+
Die Baubranche boomt in der Sommersaison 2016 ordentlich, wie hier an einer Baustelle in Schongau.

auftragslagen und prognosen ausgezeichnet

Baubranche rechnet mit guter Saison

  • schließen

Schongau - Die Auftragslage ist bestens, die Stimmung entsprechend: In der Baubranche zeigt der Stimmungspegel in der bevorstehenden Sommersaison deutlich nach oben. Mehr als die Hälfte der Bau- und Ausbauunternehmen bayernweit sieht in den kommenden Monaten guten Geschäften entgegen – auch im Schongauer Land.

„Gut bis sehr gut“ schätzt Florian Holl vom gleichnamigen Peitinger Bauunternehmen die Situation für seinen Betrieb ein. Und registriert dabei einen Auftragsbestand von zwölf bis 15 Wochen, der sogar noch höher angesiedelt ist als im bayerischen Durchschnitt. Dort liegt er im Ausbaugewerbe bei durchschnittlich acht Wochen, im Bauhauptgewerbe bei zehn Wochen.

„Bis Spätsommer/Herbst habe ich eine Auslastung von 80 bis 90 Prozent“, kann sich Holl die Hände reiben. Der Unterschied zum vergangenen Jahr sei zwar nicht eklatant, doch eine leichte Verbesserung sei schon spürbar. Zurück führt er das in erster Linie auf den Niedrigzins, der so manchen potentiellen Häuslebauer antreibe, auf Betongold zu setzen.

Aber auch die Verschärfung der Energiesparverordnung ist seiner Meinung nach mitverantwortlich für diese Entwicklung. „Ich glaube, dass viele private Bauherrn deshalb vorher versuchen, eine Baugenehmigung zu erhalten und so noch nach der alten Verordnung bauen zu können.“ Dass es in punkto Wirtschaftsbau derzeit stagniere, bekommt Holl nicht so mit. „Damit sind wir kaum befasst und daher auch kaum betroffen“, erklärt er.

Die Landesvereinigung der Bauwirtschaft Bayern hatte dazu durch ihren Sprecher Hans Auracher mitteilen lassen, dass der Wirtschaftsbau bei allen Fortschritten im Wohnungsbau nicht so recht vorankomme. So stagniere der baugewerbliche Gesamtumsatz in Bayern – allerdings auf hohem Niveau. In Zahlen bedeute dies 20,2 Milliarden Euro im Jahr 2014, im vergangenen Jahr 20,5 Milliarden Euro.

Diese Entwicklung werde sich heuer voraussichtlich fortsetzen, ein starkes Wachstum sei nicht zu erwarten. Was nicht zuletzt vor allem daran liege, dass die Wirtschaft generell wegen unsicherer Konjunkturaussichten mit dem Ausbau der Kapazitäten zögere.

Gemischte Erfahrungen mit dem Einsatz von Migranten

Im Zusammenhang mit dem nach wie vor existenten Fachkräftemangel sprach Auracher auch über erste Erfahrungen bei der Beschäftigung und Ausbildung von Migranten. Gute Deutschkenntnisse, eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und ein fester Wohnsitz sind für viele Unternehmen demnach unerlässlich.

Holl sieht das ähnlich und hat bereits erste Erfahrungen gesammelt – via Berufsbildungswerk Weilheim. „Wir hatten fünf Wochen lang einen Migranten in einer sogenannten Berufsförderungs- und Eingliederungsmaßnahme.“ Und Holl ist voll des Lobs. „Sowohl Arbeitswillen als auch Integrationsbereitschaft waren ausgezeichnet“, zieht er ein positives Fazit, schränkt die Euphorie aber etwas ein. „An der Sprache hat’s noch gehapert, das ist ausbaufähig.“ Offen ist er aber allemal für weitere Versuche, „weil da sehr viel Potential schlummert“.

Auslastung von 90 Prozent 

Eine großartige Betriebsauslastung kann auch Luisa Zepf von Schneider Erd- und Tiefbau in Peiting vermelden. „Bei uns ist eine Auslastung von 90 Prozent gewährleistet, weshalb wir auch nur noch kleinere Maßnahmen in Angriff nehmen können.“ Bei den größeren Vorhaben sei man gar über das laufende Jahr hinaus beschäftigt.

Nicht teilen kann sie die allgemeine Tendenz in punkto Wohnungs- und Wirtschaftsbau. „Bei uns ist eher bezüglich Wirtschaftsbau mehr los, der Wohnungsbau noch spärlich“, sagt sie und verweist auf Baustellen bei der Ortsumfahrung Hohenpeißenberg oder der Grundschule Schongau.

Zehn Wochen Auslastung sind unterdessen auch in der Altenstadter Baufirma Haberstock derzeitiger Stand. „Im April geht’s richtig los“, berichtet Helmut Haberstock. Auch die vergangenen Jahre seien gut gelaufen. Die Menschen investierten angesichts des Niedrigzinses („Man kriegt ja nichts mehr für sein Geld auf dem Konto“) lieber in Immobilien. Auch er hat Erfahrungen mit einem Migranten, der „allerdings schon nach kurzer Zeit wieder hingeworfen hat“. Dennoch geht er das Wagnis nochmal ein, im April stellt sich der nächste Kandidat vor.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zugedröhnter Peitinger (25) liegt reglos auf Straße
Eine Person liegt im Peitinger Kampfgartenweg und bewegt sich nicht mehr - diese Meldung ließ Schlimmstes befürchten. Die Polizei rückte sofort aus.   
Zugedröhnter Peitinger (25) liegt reglos auf Straße
Familiendrama in Penzberg: Polizei gibt mehr Details bekannt
Bluttat in Penzberg: Eine 45-Jährige geht am Mittwoch mit einem Messer auf ihre Ex-Schwiegermutter los - nach kurzer Flucht stellt sie sich, schweigt aber zu den …
Familiendrama in Penzberg: Polizei gibt mehr Details bekannt
„Es wurde mit allen geredet“
In Rottenbuch wird über den geplanten Supermarkt diskutiert. Ansässige Geschäftsleute sammeln Unterschriften gegen das Projekt auf der grünen Wiese. Sie fürchten um ihre …
„Es wurde mit allen geredet“
Münchner übersteht Horrorunfall unverletzt 
Ein 42-jähriger Motorradfahrer dürfte heute Morgen seinem Schutzengel nicht nur einmal gedankt haben. Der Münchner hat in Bernbeuren einen lebensgefährlichen Unfall …
Münchner übersteht Horrorunfall unverletzt 

Kommentare