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Henkerstochter: Schwitzen fürs Schafott

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Liegestützen nach den Vorstellungen von Rainer Lindner (Mitte): Erst auf den Handflächen, dann auf dem Medizinball. Dabei haben die Henkerstochter-Darstellerinnen immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht. © Hans-Helmut Herold

Im Sommer ist es wieder soweit. Da stehen die Mitglieder des Theatervereins Treibhaus mit vielen Statisten beim Henkerstochter-Schauspiel auf der Bühne. Das jeden Abend über mehrere Tage. Damit den Schauspielern dabei nicht die Puste ausgeht, werden sie körperlich fit gemacht. Drillmaster Rainer Lindner lässt grüßen.

Schongau – Es ist Freitagabend im Fitnessstudio „Fit 4 Fun Factory“ in Schongau. Dort soll für zwei Stunden jede Menge Schweiß fließen. Für eine ganz besondere Gruppe. Der auffallenden Hüne im Gymnastikraum ist wahrlich nicht zu übersehen. Gesunde braune Körperfarbe, ein Hauch von Bundeswehr als Sportbekleidung, silberweißer Bart, sympathisches Lächeln. Nicht zu übersehen der drahtig muskulöse Oberkörper. Auf dem Oberarm erscheint der tätowierte Skorpion drei Stufen gefährlicher, so prall gefüllte ist er.

Dieser Körper gehört Rainer Lindner (60), der als Personal-Trainer in diesem Studio zuhause ist. In langen Jahren als Berufssoldat hat er in Sachen Fitness und Ausdauer viele Schäfchen zu Wölfen ausgebildet und geformt. Das ist vor einigen Jahren auch Manfred Wodarczyk, dem Vorsitzenden des Vereins Schongauer Sommers, zu Ohren gekommen.

Ihm ist natürlich auch Lindner als stattlicher Hüne auf der Bühne aufgefallen, der vor drei Jahren bei der Henkerstochter den Hauptmann der Stadtwache verkörperte. Da wurde die Idee geboren, allgemein etwas für die Kondition der Mitspieler zu organisieren. Lindner zeigte sich sofort einverstanden, die Formung der Körper der Darsteller zu übernehmen.

Ein Hauch von Kasernendrill herrscht im Studio. An diesem Abend eigenartigerweise nur für die Frauen unter den Schauspielern. Lindner erklärt kurz und bündig die Übung, dann ab die Post. Seine Kommandos übertönen sogar die musikalischen Klänge aus den Lautsprechern.

„Schlagstock, Pfeffermühle, Panzergranate“, so die Schlagworte. Und dazu immer wieder „Schuffeln und schneller übergeben“. Die jungen Frauen, die in einer Linie angetreten sind, wissen, wie es ablaufen muss. Eine Art Staffelübergabe zur Seite mit kurzer Sprinteinlage danach. Die „Staffelhölzer“ erweisen sich dabei als Keulen aus Metall. Fünf, zehn und zu guter letzt zwanzig Kilogramm schwer. Der Name Panzergranate ist gerechtfertigt.

Auffallend: Alle Frauen sind bester Stimmung, von wegen Drückebergerinnen. Sie geben vollen Einsatz – und noch dazu auffallend nette Kommentare: „Er ist lustig, nett und kann gut motivieren. Es macht einfach brutal Spaß, mit jeder Einheit fühle ich mich leichter“, sagt zum Beispiel Vianne Wenninger (15), die in diesem Jahr als Agnes und Martina eine Doppelrolle spielt. Nele Högg (17) wird als Jossi die Anführerin der Kinder spielen. Ihr ist nur ein „mega cool“ zu entlocken, bevor sie ihre Wasserflasche leert.

Aber ihr Gesicht spricht Bände, Bände der Begeisterung. Und Karin Ostler, die eine Schongauer Bürgerin spielen wird, bringt einen deutlichen Vergleich: „Gegen dieses Training ist ,Biggest Looser’ im Fernsehen nur ein läppischer Kinderfasching.“ Trotzdem haben alle Frauen eine freudige Ausstrahlung bei den Sit-ups.

In der kurzen Trinkpause wird sich Rainer gekrallt. Man will nähere Infos über sein Programm wissen: „Bei jedem Training sind so zwischen zehn und 25 Aktive mit dabei, die die Chance nutzen, ihren Körper zu verändern“, erzählt er. Dabei soll Fett verbrannt und sollen Muskeln aufgebaut werden.

Auch für Mitspieler, die in bestimmten Situationen ihre Aggressionen abbauen wollen, hat Rainer Lösungen parat: Hier bringt er Schlingentrainer und Boxsack ins Spiel. Jeden Freitag und Sonntag für zwei Stunden zieht Rainer sein Programm durch – das ganze 20 Wochen lang. So können bis Mitte Juli 40 Trainingseinheiten angeboten werden. Und das völlig kostenlos, da Bernd Fohmann, Besitzer des Fitnessstudios, seine Räumlichkeiten und Geräte dafür kostenlos zur Verfügung stellt.

HANS-HELMUT HEROLD

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