema, auch nach der Einführung 2016 hat die Diskussion darüber, ob dies gut für Schongau ist, nie ganz aufgehört. Zuletzt hatte im Herbst 2019 die Werbegemeinschaft Altstadt einen Antrag gestellt, den Marienplatz im Winter halbseitig zu öffnen (wir berichteten). Dieser Antrag war aber öffentlich nicht diskutiert worden (siehe dazu auch Kasten). Nun werden Ludwig Völk und René Repper erneut aktiv. Repper, Vorsitzender des HBE-Ortsverbandes im Handelsverband Bayern, stellt den Antrag aus 2019 erneut, und zwar in erweiterter Form: Der Stadtrat soll darüber entscheiden, die Fußgängerzone ganz zu kippen, den Marienplatz also ganzjährig wieder zu öffnen und die Anordnung von 2016 komplett aufzuheben.

Repper ist seit Jahren ein Gegner der Schongauer Fußgängerzone, nennt diese die „lächerlichste Fußgängerzone Oberbayerns“ mit den Folgen von massivster Kaufkraftschädigung, Umsatz- und Ertragsverlusten sowie Kundenabwanderungen in andere Einkaufsgebiete oder gar Städte. Abhilfe für diese Probleme würde nur die sofortige Aufhebung der „sinnfreien und nach über 1260 Tagen immer noch frequenzlosen Fußgängerzone“ schaffen. Außerdem fordert Repper die Wiedereröffnung des „City-Parkplatzes“ am Marienplatz.

Corona-Pandemie hat alle Probleme verschärft

Und die Pandemie habe alles verschärft. Spätestens jetzt seien viele Kunden auf die Einkaufsmöglichkeiten im Internet aufmerksam geworden. „Corona hat uns allen mehr als deutlich gezeigt, wie wichtig und unverzichtbar Drive-In-Lösungen, direkte Kundenparkplätze und Anfahrtsmöglichkeiten sind“, begründet Repper seinen und Völks Antrag an die Stadt. Die Einzelhändler und Marktfieranten seien auf jeden nur erdenklichen Parkplatz existenziell angewiesen, so Repper. „Sofortiges Handeln ist jetzt angesagt, wo die krisengebeutelten Einzelhändler versuchen, ihre Geschäfte zu retten und für die Zukunft zu erhalten.“ Er gibt unumwunden zu, dass er sich schon länger mit „ähnlichen Überlegungen des Reagierens“ herumschlägt wie Franz Köpf, der Ende 2018 sein Elektrogeschäft am Marienplatz für immer zusperrte und nach Peiting abwanderte.

„Stadt hat viele Fehler gemacht“

Auch Ludwig Völk sieht eine ungenügende Erreichbarkeit der Altstadt mangels ausreichend Parkplätze als einen der Hauptgründe dafür an, dass Kunden abwandern und die Schongauer Innenstadt immer mehr verwaist. Der 71-Jährige kam 1981 nach Schongau und betreibt seit Langem in der Weinstraße das „Wohlfühl-Wohnstudio“. „Wenn ich durch die Altstadt gehe, werde ich richtig traurig“, erklärt Völk auf Nachfrage sein Engagement in Sachen Fußgängerzone. „Schongau war einst so ein schönes Schmuckstück, wie ein kleines Wohnzimmer, aber man hat viele Fehler gemacht.“ In seinen Augen habe die Stadt beispielsweise zu leichtfertig Geschäfts- und Ladenräume umgewandelt in Wohnraum und Büros. „Diese Geschäfte existieren nun alle nicht mehr“, so Völk, und damit fehle das Angebot in der Stadt, weshalb wiederum die Besucher ausblieben – ein Teufelskreis. Leider sei absehbar, dass der Leerstand von Geschäftsräumen in nächster Zeit eher noch zunehme, bedauert Völk. „Viele Geschäftsleute sind schon älter und haben keine Nachfolgeregelung getroffen; das wird noch einige treffen, und das hat nichts mit Corona oder dem Internet zu tun.“

Schon dem ersten Antrag hätte dieser zweite folgen sollen 

Nach den Worten von René Repper hatten den ursprünglichen Antrag von der Werbegemeinschaft und dem Handelsverband auf temporäre Öffnung um die 100 Gewerbetreibende und Betroffene allein aus der südlichen Altstadt unterstützt, „vom Boneberger bis zum Gürtner, von der Musikschule bis zur Stadtpfarrei“. Der Antrag, die Fußgängerzone komplett aufzulösen, hätte als nächster Schritt folgen sollen.

Und was sagt die Werbegemeinschaft Altstadt dazu?

Mit der Eingabe von Ludwig Völk und René Repper auf ganzjährige Öffnung und Aufhebung der Fußgängerzone hat die Werbegemeinschaft Altstadt nichts zu tun, auch wenn dies nach den Unterlagen so verstanden werden könnte. Im Gegenteil, die Vorstandschaft distanziert sich sogar ganz deutlich davon: „Von diesem Antrag halten wir gar nichts.“ Die Werbegemeinschaft hatte im vergangenen Jahr vielmehr den Antrag gestellt, die Fußgängerzone temporär zu öffnen, und dies auch nur auf der Westseite.

Der Werbegemeinschaft geht es um eine temporäre Lösung

„Uns geht es um eine Sommer-/Winterlösung“, so Maria Mader. Im Sommer sei es gut so, wie es ist, aber im Winter würde eine einseitige Öffnung Erleichterung bringen. Gerade von Januar bis März sei die Stadt wie ausgestorben. „Ich bin der Meinung, es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, es muss noch etwas dazwischen geben“, so Mader. Die Schongauer Geschäftsleute seien ohnehin gebeutelt, durch Corona derzeit noch mehr. „Vielleicht könnten wir heuer eine Winteröffnung einfach ausprobieren, das wäre doch eine charmante Lösung“, so Maders Vorschlag für die Werbegemeinschaft. Im vergangenen Jahr im Oktober war der Antrag der Werbegemeinschaft inhaltlich gar nicht diskutiert worden. Bürgermeister Falk Sluyterman begründete dies damals unter anderem damit, dass eine Winteröffnung 2019 in der Kürze der Zeit gar nicht mehr umgesetzt werden könne. Aber auch die Verkehrssicherheit führte er an, die Bürger hätten sich bereits an die Fußgängerzone gewöhnt. 

Werbegemeinschaft hat den Antrag dieses Jahr zurückgezogen und überlegt nun, ob und wie sie ihn neu formulieren möchte 

Das Thema war im Stadtrat nichtöffentlich vorberaten worden, warum war den Besuchern der Sitzung nicht explizit erläutert worden. Allerdings hatte der Stadtrat mit einer Gegenstimme beschlossen, sich grundsätzlich mit dem Thema zu befassen und eine Entscheidung darüber dann ans neue Gremium weiterzugeben. Dies ist bisher nicht geschehen. Informiert hat man sich jedoch bereits: Im Januar war eine Delegation aus Schongau in Günzburg, um sich die Situation vor Ort anzusehen. Dort gilt eine Fußgängerzone zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober. Im Anschluss fand ein Runder Tisch im Rathaus statt, bei dem die Werbegemeinschaft offenbar den Antrag zurückgezogen hat, wie nun bekannt wurde. Derzeit sei man in der Abstimmung, ob und wie man einen neuen Antrag an die Stadt formuliert, so Kornelia Funke, Stadträtin und ebenfalls in der Vorstandschaft der Werbegemeinschaft tätig.

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