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Bahnhof-Besitzer Andreas Holzhey, Heini Forster und Bürgermeister Falk Sluyterman stehen an der Stelle, an der bisher der Übergang zu den Zügen erfolgt. Geht es nach Plänen der Bahn, sollen die Fahrgäste 200 Meter marschieren (zwischen dem Güterzug und dem Triebwagen im Hintergrund) und von dort ohne Gleis-Überquerung in die Züge einsteigen.

Pläne für barrierefreien Ausbau

Bahn will entfernteren Zug-Zugang

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Vor genau zwei Jahren hatte Andreas Holzhey im Stadtrat berichtet, was er mit dem wenige Monate zuvor gekauften Schongauer Bahnhofsgebäude vorhat. Er hatte damals um Geduld gebeten – das hat sich bewahrheitet. Mittlerweile sind immer neue Hürden aufgetaucht.

Schongau – Heini Forster nickt anerkennend mit dem Kopf, als er die renovierten Räume im ersten Stock des Bahnhofs begutachtet. Der ehemalige Eisenbahner, der sich den Pressetermin nicht entgehen ließ, kennt die Wohnung noch von früher, als der Bahnhofsvorstand dort wohnte. Jetzt ist sie komplett saniert und könnte bezogen werden. Am liebsten als Büro, mit jemandem, der das Haus mit Leben erfüllt.

Denn seit das Reisezentrum durch das Video-Pendant ersetzt wurde, ist es still geworden im Bahnhof. „Es waren immer Leute hier“, sagt Bürgermeister Falk Slyuterman, selbst passionierter Bahnfahrer, etwas wehmütig, als Holzhey die verlassenen Räumlichkeiten aufsperrt. Sluyterman erinnert sich noch, wie ihm die versierte Bahn-Mitarbeiterin mal ein Ticket nach Polen verkaufte, obwohl er nur nach Berlin wollte – weil es billiger war. „Das bekommt man vom Automaten nicht.“

Rund um das Reisezentrum wollte Holzhey den Bahnhof beleben, etwa mit einem Kiosk oder Café. Jetzt ist eher das Gegenteil der Fall. Die Wartehalle ist zu, weil sie sonst nur durch Feierwütige zweckentfremdet würde. Nur die Fahrschule ist noch im Haus. Mit weiteren Investitionen ist Holzhey vorsichtig. „Es gab zwar schon Anfragen, aber nichts Ernstes“, sagt er. Und solange nicht jemand einen Mietvertrag unterschreibt, hält er sich zurück. Der Umbau des ehemaligen Reisezentrums etwa wäre extrem aufwändig. Es gibt keine Leitungen und Rohre, da müsste der Boden aufgerissen werden. Holzhey wird die zweite Wohnung im ersten Stock, die derzeit noch bewohnt ist, herrichten, unter anderem mit neuen Fenstern, dann dem Haus einen neuen Anstrich verpassen – und abwarten, was sich im Umfeld tut.

Einen Übergang über Gleise soll es künftig nicht mehr geben

Denn das ist die noch spannendere Frage. „Uns ist daran gelegen, dass der Bahnhof eine bahnspezifische Nutzung bekommt“, sagt Sluyterman. Doch die Pläne der Deutschen Bahn zum barrierefreien Ausbau, der bald starten soll, stehen dem entgegen. Erste Vorschläge, die mit der Stadt besprochen wurden, sehen nämlich so aus: Der bisherige Halt an Gleis 4 mit dem Übergang über die Gleise wäre nicht mehr möglich. „So etwas wird bei der DB nicht mehr gern gesehen“, weiß auch Holzhey.

Da eine Tunnel-Lösung mit Aufzug finanziell in Schongau völlig außer Frage steht, hatte die Bahn eine andere Idee: Fahrgäste sollen künftig auf einem neu errichteten Weg zwischen Gütergleis und Gleis 2 Richtung Norden marschieren, bis Gleis 2 endet. Dort könnten die Fahrgäste abbiegen und in den Zug einsteigen.

Das wäre barrierefrei, aber für Holzhey eine Katastrophe. Denn kein Fahrgast würde mehr am 200 Meter entfernten Bahnhof warten, sondern direkt dort, wo die Züge ankommen – möglicherweise unter einem kleinen Unterstand. „Das wäre der Todesstoß für den Bahnhof“, sagt auch Sluyterman. „Wir haben verschiedene Schreiben losgeschickt und hoffen, die Bahn von ihren Plänen abbringen zu können.“ Laut Holzhey würden dann noch viel mehr Fahrgäste als jetzt, vor allem Schüler, kreuz und quer über die Gleise laufen. „Da braucht man hohe Zäune, um das zu verhindern, und vor so einem eingesperrten Bahnhof habe ich Angst“, sagt Holzhey.

Bahnhofsumfeld soll aufgewertet werden

Sein Wunsch: Ein einfacher Bahnsteig an der Stelle, wo früher Gleis 1 war. Damit könnten Züge direkt an Gleis 2 bis vor den Bahnhof fahren. „Das wäre relativ billig herzurichten“, glaubt Holzhey. Auch Sluyterman sagt: „Wir haben hier alles: Die Fußgängerampel an der Bahnhofstraße, den Fußweg zur Altstadt, und wir wollen das Bahnhofsumfeld aufwerten.“

Allerdings wäre dann immer Endstation am Bahnhof, weil Gleis 2 dort endet – und würde die von der Stadt unterstützen Pläne konterkarieren, einen Bahn-Halt am Krankenhaus zu errichten. Das wäre nur in Verlängerung von Gleis 4 möglich. „Darüber müssen wir noch einmal reden“, sagte Sluyterman zu dieser komplizierten Gemengelage.

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