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Eröffnung der Sonderausstellung „Magie und Aberglauben im Mittelalter“ im Schongauer Stadtmuseum. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Historikerin Alice Selinger (rechts).

Ausstellung im Stadtmuseum

Als Magie und Aberglauben blühten

Zaubertränke, Amulette, magische Rituale: Waren die Zeiten schlecht, blühte der Aberglaube. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Schongau geht der Materie auf den Grund. 

Schongau – „Wir haben zum ersten Mal gewagt, eine Ausstellung anzubieten, die wir nicht selbst zusammengestellt haben“, betonte Franz Grundner, der zweite Vorsitzende des historischen Vereins und Ansprechpartner für das Stadtmuseum, bei der Eröffnung der neuen Schau. Ergänzt wird die Wanderausstellung durch Funde aus Schongauer Altstadthäusern, wie zum Beispiel ein Malchitherzchen, eine sogenannte „Neidfeige“, oder ein Stoffpüppchen.

Konzipiert wurde die Ausstellung „Magie und Aberglauben im Mittelalter“ von der Kunsthistorikerin Alice Selinger aus Frankfurt, die das Vernissagenpublikum mit einem Vortrag in die Gedankenwelt des Mittelalters einführte. Im Mittelalter lebte der Großteil der Bevölkerung als unfreie Kleinbauern auf dem Land. „Das Durchschnittsalter lag bei etwa 35 Jahren, nur jedes zweite Kind erreichte das Erwachsenenalter, und die Frauensterblichkeit war groß“, so Selinger.

Ausstellung zu Aberglauben im Stadtmuseum: Menschen wollten sich schützen

Der von harter Arbeit geprägte tägliche Kampf ums Überleben wurde durch Krankheiten, Epidemien oder Kriege zusätzlich erschwert. „Kein Wunder, dass nach jedem Strohhalm gegriffen wurde, um sich zu schützen und dadurch der Aberglaube blühte“, so die Expertin.

Selinger stellte auch Hildegard von Bingen vor, die durchaus auch an die Wirksamkeit von Zaubersprüchen und -tränken glaubte. Sie stellte von Bingen Thomas von Aquin gegenüber, der jedoch abergläubische Praktiken verurteilte. Wobei man laut Selinger „einige Praktiken der katholischen Kirche, zum Beispiel Reliquien, kaum vom Aberglauben unterscheiden“ konnte.

Ausstellung zu Aberglauben im Stadtmuseum: Skurrile Rezepte

Astrologie wurde zusammen mit Astronomie als Wissenschaft an Universitäten gelehrt. Sogar der Papst hatte damals seinen Hof-Astrologen. Die Vier-Säfte-Lehre (Blut, gelbe und schwarze Galle, Schleim) war die Grundlage zur Behandlung von Krankheiten.

Je widerlicher die Zutaten, desto höher wurde die Wirkung des „Heilmittels“ eingeschätzt.

Aber nur wenige Schriften zeugen von der Magie des Aberglaubens. Eine davon befindet sich in der bayerischen Staatsbibliothek und enthält Zaubereien, die „Menschen in den Wahnsinn treiben“, „Leidenschaft erwecken“ oder helfen sollen, „Gunst am Hof zu erlangen“. Auch skurrile Rezepte, etwa, wie sich das Blut einer Fledermaus in die Augen zu reiben, um die Sehkraft zu stärken: „Je ekelhafter die Zutaten zu einer magischen Medizin waren, für umso wirkungsvoller hat man sie gehalten“, so Alice Selinger. Dazu gehörten Leichenteile genauso wie Teile von Tieren, denen besondere Eigenschaften zugeschrieben wurden.

Ausstellung im Stadtmuseum: Hexenverbrennungen als Höhepunkt des Aberglaubens

Seinen Höhepunkt fand der Aberglaube in den Hexenverbrennungen. Womit sich der Kreis der Ausstellung nach Schongau mit seiner historischen Vergangenheit schließt: „Das Thema ist eine gute Ergänzung zum Historienspiel“, erläuterte Franz Grundner. Und wer mit offenen Augen durch die Ausstellung geht, kann sicher auch einige abergläubische Erkenntnisse und Bräuche finden, die sich bis heute gehalten haben.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Stadtmuseum:

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 4. August jeden Mittwoch, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr.

VON URSULA FRÖHLICH

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